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Leseprobe 3
19. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Das Volk Gottes und seine Corporate Identity

Predigt

Zum Text: Weish 18,6–9 (1. Lesung)

Wenn Menschen sich zusammentun, wenn sie gemeinsame Vorhaben angehen, dann haben sie meist ein gemeinsames Ziel oder ein gemeinsames Anliegen. Sie haben etwas, das ihr gemeinsames Selbstverständnis symbolisiert. Früher waren das zum Beispiel Fahnen, heute sind es eher Embleme, Leitbilder. In Unternehmen spricht man von der Corporate Identity. Sie wird im Denken und Handeln einer Organisation deutlich. Sie drückt sich im alltäglichen Leben aus, aber besonders bei Festen und Feiern. Sie bestimmt den Charakter einer Gruppe nach innen und außen.

Selbstverständnis und Selbstbild des Volkes Israel

Das Volk Israel hatte eine solche Corporate Identity. Es leitete sein Selbstverständnis von dem Ereignis der Befreiung aus Ägypten ab. In dieser Befreiungstat hat Gott seinem Volk ein für alle Mal gezeigt, dass er treu zu ihm hält und seine eidlichen Zusagen einhält. Dieses Ereignis prägt wie kein anderes das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein des Volkes Israel. Es kann sich auf die Zusagen seines Gottes verlassen, wie es sich in der Nacht des Pascha-Mahles, die zur Nacht der Befreiung wurde, gezeigt hat. Das hat das Volk nach innen zusammengeschweißt und nach außen stark gemacht. In Geborgenheit feiern sie ihr Opferfest. Güter wie Gefahren wollen sie teilen. Da bringt das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter dem Schutz Gottes die Einteilung in die gute Welt nach innen und die böse Welt von außen mit sich. Das klingt für unsere Ohren etwas fremd und überheblich, ist aber durchaus verständlich. So ist wohl auch die scharfe Trennung zwischen den Gerechten und den bösen Feinden zu verstehen.

Bröckelnde Identität als Hintergrund

Man könnte neidisch werden, wenn man die enorm selbstbewussten Sätze des Weisheitsbuches liest. Doch wer so auftritt wie der Autor der Weisheitsschrift, der hat es nötig. Er befindet sich aller Wahrscheinlichkeit nach in einer Umgebung, in der Gott eher vergessen wurde. Alexandrien, wo das Buch einige Jahrzehnte vor Jesu Geburt entstand, war der Mittelpunkt der damaligen gebildeten Welt. Der Autor fragt sich in seiner Schrift, ob die Menschen um ihn herum vergessen haben, was sie eigentlich ausmacht und woher sie kommen. Er setzt eigentlich einem bröckelnden Selbstwert als Volk Gottes seinen Treueglauben an den Gott der Befreiung entgegen. Daher auch die etwas übersteigerte Gegenüberstellung gut – böse.

Corporate Identity von Gemeinde/Kirche heute

Der Hintergrund des Weisheitsbuches weist durchaus Parallelen auf zu unserer aktuellen Situation als Volk Gottes. Das ist auch Thema von christlichen Gemeinden zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Woher kommen wir, was ist unser Selbstverständnis, wovon leben wir, was ist unser Ziel? Die Umstände, unter denen Gemeindeleben heute stattfindet, verändern sich so schnell, dass es sehr schwer ist, ein gemeinsames Selbstverständnis zu finden, das zusammenschweißt und alle verbindet. Stattdessen gibt es viele offene Fragen: Was macht Kirche und Gemeinde heute aus, was sind ihre Aufgaben, was verbindet die Glieder untereinander? Die Corporate Identity von Kirche im Großen und von Gemeinde am Ort gilt es immer wieder neu zu finden. Nicht selten hat man den Eindruck, dass Christen eher zaghaft und unsicher ihre Rolle und Aufgabe in der Welt von heute wahrnehmen. Der Weisheitslehrer aus dem ersten Testament gibt deutlich vor, aus welchen Gegebenheiten das Selbstverständnis des Volkes Gottes abzuleiten ist. Das gilt auch noch zweitausend Jahre später.

Unsere Bilder für die Treue Gottes

Es geht immer noch darum, an das Treueversprechen Gottes zu erinnern und dieses Treueversprechen ernst zu nehmen. Mag uns als Bild für diese Treue Gottes die Befreiung aus Ägypten nicht so nahe liegen wie dem jüdischen Volk. Die entscheidenden Bilder für die Treue Gottes sind für uns Geburt, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Sie sind Hintergrund für unsere Corporate Identity. An sie gilt es immer wieder zu erinnern mit der Festigkeit und Beharrlichkeit, die den Worten des Weisheitslehrers zu entnehmen sind.

Fürbitten
Gott, unser Vater, wir glauben an die Zusage deiner Treue. Deshalb bringen wir unsere Nöte und Bitten vor dich:

- Wir bitten für deine Kirche: um Glaubwürdigkeit und Selbstvertrauen, damit sie dich den Menschen verkünden kann.
- Wir bitten für unsere Gemeinden: um Zusammenhalt und Kraft, damit sie ihre Aufgaben in der Welt wahrnehmen können.
- Wir bitten für alle, die deine Botschaft verkünden: um einen standhaften Glauben an dich.
- Wir bitten für die Verstorbenen: Lass sie deine Treue von Angesicht zu Angesicht erfahren.

Du hast uns und deinem ganzen Volk deine befreiende Nähe versprochen. Darauf hoffen wir und dafür danken wir. Amen.

Josef Birk

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