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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
17. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Begrüßung und Einführung
»Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen!« So sagt uns Jesus Christus. In dieser Gewissheit dürfen wir hier sein. Ganz herzlich grüße ich Sie und euch.
Stellen wir uns unter den Namen und den Segen Gottes: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Herr, der uns seine Treue zusagt, sei mit euch.
Als Jesus sich zum Gebet zurückgezogen hatte, bitten ihn seine Jünger: Herr, lehre uns beten! Und Jesus entspricht der Bitte seiner Jünger. Er führt sie in das Gebet ein, in das vertrauende Sprechen zum Vater, der ein Herz hat für die Menschen. Aber es sind nicht nur die Worte, die er ihnen anbietet. »Worte belehren, Beispiele reißen mit«, könnte man sagen. Und so lebt Jesus seinen Jüngern das Vertrauen in den Vater auch selbst vor.
Bitten wir darum, dass unser Vertrauen wächst und so auch unser Beten tiefer und wahrhaftiger wird.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, du Ziel unserer Hoffnung.
Herr, erbarme dich.

Du lehrst uns, in deinem Geist zu beten und uns dem Vater rückhaltlos anzuvertrauen.
Christus, erbarme dich.

Du bist unser Mittler beim Vater.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott, unser Vater!
So haben dich Generationen von Christen genannt. So dürfen auch wir dich nennen, weil Jesus dein Sohn, uns dies Wort in den Mund gelegt hat. Du lädst uns ein, vor dich zu treten und in deiner Nähe zu verweilen.
Öffne unser Herz für das, was du uns schenken willst, und lass uns innig vertrauen auf dich.
Der du lebst und wirkst in alle Ewigkeit.

Schlussgebet
Herr unser Gott,
wenn wir beten, dürfen wir uns auf deinen Sohn, unseren Bruder Jesus Christus berufen. Er war sich gewiss, dass du ihn hörst.
Wenn wir beten, nehmen wir teil an seinem Vertrauen auf dich.
Mag auch unser eigener Glaube klein und schwach sein, du hörst uns um Jesu Christi willen, wenn wir rufen: Dein Reich komme!
Das gewähre uns, Gott, der du wahrhaft unser Vater bist und der du lebst und wirkst in alle Ewigkeit.

Fürbitten
Unser Herr Jesus Christus hat gesagt: Bittet, dann wird euch gegeben. Er lädt uns ein, voll Vertrauen zu dir, Vater, zu gehen. Wir folgen seiner Einladung und bitten:

- Für uns und alle, die glaubend und suchend unterwegs sind: Befähige uns zu einem neuen Beten, das ganz aus dem Vertrauen auf dich lebt und ganz aus dem Herzen kommt.
- Für diejenigen, die meinen, alles mit sich selbst ausmachen zu müssen: Öffne sie für dich und für die Menschen an ihrer Seite, die ihnen Hilfe anbieten.
- Für diejenigen, die im Augenblick nicht beten können, weil sie das, was sie erlebt haben, daran hindert: Schenke ihnen, dass sie aus ihrer inneren Lähmung wieder herausfinden und erfahren, dass das Gebet sie gelassener und hoffnungsvoller machen kann.
- Für diejenigen, die mit ihrem Gebet keine Erhörung finden: Bewahre sie vor Verbitterung, hilf ihnen festzuhalten an dem Glauben, dass du die Dinge nach deinem Willen zum Guten führen wirst.
- Für alle, die reichlich beten, aber in der Gefahr sind, den eigenen Auftrag zum Handeln zu übersehen. Mache sie bereit, nach ihren eigenen Kräften Verantwortung in dieser Welt zu übernehmen.

Herr, höre und erhöre unsere Bitten. Wir vertrauen dir unser Leben, unseren Weg an. Dir sei die Ehre in Ewigkeit. Amen.

Bei Jesus in der Gebetsschule: Mehr lernen als die richtigen Worte

Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 11,1–13 (Evangelium)

Die Perikope Lk 11,1–13 gliedert sich in drei Abschnitte. Die Jünger erleben, wie Jesus betet. Sie bitten ihn, ihnen das Beten zu lehren. Er geht darauf ein und nennt ihnen das Gebet zum Vater als Grundform des Betens in seiner Gefolgschaft (Lk 11,1–4). Im Gleichnis vom bittenden Freund zeichnet Jesus ein Bild von Gott: Er ist der Freund, der die drängenden Bitten erfüllt (Lk 11,5–8). Mit den hinzugefügten Einzelworten werden die Jünger zum inständigen Gebet aufgefordert (Lk 11,9–13).
Es steht also am Anfang das vorbildliche Lebenszeugnis Jesu: Er hat sich zum Gebet zurückgezogen. Die ihm nachfolgenden Jünger erleben ihn als ihren Lehrer. »Kyrios« – Herr nennen sie ihn. Er ist der Lehrer schlechthin. Und er lehrt nicht nur mit einem Gebetswort, sondern er lehrt sie mit seiner eigenen Gebetspraxis.
Sein Gebet ist mehr als ein Formular: In seinem Gebet ist seine ganze Sendung spürbar. Schon die Einleitung des Gebets macht etwas davon deutlich: Vater – so nennt er Gott. Hier klingt das »Abba« der aramäischen Muttersprache Jesu auf. Dieses »Vater« ist die Seele des Gebets. Es ist ein Wort, das vor jeder einzelnen der folgenden Bitten seinen Platz haben könnte.
Dieses Gebet zum Vater ist gleichsam kirchen-begründend, weil es die Jünger in die Gemeinschaft eines »Wir« führt.
Das Gleichnis, das Jesus anfügt, unterstreicht die Dringlichkeit des Gebets und ist eine Einladung und eine Ermutigung zum eindringlichen Gebet: Gott lässt sich angehen wie ein Freund.
Die Eindringlichkeit des Gebets wird unterstrichen in den Verben, die Jesus anschließend verwendet: bitten, suchen, anklopfen (Lk 11,9). Darin wird das Drängende beschrieben.
Die grundlegende Gabe, um die wir bitten sollen, wird hier genannt: die Bitte um den Heiligen Geist (Lk 11,13). Dabei geht es um den Einzug eines neuen Geistes und das Vertreiben des unreinen Geistes. Das deutet auf den »Sitz im Leben« der frühen Kirche hin, den diese Perikope innehat, nämlich die Taufunterweisung. Dabei geht es darum, dem Geist Gottes in den Taufbewerbern Raum zu schaffen, sodass das Reich Gottes bei ihnen einziehen kann. Auf ihrem Weg der Christ-Werdung wurde den Taufbewerber das »Vater-unser-Gebet« überreicht und ihnen mit den drängenden Worten Jesu ans Herz gelegt.
In der Predigt möchte ich uns Heutige gleichsam in die Gebets-Schule bei Jesus schicken, damit wir durch die Zeilen des altbekannten und längst vertrauten Gebets Jesu hindurch das drängende, vertrauende Beten erneut lernen.

Predigt

Beten – ein schwieriges Thema?

Eine Erfahrung aus der diesjährigen Erstkommunionvorbereitung kommt mir zuerst in den Sinn: Bei einem Elternabend versuchten wir das Thema »Beten« im Gespräch mit den Eltern anzugehen. Es war mühsam. Wahrscheinlich waren meine Impulse etwas ungeschickt. Jedenfalls: Von den Eltern kam fast nichts. Es hatte den Anschein, als ob das Beten für sie so etwas wie ein Fremdwort sei. Das offizielle Gebet wirkt wie versandet. Die alten Formeln des Gebets machen wenig Lust. Einen eigenen Faden des Gebets zu finden, einen eigenen Stil – da fühlen sich viele einfach überfordert und sind hilflos. Und in den Familien: Ein gemeinsames Gebet scheint oftmals einfach nicht möglich zu sein, weil die Familienmitglieder, die Partner keine gemeinsame Linie finden. Oder weil sie es sich einfach nicht getrauen, einen gemeinsamen ersten Schritt zu tun.
Fragen standen im Raum: Hat Beten überhaupt einen Sinn? Lohnt es sich zu beten?
Diese sehr ernüchternde Erfahrung im Gespräch mit den Eltern forderte mich selbst heraus und stellte mir die Frage: Wie ist es denn mit deinem eigenen Beten? Ist dein Beten nicht auch sehr mickrig, obwohl du doch sozusagen zu den »Berufsbetern« gehörst?
Und dann habe ich die Kinder vor mir: Sie haben keine Scheu. Sie sprudeln nur so heraus, wenn sie aufs Beten angesprochen werden. Sie haben Anliegen. Sie tun sich leicht, alles ungeschminkt und unfrisiert vor Gott zu bringen. Etwas Wohltuendes, dieses kindliche Vertrauen! Für uns Erwachsene aber sehe ich: Wir haben alle eine Gebetsschule nötig: Beten will gelernt sein.

Bei Jesus in der Gebetsschule

Diese Gebetsschule finden wir bei Jesus: Wir brauchen mit den Jüngern im heutigen Evangelium nur zu bitten: Herr, lehre uns beten!
Dass die Jünger Jesus gegenüber diese Bitte äußern, ist zunächst einmal eher überraschend: Denn sie sind ja gläubige Juden. Sie haben das Beten doch eigentlich intus! In ihren Synagogen haben sie den reichen Schatz des Psalmgebetes zur Genüge gelernt. Was brauchen sie das Beten noch zu lernen?
Doch offensichtlich spüren sie: In diesem Jesus ist etwas ganz Neues angebrochen, eine Wende, ein neuer Anfang! Das braucht auch ein neues Gebet, ein ganz neues Sprechen mit Gott.
Und Jesus gibt ihnen dieses Gebet! Denen, die mit ihm aufgebrochen sind! Seinen Freunden! Nicht als Allerweltsgebet gibt er es ihnen, sondern wie einen wertvollen Schatz. Und so haben es die ersten Christen auch verstanden. Sie haben das Gebet ihres Herrn den Neu-Hinzukommenden bei der Vorbereitung auf die Taufe ganz bewusst ausgehändigt: als ein kostbares, unendlich wertvolles Geschenk für den, der es mit der Jesus-Nachfolge ernst nimmt.

Die Mitte des Gebets

Was es beinhaltet – dieses Gebet? Gehen wir dem ein wenig nach!
Das erste Wort schon gibt den Ton an: Da ist das zentral Neue: Vater. So dürfen wir mit Jesus zusammen beten. Dieses Wort ist die Seele des Gebets. Ehrfürchtig durchaus, aber vor allem vertrauend, so soll der Beter vor Gott stehen. Nicht viele Worte braucht es da. Einfach: Vater. Oder wie es Jesus in seiner Muttersprache auch sagt: Abba! Lieber Vater! Das deutet hin auf ein ganz vertrauensvolles, ganz enges, herzliches Verhältnis. Das zeugt von großer Nähe. Und mit gutem Recht werden manche an dieser Stelle Gott lieber auch als Mutter ansprechen. Darin liegt eben auch diese Wärme, diese Nähe, die von Gott ausgeht, seine Mütterlichkeit, die so bergend ist. Und es wird damit noch einmal deutlicher, dass wir uns im Gebet nicht an Gott als eine ferne Majestät wenden, sondern an einen Gott voller liebender Zuwendung.

Das Gebet schafft Gemeinschaft

Und wenn wir nach Jesu Wort zu Gott »Unser Vater« sagen, dann werden wir unwillkürlich zu einer Familie, zur Familie Gottes. Aus diesem Gebet will eine geschwisterliche Gemeinschaft der Freunde Jesu erwachsen, eine geschwisterliche Kirche. Das ist eine gewaltige Herausforderung an uns. Nicht immer so leicht einzulösen. So verschieden wir sind, nicht nur jetzt hier in unserer heutigen gottesdienstlichen Versammlung, sondern als weltweite Gemeinschaft, über Völker, Kulturen und Sprachen hin – wir nennen Gott gemeinsam: unseren Vater. Indem wir mit diesem Gebet Gott ehren, können wir nicht anders, als alle jene zu ehren, die ebenso wie wir selbst Gott so ansprechen. Das ist ein weltweiter Brückenschlag, eine Zusage der Achtung, der Wertschätzung. Da geht es um eine Zusammengehörigkeit mit Tiefgang, mit Herzlichkeit – in der einen Familie.

Worum darf und soll ich bitten?

Das ist das neue Beten: Jesus lädt uns ein, zu Gott zu gehen – wie zu einem Freund, ohne Scheu. Ja, eindringlich, aufdringlich bei ihm anzuklopfen, mit allem, was uns am Herzen liegt!
Aber darf das wirklich sein? Dürfen wir Gott für unsere womöglich egoistischen Bitten missbrauchen?
Dieser Gefahr ist in Jesu Gebet gewehrt. Denn das zentrale Anliegen, der rote Faden seines ganzen Gebetes heißt: Dein Reich komme! Um Gottes Reich geht es! Um das Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe! Dass Gottes Wille, dass seine Herrschaft sich durchsetze und Raum gewinne! Dass die Welt, die Menschen, die ganze Schöpfung in allen Lebensbereichen von Gottes gutem Geist erfüllt, durchdrungen und geprägt ist. Das ist die Richtschnur und das Maß auch für mein eigenes Beten, das zugegebenermaßen manchmal ja ein wenig kurzsichtig und egoistisch ist.

Die Gebetsschule für uns

Das neue Beten: Ich möchte es lernen bei Jesus. Ich möchte in seine Gebetsschule gehen und es zuerst lernen, mit dem Namen Gottes sorgsamer umzugehen. Es braucht nicht viel Rederei. Es geht ganz ohne plappern. Einfach nur: »Vater«! Und dies im Vertrauen gesprochen, in herzlicher Vertrautheit und zugleich doch in Ehrfurcht.
Das neue Beten: Ich möchte der Sehnsucht in mir nachspüren, dass ich mit meinem Leben eben in einem ganz anderen, tieferen Grund gründe, dass ich mit meinem kleinen Leben beheimatet bin in einem großen und weiten Horizont und dass ich auf diesen Horizont hin geöffnet sein darf, den ich liebevoll »Vater« nenne.
Das neue Beten: Ich möchte dazu vor allem auch die Eltern mitnehmen, von deren Hilflosigkeit ich anfangs gesprochen habe. Ich weiß, dass viele von ihnen es einfach schwer haben, um im Miteinander ihrer Familien einen gemeinsamen gangbaren Weg des Betens zu finden. Ich möchte ihnen sagen: Es braucht nicht zuerst neue Techniken und neue Regeln. Es braucht auch keine perfekten Formeln. Es braucht nur einfach den Blick zum Vater und das feste Vertrauen auf ihn. Und darum sollten wir vor allem bitten, dass in uns ein Vertrauen ist, das ansteckend und einladend ist auch für andere.
Das neue Beten: Ich möchte es lernen, dass mein Beten kein leichtfertiges, billiges Beten ist, in dem ich Gott missbrauche als meinen Erfüllungsgehilfen, statt dass ich selbst meine Kraft für den Aufbau des Reiches Gottes einsetze.
Das neue Beten: Ich möchte es selbst spüren und es auch anderen vermitteln, dass das Beten in der Gebetsschule Jesu uns auch verwandeln kann. Wie der verstorbene Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Georg Moser, es einmal gesagt hat: Wer betet, begegnet Menschen anders, er sieht sie mit den Augen Gottes – als Schwestern und Brüder.
Wer betet, sieht die Welt anders, er weiß, trotz aller Fragen und Dunkelheiten, hinter allem Geschehen um das schöpferische Handeln Gottes.
Wer betet, erfährt auch sich selbst anders, nämlich als von Gott gewollt, geliebt, geleitet.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung:
GL 293 »Auf dich allein ich baue«
Antwortgesang
GL 698/1 »Der Herr ist nahe allen, die ihn rufen« mit Versen aus Kantorenbuch 121 A oder B (Psalm 138 ) und GL 532/2 »Halleluja« oder
GL 264,1–2 »Mein ganzes Herz erhebet dich«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 300 »Solang es Menschen gibt auf Erden« oder
EH 281 »Wir haben Gottes Spuren festgestellt«
Gesang zur Kommunion
GL 540 »Sei gelobt, Herr Jesus Christ« oder
GL 880 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 295 »Wer nur den lieben Gott lässt walten«

Wolfgang Schrenk

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