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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Elfter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Begrüßung und Einführung
Aus reiner Liebe hat Gott uns Menschen reich beschenkt. Deshalb brauchen wir auch auf seine Vergebung nicht zu warten. Seine Barmherzigkeit ist größer als unsere Schuld. Unsere Liebe zu ihm ist die dankbare Antwort auf sein Erbarmen.

Kyrie-Ruf
GL 523 »Du ruft uns, Herr, trotz unserer Schuld«

Tagesgebet
Messbuch – Elfter Sonntag im Jahreskreis C

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 462 »Zu dir, o Gott, erheben wir«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 191/1 »Beim Herrn ist Barmherzigkeit« mit 191/2 (Psalm 130) und GL 531/5 »Halleluja« mit Vers: »Gott hat uns geliebt – und seinen Sohn gesandt als Sühne für unsere Sünden«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 300,1–3 »Solang es Menschen gibt auf Erden«
Gesang zur Kommunion
GL 300,4–5 »Du bist das Licht«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 265 »Nun lobet Gott im hohen Thron«

Fürbitten
Herr Jesus Christus, deine Liebe hilft uns, Vergebung zu erlangen und im Frieden zu leben.

- Für die Kirche: Reinige sie von aller Schuld und hilf ihr, deine Vergebung zu verkünden.
- Für alle Menschen, die schwere Schuld auf sich geladen haben: Lass sie spüren, dass deine Liebe und Verzeihung immer größer ist als ihre Schuld.
- Für alle, die Opfer von Gewalt und Unrecht geworden sind: Richte sie auf und schenke ihnen neue Hoffnung und neuen Lebensmut.
- Für die Verstorbenen: Nimm sie auf in die Vollendung des Lebens und schenke ihnen den ewigen Frieden.

Deine Vergebung, Herr, bringt auch unseren Mangel an das Ziel und in die Vollendung: das ewige Leben bei dir. Wir danken dir, dass wir schon jetzt als befreite Menschen leben können durch dich, Christus, unseren Herrn. Amen.

Ein befreites Miteinander von Frauen und Männern

Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 7,36 – 8,3 (Evangelium)

Sünde und Schuld gehören zum Leben des Menschen, zu seiner Fehlerhaftigkeit und Schwäche. Und doch scheint es auch zum Menschsein zu gehören, dass wir Schuld nicht wahrhaben wollen. Wir machen uns schöner und besser, als wir sind. Dazu hin ist es Mode geworden, die Schuld nicht bei sich selbst, sondern bei anderen, bei widrigen Umständen zu suchen. Das Milieu, die Familie, die Gesellschaft tragen die Schuld für das Versagen des Einzelnen. Schuld muss man geduldig austragen wie ein Kind, hat einmal jemand gesagt. Aber man kann es nicht alleine, man braucht ein Gegenüber, ein Du, das mir tragen hilft und mir Verzeihung und Versöhnung zusagt. Dass Gott dieses Du sein kann, hat er in Jesus, dem menschgewordenen Wort, bewiesen und Sünderinnen und Sündern seine liebende Barmherzigkeit gezeigt.

Predigt

Eine Begegnungsgeschichte

In der Bibel gibt es eine Fülle von Begegnungsgeschichten. Eine eindrucksvolle Begegnung ist die im heutigen Evangelium. Jesus, der Pharisäer Simon und eine stadtbekannte Sünderin. Wie geht Jesus mit den beiden um? Als erstes spricht er den Gastgeber Simon an. Da fällt kein böser Blick, kein Vorwurf, keine bissige Bemerkung. Vornehm und sachlich hält Jesus Simon eine Geschichte vors Gesicht, um ihm sein Verhalten bewusst zu machen und ihn zu seiner Wahrheit zu führen. Damit macht er ihm Mut, sich selbst anzuschauen. Dann rückt Jesus mit der Wahrheit heraus. Die Wahrheit kann bitter sein, sie kann sehr weh tun. Jesus vergleicht Simon mit der Sünderin. Dabei kommt Simon schlecht weg. Im Gegensatz zu der Frau hat er Jesus weder herzlich begrüßt noch gastfreundlich bewirtet. Im Blick auf die Frau sagt Jesus: »Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat.« Jesus beschönigt nichts. Er spricht von »Sünden«.
Das ist die eigentliche, entscheidende Aussage dieses Evangeliums: Nicht das Ausmaß der Schuld ist ausschlaggebend bei Gott, sondern das Maß der Liebe. Und nicht die Korrektheit ist im Leben entscheidend, sondern die Liebe. Simon, der Pharisäer, ist zweifellos korrekt. Aber ihn bewegt nichts. Bei ihm ereignet sich nichts. So bleibt er, wie er war und ist. Er ist nicht bereit, sich zu ändern. Der Sünderin hilft die Begegnung mit Jesus, wieder an sich selbst zu glauben. Sie wird verwandelt. Sie bekommt Mut, sich selbst ins Gesicht zu schauen.
An der Sünderin wird deutlich: Schuld kann heilsam sein. Sie hat trotz allem, nach allem ihr liebendes Herz bewahrt. Weil sie Jesus alles verdankt, gibt sie ihm auch alles. An ihr wird ablesbar, dass die Basis der Vergebung nicht die Relativierung der Schuld ist, sondern die Annahme des sündigen Menschen.

Verwandlung durch Liebe

Diese Begegnungsgeschichte öffnet die Augen für Wirklichkeiten, die ansonsten unsichtbar bleiben. Mit ihrem direkten Blick auf die Situation der Frau öffnet sie unsere Augen für die große Barmherzigkeit Gottes, die dieser Sünderin wie allen anderen Menschen gilt. Glauben und Tun der Liebe sind notwendige Voraussetzung wie auch unmittelbare Folge der Sündenvergebung. Das Schenken und die Liebe sind an die Stelle der Schuld und des Zurückzahlens gerückt.
Für uns tröstlich und beunruhigend zugleich kann es sein, wenn wir uns neben die Sünderin stellen in dem Bewusstsein, dass auch wir schuldige Menschen sind: Wir können Mut schöpfen, mit und trotz all unserer Schuld zu Gott zu kommen. Seine Liebe ist größer als unser Versagen. Er ermöglicht uns immer wieder den neuen Anfang.
Stellen wir uns neben den Pharisäer Simon, kommen Fragen in uns hoch: Da bemüht man sich, als korrekter Mensch zu leben, und plötzlich scheint es so, als ob dies alles gar nichts zählte. Aber Jesus verurteilt Simon nicht, er stellt sein Verhalten nicht grundsätzlich in Frage. Er fordert nur mehr als äußere Gebotserfüllung. Das Geltenwollen vor den anderen darf nicht wichtiger sein als die Beziehung zu Gott. Jesus fordert von Simon, offen zu sein für das, was Gott aus der aktuellen Situation heraus von ihm erwartet: Gottes Liebe für sich selbst anzunehmen und sich durch sie von innen her verwandeln zu lassen.

Freude zum Leben

»Dein Glaube hat dich geheilt«, sagt Jesus zur Sünderin. Heilung, das ist die Verwandlung des Menschen, die aus der Vergebung wächst. Dass Gott uns, die wir Sünder sind, immer wieder vergibt, und zwar nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Liebe, ist die befreiende Botschaft Jesu. Was es heißt, dass Gott uns unbedingt liebt, dass er uns auch als Sünder nie preisgibt, führt die überschwängliche Dankbarkeit der begnadeten Sünderin uns vor Augen. Gottes Vergebung macht frei und schenkt Freude zum Leben.
Die Überprüfung des eigenen Weges anhand der Weisungen Jesu, das Eingeständnis des eigenen Versagens und der eigenen Schuld vor Gott und vor den Menschen, der Vollzug der Möglichkeiten von Buße und Umkehr: Das macht den Menschen frei; das bewahrt ihn vor Skepsis und Resignation und ermutigt zu ständig neuem Beginnen. Wer Vergebung erfährt, wer das eigene starre und kalte Herz aufbricht, der wächst in der Liebe und ist fähig zu Glaube und Hoffnung.
Diese Begegnungsgeschichte zeigt Jesu freien Umgang mit Menschen am Rande der Gesellschaft, zu denen gerade Frauen aufgrund ihrer Lebenssituation häufig gehörten. Frauen werden in der Bibel oft nur nebenbei erwähnt. Sie gehören ungenannt, aber selbstverständlich zu den Menschen, die von Jesus angesprochen werden. Frauen hören die Botschaft Jesu vom Reich Gottes. Sie werden von Jesus geheilt, getröstet und zur Umkehr ermutigt. Im Lukasevangelium wird das ganz deutlich. Oft sind es Frauen mit einer unverwechselbaren Lebensgeschichte. Nicht von ungefähr lässt Lukas auf die Szene mit der Sünderin den Hinweis auf die Jüngerinnen Jesu folgen (Lk 8,1–3). Das Miteinander der Frauen und Männer um Jesus, von dem er berichtet, könnte uns ermutigen zu einem befreiten Miteinander von Frauen und Männern in Kirche und Gesellschaft heute.

Johannes Kreidler

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