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Leseprobe 2
Dritter Sonntag der Osterzeit
Lesejahr C

Gott mehr gehorchen als den Menschen


Predigt

Zum Text: Apg 5,27–32.40b–41 (1. Lesung)

Begeisterte Jünger begeistern und ecken an

Petrus und die Apostel, die Freunde und Jünger Jesu können es nicht lassen. Sie können nicht davon lassen, zu lehren und zu predigen; davon also zu erzählen, was sie mit diesem Jesus von Nazaret erlebt und erfahren haben.
Ich stelle mir vor, wie sie ganz erfüllt und angefüllt mit diesen Erfahrungen auf den Straßen und Plätzen, in den Häusern und Wohnungen Jerusalems immer und immer wieder vom Leben mit ihm, von den letzten Tagen, seinem Sterben, seinem Tod am Kreuz und schließlich von seiner Aufstehung erzählen und berichten. Die Begegnung mit diesem Jesus von Nazaret hat ihr Leben umgekrempelt. Bis in die Fingerspitzen hinein sind sie geprägt von diesem Menschen Jesus und von seiner Botschaft der grenzenlosen Liebe Gottes zu den Menschen. Begeistert sind sie – angefüllt mit dem Heiligen Geist Gottes, dem Geist Jesu, der ihnen nahe ist und ihnen jeweils ins Herz gibt, was sie sagen sollen und müssen.
So stehen sie im Verhör vor dem Hohenpriester des Hohen Rates, dem höchsten Repräsentanten des Judentums und bekennen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Für die Wahrheit einstehen

Den Geschwistern Hans und Sophie Scholl aus Ulm erging es ähnlich wie Petrus und seinen Apostelkollegen: Sie konnten nicht davon lassen, auf ihre innere Stimme zu hören und für die Wahrheit und gegen alle Lüge und Falschheit aufzustehen. Sie und ihre Freundinnen und Freunde von der kleinen Widerstandsgruppe »Weiße Rose« hören in ihren Herzen den Ruf zur Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Und sie klagen die menschenverachtende und menschenfeindliche Politik und Praxis des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland an. Erst im kleinen Kreis und leise, dann immer lauter und mit immer mehr Weggefährtinnen und -gefährten.
Für die Wahrheit einstehen, das ist Hans und Sophie Scholl existentiell wichtig – in ihrem Fall wirklich existentiell, weil sie mit dem Leben für ihre Überzeugung bezahlten. Gott mehr gehorchen als den Menschen – für die Geschwister Scholl eine zutiefst herausfordernde und alles abverlangende Lebensentscheidung. Eine Lebensentscheidung, die weiterwirkt über ihren Tod hinaus, weiterwirkt als Beispiel und Vorbild für viele junge (und weniger junge) Menschen heute.
Beide Szenen: Petrus und seine Apostelkollegen vor dem Hohen Rat in Jerusalem und die Geschwister Scholl in München vor dem Staatsgerichtshof zeigen: Christsein kann gefährlich werden. Diesem Jesus Christus, der so freimütig auftrat und dabei sehr schnell mit seiner Botschaft aneckte, diesem Jesus nachzufolgen kann nicht ohne Folgen bleiben. Es kann viel vom Leben eines Menschen verlangen – manches Mal alles.

Gott mehr gehorchen als den Menschen

Es wird nicht immer gleich existentiell und es geht nicht immer gleich ums Ganze, wenn wir selbst heute herausgefordert sind, zu unserer Überzeugung, zu unserem Glauben zu stehen.
Es sind ja eher die vielen alltäglichen Gelegenheiten, wo sich das zeigen kann und wir aufgefordert sind, für unsere Überzeugung einzustehen. Diese Gelegenheiten sind immer Chancen, in denen wir wachsen können im Leben und im Glauben. Ich denke zum Beispiel an Situationen, in denen über Menschen von oben herab geredet wird. Menschen in Arbeitslosigkeit oder im sogenannten Hartz-IV-Bezug beispielsweise. Wie schnell sind da Zuschreibungen zu hören wie: Drückeberger, Sozialschmarotzer, selbst schuld und Ähnliches mehr.
Dabei wissen wir es gut, erst recht, wenn wir es schon selbst an unserer eigenen Haut erlebt haben: Solche Zuschreibungen legen fest, greifen zu kurz und treffen nicht die ganze Wahrheit des jeweiligen Menschen.

Wie hilfreich ist es dann, in solchen Gesprächssituationen für mehr Achtsamkeit und Respekt zu werben und dafür einzustehen. Und wie wohltuend ist es, wenn dann Stimmen laut werden, die Menschen mit ihren Fähigkeiten und Talenten ansehen und beschreiben.
Tief in unserem Herzen wissen wir, was richtig ist, so lautete der abschließende Satz im Video der Caritas-Kampagne 2009.
Gott mehr gehorchen als den Menschen. Im Hören auf Gottes Stimme in uns, auf unsere innere Herzensstimme, die Stimme unseres Gewissens schöpfen wir Kraft und Mut für unser Leben, für unser Handeln. Gerade auch für den Aufruf zum Widerstehen und zum Widerspruch.
Darauf dürfen wir vertrauen: Der Heilige Geist steht uns bei und treibt uns an.

Fürbitten
Gottes Geist befreit zum Leben. Im Hören auf diesen Geist beten wir zu Gott:

- Für alle, die nach Sinn und Glück in ihrem Leben suchen und fragen und dabei auf begeisterte und unerschrockene Zeuginnen und Zeugen deiner Botschaft treffen.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für alle, die in Unrechtssituationen nicht schweigen und für Wahrheit und Aufrichtigkeit einstehen.
- Für alle Opfer von Missbrauch und Gewalt: Zeige und öffne Wege des Lösens und Befreiens und schenke neue Lebensmöglichkeiten.
- Für alle Christen, die sich in Vereinen und Gruppen engagieren und die andere voller Begeisterung zu Verantwortung und Engagement anstiften können.
- Für die Verstorbenen: Schenke ihnen die Auferstehung in dein ewiges Leben.

Gott, im Hören auf dein Wort und auf deine Stimme in uns empfangen wir Kraft zum Leben und zum Zeugnisgeben. Komm du uns mit deiner österlichen Gnade entgegen und stärke und ermutige uns, durch Christus unseren Brudern und Herrn. Amen.

Franz-Josef Scholz

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