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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Fünfter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Begrüßung und Einführung
Gott braucht Menschen, die seine Botschaft weitertragen und seine Liebe bezeugen. Wie er durch Jesus von Nazaret einst Menschen angesprochen und berufen hat, so ruft er heute auch uns in seinen Dienst. Er kann uns brauchen.
Und wenn wir eher das Empfinden haben, dass wir doch mit ganz leeren Händen dastehen, dürfen wir wissen: Er kann leere Hände füllen und gebundene Zungen lösen. Er kann versteinerte Herzen verwandeln und einen neuen Geist schenken.
Darum halten wir uns selbst in dieser Feier dem Herrn hin und bitten ihn:

Kyrie-Ruf
Herr Jesus, du hast einfache Fischer zu deinen ersten Jüngern erwählt. Du hast sie brauchen können. Berufe auch uns.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus, lass uns deine Stimme hören, mach uns bereit, dir zu folgen und deinem Wort alles zuzutrauen.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus, und wenn uns die Angst überkommt, wenn wir zögern und zaudern, dann schenke uns den Mut zum Zeugnis für dich.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Schaff Raum deinem Wort, Herr und Gott! Streu es aus über die Erde. Wir bitten dich, es falle bei uns auf guten Boden, dass wir wirklich aufbrechen und deiner Berufung folgen. Ja, Herr, gib, dass dein Wort Gehör finde überall, wo Menschen leben. Auf dich setzen wir unsere Hoffnung und unser Vertrauen, der du lebst und wirkst in alle Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 474,1–3 »Nun jauchzt dem Herren«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 527/1 »Singet dem Herrn und preiset seinen Namen«
mit Kantorenbuch K 117A oder B (Psalm 138) und 531/4
»Halleluja« mit Vers (Mt 4,19) oder
GL 614,1–2 »Wohl denen, die da wandeln«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 618 »Brich dem Hungrigen dein Brot« oder
EH 251 »Menschen auf dem Weg«
Gesang zur Kommunion
GL 644,1.5–6 »Sonne der Gerechtigkeit«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 269 »Nun saget Dank und lobt den Herren« oder
EH 256 »Groß sein lässt meine Seele den Herrn«

Fürbitten
Herr, unser Gott, durch Jesus Christus hast du uns dein Wort ausrichten lassen. Es weist uns den Weg und es fordert uns heraus. An dich wenden wir uns mit unseren Bitten:

- Wir bitten für unsere Gemeinde hier am Ort: Gib, dass sie hoffnungsvoll lebt aus der Kraft deiner Zuwendung und Nähe und dass sie Lebensmut und Lebensfreude ausstrahlt.
- Wir bitten für die Frauen und Männer, die in der Kirche mit einem seelsorgerischen und karitativen Dienst stehen oder sich auf einen solchen vorbereiten: Ermutige sie, immer neu unter dein Wort zu treten und deiner Botschaft treu zu bleiben, auch wo ihr Ablehnung oder Gleichgültigkeit begegnen.
- Wir bitten für uns alle hier: Befähige uns, deine Freundschaft und deine Großmut, die wir unverdient und gratis empfangen haben, aneinander mit offenen Händen und Herzen weiterzuschenken.
- Wir bitten für die Welt, in der wir leben: Schenke ihr Menschen, die etwas von deiner Weisheit und Liebe ausstrahlen und die mit Tatkraft für den Frieden und für einen gerechten Ausgleich eintreten.

Wer auf dein Wort hört und ihm folgt, der wird reiches Leben finden. Darauf wollen wir vertrauen, Herr und Gott. Darin bestärke uns durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen.

Gerufen, gesandt – mit seiner Verheißung im Rücken

Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 5,1–11 (Evangelium)

Unsere Perikope ist weniger eine Wundererzählung als vielmehr eine Berufungsgeschichte. Äußerer Anlass der Berufung der Jünger ist die Seepredigt. Jesus Christus tritt da hoheitlich auf. Sein Auftreten erinnert an die Verkündigung des neuen Gesetzes vor dem Volk.
Der hoheitliche Abstand wird noch deutlicher durch die Erzählung vom Abstoßen des Bootes, als dessen Besitzer Petrus genannt wird. Auf die Verkündigung des Gotteswortes durch Jesus folgt sein vollkommen widersinnig erscheinender Auftrag, auszufahren (Lk 5,4). Dem folgt Petrus und erfüllt den Auftrag in buchstäblichem Gehorsam (Lk 5,5).
Das Wunder der gefüllten Netze lässt Petrus zu einem Staunen und Erschrecken finden, das sein innerstes Wesen umkehrt: Er bekennt sich als Sünder. Er steht zu seinen leeren Händen (Lk 5,8). Aber ihn, den Sünder, erwartet bei Jesus nicht Verstoßung – das ist das Wunderbare. Gerade ihn kann Jesus »brauchen«. Wie Jesus auf Petrus eingeht, ist kennzeichnend für ihn. Er holt den Petrus aus der Entmutigung heraus. Er zieht ihn näher an sein Herz. Er spricht zu ihm sein »Fürchte dich nicht«! (Lk 5,10). Er nimmt ihn in seinen Dienst und sendet ihn.
Im Wort vom »Menschenfischer« klingt noch etwas auf von der Bedeutung des »Lebensretters«, etwas also von dem Dienst, den Jesus Christus selbst in seinem »Messiasberuf« wahrnimmt.
Jesu Wort und Wunder setzen einen neuen Anfang für Petrus und seine Freunde. Und es steht auch über der Gemeinde von heute, als ein Vorzeichen der Ermutigung, der Vergebung, des großzügigen Angenommenseins. Diese Heilsbotschaft ist der Wurzelgrund der Kirche. Sie erwächst aus dem Wort der Vergebung und der Botschaft seiner mutmachenden Nähe.

Predigt

Mutloser Klang in der Gemeinde?

Bisweilen erlebe ich unter den Christen unserer Gemeinden eine eigentümlich düstere, müde Stimmung. Dazu mag beitragen, dass die Zahl der Gottesdienstteilnehmer nachlässt, dass die ehrenamtlichen Ressourcen schwinden, dass die seelsorgerischen Räume immer größer und unüberschaubarerer werden, dass viele vertraute Strategien in der Gemeindearbeit versagen und dass die messbaren Erfolge fehlen. Scheinbar ist für viele Zeitgenossen die Botschaft des Glaubens nicht mehr lebenswichtig, und die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind manchmal auch nur noch am Jammern. Eine solche Stimmung klingt dann ganz gut zusammen mit dem Satz aus dem heutigen Evangelium: »Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen!«
Aber das ist ja nicht der Kernsatz des heutigen Evangeliums. Stellen wir uns der Botschaft Jesu Christi! Sie will unsere Gedanken und Empfindungen in eine ganz andere Richtung führen. Lassen wir sie zu uns sprechen und uns aus der unguten, müden Stimmung herausrufen, die uns womöglich besetzt hält.

Der erste Schritt: Hören auf sein Wort und ihm folgen

Das Evangelium beginnt damit, dass der Herr in unsere Mitte tritt als der Herr, der sein Wort spricht. Es ist nicht irgendein Wort. Es ist vielmehr das Wort Gottes. Gottesbotschaft. Vom Inhalt erfahren wir hier gar nichts. Aber der Lehrer des Wortes steht uns deutlich vor Augen: Er sitzt im Boot! Sein Lehrstuhl ist das. Bewusst den Menschen gegenüber. Was er auszurichten hat: Es ist ein deutliches Wort, ein maßgebendes Wort – eben Gottes Wort!
Es beginnt für die Jünger und die Menschen um Jesus mit dem Hören. Hören – das ist: dem Wort Raum geben im eigenen Herzen, das Wort an sich heranlassen. Wer Jesus Christus wirklich begegnen will, muss zuerst ein Hörender sein! Ja, mehr noch: Einer, der nicht nur hört, sondern auch »gehorcht«. Wie eben Petrus. »Doch, wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen!« Hören und gehorchen – auch gegen alle bisherigen Erfahrungen: Jesu Wegweisung für das Leben alles zutrauen und sich darauf einlassen. Seiner Botschaft vertrauen, auch wenn ich sie noch nicht ganz verstanden habe. Seiner Herausforderung mich stellen. Wie schwer das ist, wissen wir alle.

Die Verheißung: Der Reichtum des vollen Netzes

Das aber ist die Verheißung unseres Evangeliums: Wer hört, wer sich Jesu Wort ganz öffnet und ihm folgt, wer ihm das Sagen überlässt, der wird reich, ja überreich beschenkt. Der unerwartete und überschwängliche Fischfang steht dafür. Das reichgefüllte Netz ist das Symbol. Und diese Verheißung unseres Evangeliums gilt auch für uns Christinnen und Christen heute!
Aber ich glaube, dass viele sich schwer tun, diesen Reichtum, der uns verheißen ist, auch wirklich wahrzunehmen: Sie sehen oftmals eher die leeren Hände.
Ich möchte heute ein wenig provokant fragen: Sind wir blind für den Reichtum an Glaube, an Hoffnung und Liebe, der uns in unseren Gemeinden geschenkt ist, unter den Menschen, die dem Wort Gottes in ihrem Leben Raum geben?
Es gibt doch viele unter uns, die wach und ganz selbstlos sich anderen zuwenden, ohne große Töne zu spucken; die wahrnehmen, wo ihr Mitdenken, ihr Mitfühlen und Mithelfen gefragt sind; die mit anderen ganz selbstlos teilen, was sie haben; die mit ganz großer Treue ihre alten Nachbarn im Pflegeheim besuchen, auch wenn sie dabei kaum mehr einen Dank erwarten können. Ich denke an so viele, die still begegnen, die in ihrer Umgebung einfach herzliche Aufmerksamkeit verschenken oder auch tatkräftig zupacken, wo Hilfe nötig ist. Ich denke an die Menschen, die keine Angst haben vor Fremden, die über die Straße hinweg, von Haus zu Haus die kleinen Signale der Verbundenheit aussenden. Sie bereichern und bestimmen das soziale Klima unter uns.
Und was mir immer wieder viel Respekt abnötigt: Menschen, die angegriffen wurden, die verletzt wurden, die massiv geschädigt wurden und die doch nicht in Hass verfallen, die keine Bitterkeit im Herzen haben und immer noch die Hand ausstrecken zur Versöhnung.
Ich denke an die vielen jungen Menschen aus den christlichen Gemeinden, die mit viel Mut und mit Zielstrebigkeit einen Friedensdienst anpacken und Feuer fangen bei einer missionarischen Aufgabe; die sich in einem sozialen Jahr oder im Zivildienst mit viel Liebe Behinderten, Älteren und Pflegebedürftigen zuwenden.
Ist das nicht ein Reichtum an Hoffnung und Liebe, der aus der Botschaft des Wortes Gottes erwächst?
Ich denke dabei auch an die Menschen, die mir immer wieder begegnen, die scheinbar so wenig mit der kirchlichen Praxis zu tun haben, aber doch an einem sinnorientierten Leben interessiert sind und deswegen unermüdlich bei Jesus nach dem fragen, was ihrem Leben wirklich Gehalt gibt. Und nicht zuletzt bin ich froh über die vielen Christinnen und Christen, die nicht nur Hörer des Wortes Gottes sind, sondern den Mut finden, in ihrer Umgebung, in den Gottesdiensten und Zusammenkünften ihr Glaubenszeugnis auszusprechen, als Boten und Botschafter des Wortes Gottes im gelebten Leben. Manchmal auch gegen das Gelächter der Menschen drum herum, manchmal auch gegen eine lustlose innerkirchliche Stimmung. Einfach: »Auf dein Wort hin!«
Liegt in all dem nicht ein wirklicher Reichtum? Sind das nicht die vollen und übervollen Netze unseres Evangeliums?

Unsere Sendung unter seinem Zuspruch: Fürchte dich nicht!

Ich möchte Sie und euch einladen, auch im kleinen Umfeld unserer Gemeinde hier vor Ort diesen Reichtum zu sehen. Und wenn wir den Blick dafür – vielleicht wieder neu – gewinnen, dann wird es uns gehen wie Petrus in unserem Evangelium. Der spürt: Das, was da geschieht, ist nicht ein Erfolg meines Tuns! Es übersteigt meine Möglichkeiten. Das erwächst aus einer ganz anderen, einer großen Kraft! Ich bin dessen nicht würdig! Ich habe es nicht verdient!
Und wenn wir – mit Petrus – diesen Blick gewinnen, dann gilt uns in dieser Stunde der Zuspruch unseres Herrn: Fürchte dich nicht!
Dieses Wort macht mir Mut. Dieser Zuspruch bewahrt mich davor, mich von lähmenden Stimmungen gefangen nehmen zu lassen. Ich kann aufbrechen, um das, was mir an der Botschaft Jesu aufgegangen ist, zu leben, zu bezeugen, es zu den Menschen zu tragen. Ich werde mich nicht scheuen, davon zu sprechen, was mich in meinem Herzen froh macht, was mich tröstet, was mir Sinn gibt! Ich werde nicht schweigen von der Hoffnung in mir, einer Hoffnung, die auch über den Tod hinausreicht. Ich werde »Menschenfischer« sein – nicht aufdringlich und besserwisserisch, nicht von oben herab, sondern indem ich den Menschen meiner Umgebung sage, was mich trägt.
Indem ich von dem Gott spreche, der mir nahe gekommen ist in Jesus Christus, auf Du und Du, der mich so gelassen und froh leben lässt, werbe ich für ihn und will für ihn gewinnen – als Menschenfischer.
Mit seiner Verheißung im Rücken wage ich mein Leben. Und wenn wir es gemeinsam wagen, mit dem Herrn aufzubrechen, die Kraft und Hoffnung auszustrahlen, die von ihm ausgehen, dann kann das zum Wunder werden, das der Herr auch heute wirkt.

Wolfgang Schrenk

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