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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Fest der Erscheinung des Herrn
Lesejahr A – B – C
Einführung
Noch einmal feiern wir heute ein weihnachtliches Fest. Vor zwei Wochen hat der Weihnachtstag unseren Blick auf einen ganz bestimmten Ort gelenkt: auf Betlehem, ein kleines Städtchen im Heiligen Land. Der heutige Tag weitet unseren Blick: Sterndeuter aus dem Osten, Menschen von weither, kommen und verehren den neugeborenen König. Und uns sagen sie: Er ist für alle gekommen. Nicht nur für die Menschen in Betlehem, im Heiligen Land, nicht nur für die Geachteten und Frommen, nicht nur für die, die dazu gehören, damals wie heute. Weihnachten bedeutet Hoffnung für alle.
Grüßen wir ihn in unserer Mitte, Jesus Christus, das Heil aller Völker!

Kyrie-Ruf
GL 129 »Licht, das uns erschien«

Tagesgebet
Großer Gott,
wie ein strahlender Stern ist dein Sohn Jesus Christus mitten in unserer Welt aufgegangen. Licht bringt er in das Dunkel menschlicher Not und Hoffnungslosigkeit. Allen Menschen leuchtet sein Licht.
Öffne uns die Augen des Herzens, damit wir allein ihm in unserem Leben folgen und durch unser Leben sein Licht in die dunklen Zonen unserer Welt tragen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, das Licht der Welt, unseren neugeborenen Bruder und göttlichen Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 135,1–2 »Singen wir mit Fröhlichkeit«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 147,1–3 »Sieh, dein Licht will kommen« und
GL 531/4 »Halleluja« mit Vers nach Kantorenbuch zum Gotteslob Nr. 153
Gesang zur Gabenbereitung
GL 146,1–6 »Ein Kind geborn zu Betlehem«
Gesang zur Kommunion
GL 144,1.4–5 »Jauchzet, ihr Himmel«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 132,1–3 »Es ist ein Ros entsprungen«

Fürbitten
Großer Gott, heute ist dein Sohn als Licht der Welt unter uns erschienen. Er macht unser Leben hell und gut. Und doch leben so viele noch im Dunkel ihrer Nöte. Wir bitten dich:

- Für alle Menschen, die im Dunkel von Armut und Not, Krieg und Terror leben müssen: Erleuchte ihr Leben mit dem Licht deines Friedens und deiner Gerechtigkeit.
- Für die Fremden bei uns und anderswo, denen Ablehnung und Einsamkeit das Leben dunkel macht: Bring ein Licht in ihr Dasein mit der Gewissheit, dass bei dir jeder Mensch zählt.
- Für deine Kirche, die oft genug im Dunkel der Verzagtheit, Ängstlichkeit und des mangelnden Gottvertrauens sitzen bleibt: Erleuchte sie mit der Freude über die Geburt deines Sohnes.
- Für Kinder und Jugendliche, deren Tage düster sind, weil sie Lieblosigkeit und Ablehnung erfahren und sich minderwertig fühlen: Mach ihr Leben hell mit deiner Liebe und mit liebenden Menschen.
- Für unsere Schwerkranken und Sterbenden, denen das Dunkel von Schmerzen, Angst und Verzweiflung zu schaffen macht: Durchdringe ihre Nacht mit dem Licht deines ewigen Lebens.

Gott, wir vertrauen auf dich, auf dein Licht, deine Liebe, dein Leben. Mit dir wollen wir verbunden bleiben, dann können wir selbst Licht für unsere Mitmenschen sein. Dafür danken wir dir und bringen dir unseren Lobpreis, heute und an jedem Tag. Amen.

Und welchem Stern folgst du?

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 2,1–12 (Evangelium)

Dem Text dieses Hochfestes werden wir nicht gerecht, wenn wir bei der Frage nach der historischen Richtigkeit stehen bleiben: Gängige Bibelauslegungen (vgl. zum Folgenden z. B. SKK NT 1, Meinrad Limbeck, Matthäusevangelium, 39–58) hegen starke Zweifel daran, dass der Besuch der drei Sterndeuter aus dem Osten so stattgefunden hat. Es ist davon auszugehen, dass der Evangelist Matthäus Motive aufgriff, die in der Gesellschaft des ersten Jahrhunderts gängig waren, und daraus eine Geschichte formte, die ausdrückt, was der Evangelist über Jesus und die Menschen um ihn sagen wollte. Diese »christologische Botschaft« des Matthäus sollte denn auch immer im Zentrum der Verkündigung stehen. Wichtige Inhalte dieser Botschaft sind:
• Matthäus 2 und die Kindheitsgeschichte des Mose haben vieles gemeinsam (z. B. Ankündigung einer großen Rettergestalt; Tötung der Neugeborenen, um den Retter zu ermorden). Jesus wird als der neue Mose, der neue Befreier aus Unterdrückung und Gefangenschaft dargestellt.
• Die Sterndeuter aus dem Osten verkörpern die heidnische Welt. Ihr Gang nach Jerusalem erinnert an die endzeitliche Völkerwallfahrt nach Jerusalem (vgl. z. B. Psalm 87), wo alle Völker gleichermaßen zum Heil finden. So ist auch Jesus Christus das Heil aller Völker.
• Der Besuch in Jerusalem weist schon auf die Leidensgeschichte hin und die Anfänge der Kirche. Die Autoritäten im jüdischen Volk, die vom Messias wissen, nehmen ihn nicht an, statt dessen aber die kleinen Leute und später die Heiden (in den ersten christlichen Gemeinden).
• Mit dem Stern benennt Matthäus ein zentrales Symbol für Christus: Er ist das Licht der Welt, das Orientierung gibt und vom Dunkel der Sünde und des Todes befreit.
Die Predigt setzt bei diesem letzten Aspekt an und will angesichts all der Stars und Sternchen unserer Zeit darauf hinweisen, dass es wie damals auch heute der Entscheidung bedarf, welchem Stern wir folgen, welches der wirkliche Star in unserem Leben ist.

Predigt

Nicht nur im Märchen: Menschen folgen einem Stern

Es klingt wie ein Märchen: Menschen folgen einem Stern. In Wirklichkeit gibt es das nicht, oder? An den Sternen kann man sich vielleicht orientieren in der Nacht und so seinen Weg finden. Aber einem Stern folgen? Sterne bewegen sich nicht. Also doch ein Märchen, diese wunderschöne Geschichte mit den drei Sterndeutern und ihren Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe?
Tatsächlich folgen auch heute viele Menschen einem Stern. Wir haben das Wort nur auf englisch übersetzt. Stars nennen wir sie! Es sind berühmt gewordene Vorbilder, denen Unzählige zujubeln. Für ihren Star fahren viele Hunderte von Kilometern. Nach dem Vorbild ihrer Stars kleiden sie sich, richten sie ihren Lebensstil aus. Stars sind Sterne, die ein wenig Licht in das graue Alltagseinerlei bringen, in dem so viele leben. Sie haben den Eindruck: Vom Glanz der Stars fällt ein klein wenig für mich ab, wenn ich sie bewundere und nachahme.

Stars und Sternchen zur Zeit der Geburt Jesu

Solche Stars gibt es nicht nur heute. Damals in Jerusalem war König Herodes der Star, und mit ihm die Vornehmen der Stadt, die das Sagen hatten in Politik und Religion. Kein Wunder, dass die Sterndeuter zuerst bei ihnen landeten! Sie lebten in luxuriösen Häusern, sie wurden von allen bewundert oder gefürchtet, sie gaben den Ton an. Wie sich das für richtige Stars gehört.
Aber die Sterndeuter merkten bald: Wir suchen einen anderen. Ihr Star war Jesus, der in der Krippe im Stall geboren wurde, als Armer unter Armen. Ein einfaches Kind ohne jegliche Lobby, ohne Glanz und Luxus, völlig unattraktiv für normale Fans: Wer träumt schon von einer solchen Geburt, einem solchen Leben?
So ist es wiederum kein Wunder, dass von Jerusalem keiner mit diesen Sterndeutern ging, um ihn zu suchen. Obwohl die Schriftgelehrten doch gleich erkannt hatten, nach wem da gesucht wurde: nach dem Messias, dem lang erwarteten Erlöser! Aber dass der im Dreck der Armen zu finden sein sollte, das war undenkbar. So wird kein Star geboren.
Also gingen die Sterndeuter allein. Sie hatten in Jerusalem nicht gefunden, was sie suchten.
Aber was war das eigentlich? Wonach suchten sie? Was machte für sie den Unterschied zu Herodes und all den Stars, denen so viele nachlaufen?

Jesus, der Star der Sterndeuter: Was macht den Unterschied?

Das Licht der Stars damals wie heute, das leuchtet vor allem für sie selbst. In ihrem Ruhm, ihrem Reichtum, ihrer Begabung sonnen sie sich zuerst einmal selbst. Und ein wenig davon fällt – vielleicht – auch für ihre Bewunderer ab.
Beim Stern der Sterndeuter ist das anders. Jesus ist ein Stern, der nur für andere leuchtet. Für sich will er gar nichts. Ihm reicht der letzte Stall, die einfachste Windel. Nicht sein Leben soll hell und schön sein, sondern das Leben der Menschen, die ihm vertrauen! Ihr Leid soll gelindert und geheilt werden, sie sollen es nicht nur für kurze Zeit vergessen können. Jesus will, dass ihr Leben gut wird, nicht, indem sie einem Star nachlaufen, den sie doch nie erreichen können. Sondern indem sie entdecken: Gott ist mitten in meinem eigenen Leben da, in all der Alltäglichkeit, all den Freuden und Sorgen. Mittendrin leuchtet sein Licht für mich und macht das Dunkle hell.
Ja: Jesus will nicht seinen Ruhm, seine Macht, seinen Glanz, will sich nicht sonnen in der Bewunderung der anderen. Er will Heilung, Leben und Glanz für die Menschen. Und zwar für alle Menschen! Auch daran erinnern uns die Sterndeuter: Sie waren Ausländer damals im Heiligen Land. Die, die es besser wissen müssten, blieben blind für den neugeborenen Messias, für den Stern, der dem Volk Israel aufgeleuchtet ist. Ausgerechnet die Fremden, die Ausländer, gingen mit sehenden Augen durchs Leben. Und sie erkannten ihn.

Welchem Stern folgen wir?

Wer ist unser Star? Natürlich der Star der Sterndeuter, Jesus, oder? Sonst wären wir ja jetzt nicht da.
Aber machen wir es uns nicht zu einfach! Es gibt so viele Stars und Sternchen in unserer Gesellschaft und sie sind in ihrem Glanz nicht weniger verlockend als damals der Königshof in Jerusalem.
Fragen wir uns ehrlich an diesem heutigen Festtag: Für wen bin ich bereit, Zeit, Arbeit und Geld auszugeben? Wen versuche ich nachzuahmen mit meiner Kleidung, meinem Lebensstil? Und bringt mir das mehr, als dass ich mich manchmal ein wenig wegträumen kann aus dem grauen Alltag?
Auch Jesus will, dass wir Menschen ihm folgen. Auch er will, dass wir etwas geben für ihn: Zeit etwa für den Gottesdienst, für einen Besuch bei einem wenig geliebten, aber einsamen Nachbarn. Mühe etwa, für ein soziales Engagement oder für die Erziehung der Kinder im Glauben. Geld etwa, um mit unserem materiellen Reichtum beizutragen zu einer gerechteren Welt.
Ja, auch Jesus will, dass Menschen ihn nachahmen. Nicht in seiner Kleidung. Aber in seinem Lebensstil. In seinem Dasein für andere. In seiner großen Liebe zu Gott und den Menschen. In seiner Zuwendung zu jedem Menschen, gleich woher er kommt.
Die Sternsinger, die in diesen Tagen durchs Land gehen, zeigen ganz konkret, wie es gehen kann, wenn Jesus der Star ist: Sie geben Zeit und Mühe, damit es Kindern in Not ein wenig besser gehen kann. Sie tun etwas Sinnvolles und sie erleben Freude und Erfüllung dabei.

Welchem Stern folgen wir?

Heute soll unsere Antwort heißen: An den vielen Stars und Sternchen unserer Welt wollen wir uns gerne freuen. Aber folgen wollen wir ihnen nicht. Wir folgen nur dem einen, wie die Sterndeuter damals: Jesus Christus, dem Licht der Welt, dem Heil für alle Völker.

Stefan Möhler

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