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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Erster Adventssonntag
Lesejahr C
Einführung und Kyrie-Ruf
»Wachet auf, ruft uns die Stimme ... steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja. Macht euch bereit, zu der Hochzeit« – so haben wir zu Beginn gesungen. Aufgewacht und aufgeweckt wollen wir in den Advent und in ein neues Kirchenjahr hineingehen. Die erste Kerze am Adventskranz zeigt an, dass wir bereit sind, dem Licht immer mehr Raum zu geben. Ihm entgegenzugehen.
Im Lied, im Gebet, im Hören und Feiern des Wortes Gottes sind wir eingeladen, uns in dieser Stunde für den zu öffnen, der zu uns kommt und sich von uns finden lässt.
So rufen wir zu ihm:

Jesus Christus, als Kind bist du uns ganz nahe gekommen.
Herr, erbarme dich.

Als Mensch bist du Zeuge für die Wahrheit Gottes gewesen.
Christus, erbarme dich.

Als Auferstandener bist du Licht auf unserem eigenen Weg.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott, Lebendiger und Ewiger.
Du schenkst uns Hoffnung und Trost. Du öffnest unsere Zeit für deine Ewigkeit.
Hilf uns, die Tage des Advents mit offenen Augen und Sinnen zu begehen, dem entgegen, für den du den Himmel geöffnet hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinem Sohn und unserem Bruder, jetzt und in Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 110,1–2 »Wachet auf, ruft uns die Stimme«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 105,1.5 »O Heiland, reiß die Himmel auf« und GL 532/2 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 106,1–2.5 »Kündet allen in der Not«
Gesang zur Kommunion
GL 104 »Tauet Himmel aus den Höhn«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 260,1–3 »Singet Lob unserm Gott« oder
EH 187,1–3 »Machet die Tore weit«

Fürbitten
Lebendiger Gott, Toben und Donnern, Erschütterungen und Bestürzungen sind genau wie Hoffnung und Freude, Tatendrang und Mut Kräfte, die in unserem Leben wirken. Voll Vertrauen bitten wir dich:

- Für alle Menschen, die sich auf dem schmalen Grat zwischen Verzweiflung und Hoffnung bewegen.
- Für alle Menschen, die die Tage des Advents nicht als Beginn des Lichts erleben, sondern als dunkle Belastung.
- Für alle Menschen, die 2009 persönliche Katastrophen aushalten mussten oder immer noch müssen.
- Für alle Menschen, die auf ihrem Lebensweg ihren Advent bei dir bereits erlebt haben.
- Für alle Menschen, die wachsam ihre Zeit mitgestalten und Gottvertrauen leben.

Gott, dein Kommen in die Welt erwarten wir. Immer wieder, heute und jetzt. Sei du bei uns durch deinen Sohn Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Wach und aufgeweckt durch den Advent

Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 21,25–28.34–36 (Evangelium)

Der Amoklauf im März in Winnenden und Wendlingen, die Finanzkrise, die Schweinegrippe und vieles mehr erschütterten 2009 weltweit zahllose Menschen. Angst, Resignation und Mutlosigkeit machten sich breit.
Dass diese Situationen auch im Advent nicht aus dem Blick zu bekommen sind, liegt bei den Worten Lk 21,25–28.34–36 nahe. Doch trotz drastischer Worte und Bilder will Lukas den Menschen seiner Zeit Hoffnung und Mut machen. Sie trösten. Ihnen eine adventliche Haltung einschärfen.
Das Leben auf Gott hin ist für Lukas keine bedrückende und belastende Haltung, sondern entspringt der Überzeugung, dass ein solches Leben sich lohnt. Sterben und Auferstehung Christi vollenden das Kommen Gottes als Kind in die Welt. Hoffnung und Heil – die Heilige Nacht – sind das Ende des Advents.
Wachsamkeit und Ausrichtung auf Gott hin sind zwei Impulse, mit denen wir am ersten Adventssonntag deswegen gut in ein neues Kirchenjahr gehen können. Sich nicht durch die Sorgen des Alltags davon abbringen zu lassen, der Sehnsucht nach Mehr einen Raum zu geben.

Predigt

Erinnerungen?

Erinnern Sie sich noch an das Frühjahr oder den Sommer? An die Schlagzeilen der Zeitungen?
Kein Tag ohne die bedrückenden Bilder und Nachrichten des schrecklichen Amoklaufes in Winnenden und Wendlingen nach dem 11. 3. 2009. Keine Titelseite ohne die Schweinegrippe im Sommer. Wochenlang. Massenschutzimpfungen, Finanzierungspläne, Mundschutz, Hygienetipps, Tote und immer neu Zahlen von Infizierten.
Was das mit Advent zu tun hat? Der Amoklauf und die Schweinegrippe an sich in der Tat wenig. Aber vielleicht das: »Die Menschen werden vor Angst vergehen, die Völker werden bestürzt und ratlos sein ...« Oder: »Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren.« Oder: »Richtet euch auf, und erhebt eure Häupter!«
Nun wird niemand wegen biblischer Zitate alle angedachten und umgesetzten Analysen, Vorsichtsmaßnahmen und Gesetzeskorrekturen in den Wind schreiben, sich friedlich die erste Kerze am Adventskranz anzünden und abwarten. Zu stark und existentiell bedrohen uns Entwicklungen wie jüngst der Amoklauf oder die Schweinegrippe.
Wie schnell war doch auf einmal das eigene Leben, die Familie, der Nachbar, die Freundin davon betroffen! Und schon war es nicht mehr eine ferne Schlagzeile der Zeitung, sondern ragte in die eigene Gegenwart hinein.
Wie brüchig und bedroht das Leben und die Zukunft in solchen Momenten auf einmal ist! Da kommt jeder ins Grübeln, da kann einem angst und bange werden um die eigene Gesundheit oder die Sicherheit der Kinder. Da macht man sich berechtigt Sorgen.

Keine schnelle Hilfe

Da hilft so schnell auch kein Vers aus der Bibel. Und es ist zynisch, solche Realitäten als Zeichen Gottes für das nahe Ende zu deuten – auch wenn immer wieder Sekten oder religiös angehauchte Gruppierungen biblische Worte und Realitäten unserer Gegenwart so interpretieren und mit entstandenen Ängsten ihr Geschäft machen.
Der Evangelist Lukas hat nichts von unseren Sorgen und Ängsten 2009 geahnt. Ihn trieben andere Themen um. Seine Generation hatte die Zerstörung des Jerusalemer Tempels 70 n. Chr. im Rücken und war nun auf der Suche nach dem richtigen Ort als christliche Gemeinde im römischen Weltreich.
Weder Anbiederung noch harte Konfrontation waren gefragt. Die sehnsüchtig erwartete baldige Wiederkunft Christi, die Verbesserung der Welt, die Vision heiler und gerechter Verhältnisse waren nicht eingetroffen. So galt es, aus der Naherwartung mehr und mehr eine Stets-erwartung zu formen. Sich einerseits mit der Realität auseinanderzusetzen und weiterzuleben – ohne andererseits der Gefahr zu erliegen, sich durch Rausch, Trunkenheit und Sorgen des Alltags einschläfern zu lassen. Gar nichts mehr über den Tag hinaus zu hoffen. Jesus und seine Botschaft vom angebrochenen Reich Gottes aus den Augen zu verlieren. Den Status quo als Ziel zu betrachten, sich damit zufrieden zu geben und jegliche Anstrengung auf die Umgestaltung der Gegenwart zu unterlassen.

Aber: wachsam bleiben

»Wachet und betet.« Diesen Appell richtet Lukas an seine Generation. Bleibt stets wach – für das, was mit euch und um euch herum passiert, und für euren Gott.
Wir hören diesen Appell in unterschiedlichen Varianten jedes Jahr in der Adventszeit. Wach sein ist die Grundhaltung, mit der wir jedes Jahr in eine neue Adventszeit und in ein neues Kirchenjahr geschickt werden.
Ich glaube, wir brauchen diesen Appell jedes Jahr aufs Neue. Weil er für ein aufgewecktes Christsein wirbt, das unsere Zeit braucht. Denn vor der Gefahr des bequemen Schlafes, der Oberflächlichkeit und der Teilnahmslosigkeit ist niemand gefeit – auch Christen nicht.
Im Advent wird unser Blick deshalb stets in zwei Richtungen gelenkt. Und für beide gibt uns der biblische Text des heutigen Sonntages gute Impulse.

In zwei Richtungen

Zum einen: Richtet den Blick auf euch selbst. Findet euch nicht ab mit einer Welt, in der Begriffe wie Krise, Habgier, Gewalt und Krieg die Oberhand bekommen. Träumt und hofft eine andere Realität. Richtet euch auf, erhebt eure Häupter – und eure Stimme. Lasst euch nicht einschläfern und überwältigen von den Bildern der Unheilsszenarien. Ändert, was zu ändern ist.
So widersinnig es auch klingt: Wir brauchen Träume und Visionen, die Bilder von einem bewussteren und gerechteren Leben malen, um nicht unterzugehen in Resignation oder gar Depression. Wenn Jesus nicht Bilder vom Reich Gottes gemalt hätte, dann wäre manch einer nicht zu einem anderen Leben gekommen.
Zum anderen: An Jesus selbst, an ihm, der im Advent immer wieder aufs Neue erwartet wird, an seinen Worten und Taten könnt ihr ablesen, wer und wie Gott für uns sein will. Gottes Verheißungen und Hoffnungen für unser Leben sind mit Jesus in die Welt gekommen. Und sie sind mit dem Leben, dem Tod und der Auferstehung Jesu nicht erfüllt, sondern erst in Kraft gesetzt worden.

Engagiert warten und hoffen

Advent ist die Botschaft:
Der Herr wird kommen,
das Reich ist noch nicht vollendet,
es braucht noch unsere Geduld,
unser Gebet, unsere Arbeit,
das Zeugnis unserer Hoffnung.
Aber das Reich ist schon angebrochen,
weil der kommende Herr schon angekommen ist
und in unserer Mitte lebt,
weil er mit uns lebt.

So beschreibt es Klaus Hemmerle. Der Advent ist eine gute Zeit, es immer neu einzuüben: wach zu sein und engagiert zu hoffen. Unserer Hoffnung Ausdruck zu geben – konkret, eindeutig. Nicht gegen, sondern in allen Fakten und oft sehr dunklen Realitäten unserer Zeit – ob sie nun Winnenden, Schweinegrippe oder anders heißen.
Die erste Kerze des Adventskranzes von heute verspricht noch weitere. Sie birgt die Sehnsucht, dem Licht in unseren Tagen noch mehr Raum geben zu wollen. Aufmerksam, wach und hoffend.

Ute Niemann-Stahl

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