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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
28. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Einführung
Wir kommen aus den verschiedensten Richtungen, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Manches ist uns in der vergangenen Woche gelungen, manches nicht. Wir haben Grund zum Danken, vielleicht aber auch zur Klage. Alles bringen wir im Vertrauen zu Gott, denn für ihn ist nichts unmöglich. Unter dieser Verheißung leben wir, sie gibt uns Sinn und Ziel: Gott will unser Glück, und er kann es uns auch geben. Bitten wir ihn um sein Erbarmen.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du weist uns den Weg zu einem erfüllten und geglückten Leben.
Herr, erbarme dich.

Wer dir nachfolgt, dem schenkst du deine Freiheit.
Christus, erbarme dich.

In dir haben wir einen bleibenden Schatz im Himmel.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott,
in der Nachfolge deines Sohnes lernen wir, was Vertrauen heißt. Du gibst uns Weisungen zum Leben und du kannst unser Glück vollenden.
Gib uns den Mut aufzubrechen, wo falsche Sicherheiten uns hindern, als freie Christenmenschen zu leben. Schenke uns Gemeinschaft mit dir und unseren Schwestern und Brüdern durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 616,1–2 »Mir nach, spricht Christus, unser Held«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 263,1–3 »Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus« und
GL 530/3 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 618,1–5 »Brich dem Hungrigen dein Brot«
Gesang zur Kommunion
GL 493,1–8 »Lob sei dem Herrn, Ruhm seinem Namen«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 472,1–2 »O Jesu, all mein Leben bist du«

Fürbitten
Gott, unser Vater, für dich ist nichts unmöglich. Wo wir nicht weiterwissen, vertrauen wir auf deine Hilfe. So bitten wir:

- Für die Kirche in unserem Land, die ihr Reichtum oft daran hindert, Jesus nachzufolgen: Lass uns begreifen, worauf es ankommt.
- Für die Armen in aller Welt, die nicht das Nötigste zum Leben haben: Lass sie tatkräftige Hilfe erfahren.
- Für die Menschen, die kein Zuhause mehr haben, weil ihre Familienbande oder Freundschaften zerbrochen sind: Lass sie Gefährten für ihr Leben finden.
- Für unsere Toten, die alle irdischen Sicherheiten lassen mussten: Vollende ihr Glück bei dir in deinem Reich.

Gott, alles Gute kommt allein von dir. Wir danken dir für deine väterliche Fürsorge durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wie werde ich glücklich?

Vorüberlegungen
Zum Text: Mk 10,17–30 (Evangelium)

Jesus tritt im Evangelium als Lehrer auf, der die Lebenssituation der frühen Christen autoritativ deutet: Er wird kniefällig als Lehrer angesprochen (Mk 10,17) und nennt die Jünger seine Kinder (Mk 10,24). In drei Szenen (Mk 10,17–22.23–27.28–30) geht es um die konkret geforderte Form der Nachfolge. Die Predigt konzentriert sich auf die erste Szene, das Schulgespräch eines nachfolgewilligen Mannes mit Jesus. Darin macht Jesus klar, dass er im Grunde nichts anderes von ihm fordert als die Tora, deren Inbegriff die Zehn Gebote sind (die ersten drei sind in dem Bekenntnis zu »Gott, dem Einen« zusammengefasst). Gott erweist den Menschen seine Güte, indem er ihnen mit diesen Geboten den Weg zu einem erfüllten (ewigen) Leben weist. Ihre heilsame Wirkung können sie jedoch nur entfalten, wenn der Mensch bereit ist, sich anhand dieser Gebote in die Freiheit führen zu lassen. Dazu muss er aufgeben, was ihn versklavt und gefangen hält, der Mann im Evangelium genauso wie vormals die Israeliten beim Auszug aus Ägypten. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass es sich bei Markus im Unterschied zu Matthäus (Mt 19,20.22) nicht ausdrücklich um einen jungen Mann handelt. Man kann sich also durchaus einen Mann mittleren Alters vorstellen, der in seinem Leben schon einiges geleistet und sich sein großes Vermögen redlich verdient hat. Als solcher wird er von Jesus in eine vertiefte Entscheidung geführt.

Predigt

Mein Haus, mein Auto, mein Boot

Vor einigen Jahren lief in den Kinos der Werbespot einer deutschen Bank für ihre Finanzierungsangebote. Darin treffen sich zwei alte Schulfreunde nach Jahren durch Zufall einmal wieder. Der eine hat es offenbar zu etwas gebracht und gibt mächtig damit an. Er zeigt dem anderen Fotos von seinen Errungenschaften. Er legt sie auf den Tisch wie Trümpfe beim Kartenspiel. Da, schau her: »Mein Haus, mein Auto, mein Boot.« Der andere wird immer kleinlauter. Dem kann er nichts entgegensetzen. Dann wechselt die Szene. Geraume Zeit später treffen sich die Freunde von früher noch einmal. Doch jetzt haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Der früher so Erfolgreiche ist nunmehr verarmt. Dagegen hat es der vormalige Versager inzwischen geschafft. Er hat jetzt auch sein Haus, sein Auto, sein Boot und noch ein Haus und noch ein Auto und noch ein Boot – und das alles natürlich nur dank der genialen Finanzierungs-möglichkeiten seiner Bank.

Was muss ich tun?

So wie die beiden Freunde in der Werbung kommen mir auch Jesus und der reiche Mann im Evangelium vor. Denn in beiden Anekdoten geht es um dieselbe Frage: »Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?« Wir würden heute formulieren: Was muss ich tun, um erfolgreich zu sein? Oder: Wie werde ich glücklich? Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, dass wir den Schlüssel zum Glück zuerst im persönlichen Erfolg suchen. Ein glückliches Leben führt, wer sich persönliche Ziele setzt und auch Mittel weiß, sie zu erreichen. Daher die Frage: »Was muss ich tun?« Dabei hängen Glück und Erfolg ganz von unserer je eigenen Leistung ab. Für den Anfang ist das auch durchaus gesund. Ein Kind wird nur dann glücklich werden, wenn es entdeckt, dass es selbst etwas kann. Ein Jugendlicher wird nur dadurch erwachsen, dass er sich durch eigene Leistung von der Versorgung durch die Eltern abnabelt. Ein Mensch, der seine eigenen Leistungen immerzu schmälert, mag vielleicht demütig sein, vielleicht aber auch undankbar im Hinblick auf seine Begabungen.

Schneller, höher, weiter

Dieses Problem hat der reiche Mann im Evangelium ganz gewiss nicht. Selbstbewusst gibt er an, er habe den Anforderungskatalog der Zehn Gebote ausnahmslos erfüllt. Aber was soll die Frage dann noch: »Was soll ich tun?« An der gereizten Reaktion Jesu merken wir, dass er dem Frieden von vornherein nicht traut. Wenn Jesus Mensch war, dann dürfen wir uns das, was in ihm vorgegangen ist, auch ganz menschlich ausdenken. Was er dem reichen Mann sagt, gilt auch uns. »Was nennst du mich gut?«, antwortete er ihm, und er dachte vielleicht: »Du brauchst mir gar nicht zu schmeicheln! Für dich ist doch nur einer der Beste: du selbst!« – »Niemand ist gut außer Gott, dem Einen«, belehrte er ihn, und er dachte vielleicht: »Du brauchst dich gar nicht so aufzublasen! Auch du bist nur ein Mensch wie alle anderen!« Mit seiner spröden Reaktion nimmt Jesus dem reichen Mann, und damit auch uns, den Wind aus den Segeln. Der war drauf und dran, alle seine Trümpfe auf den Tisch zu legen: zwar nicht sein Haus, sein Auto und sein Boot, dafür aber seine Gerechtigkeit, seine Frömmigkeit und seine Treue zum Gesetz. Er gleicht wirklich einem Mann im besten Alter. Für ihn ist kein Weg zu weit, kein Hindernis zu hoch, kein Tempo zu schnell. Im Vollbesitz seiner Kräfte traut er sich alles zu.

Was kann ich lassen?

Doch Jesus lässt den reichen Mann mit seiner Angeberei nicht nur auflaufen, er führt ihn auch weiter. Ja, er gewinnt ihn sogar lieb, als er merkt, wie er sich im Hamsterrad seines Leistungsdenkens unweigerlich zu Tode läuft. Deshalb gibt er ihm den Rat: »Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben.« Damit gibt er ihm zu verstehen: Wenn es um dein ganz persönliches Lebensglück geht, ist die Frage nicht: »Was soll ich tun?«, sondern: »Was kann ich alles noch lassen: sein lassen und loslassen?« Das heißt nicht, dass wir sofort alles aufgeben müssen, was wir uns erarbeitet haben. Aber wir dürfen unser Herz nicht daran hängen. Denn es kann sehr leicht sein, dass uns das alles genommen wird. Es geht darum, dass wir uns einen Schatz anlegen, der uns von nichts und niemandem genommen werden kann. Die Frage ist: Kann ich noch glücklich sein, auch wenn ich in einfachen Verhältnissen leben muss? Kann ich dem Leben noch etwas abgewinnen, auch wenn mir die großen Erfolge versagt bleiben? Bin ich auch dann noch etwas wert, wenn ich nichts mehr kann? Es beeindruckt mich immer wieder zu sehen, wie kaum mehr ansprechbare alte Menschen in ein altbekanntes Gebet oder Lied plötzlich mit einstimmen. Sie haben einen Schatz, der ihnen nicht einmal von der Altersschwäche geraubt werden kann, einen Schatz, der weit mehr wert ist als jedes Vermögen.

Zum Glück umsonst

Wir können unser Glück nicht dadurch steigern, dass wir noch mehr Besitz anhäufen. Wir gewinnen auch das ewige Leben nicht dadurch, dass wir noch ein Gebot mehr erfüllen und noch ein Gebet mehr sprechen. Unser ganzes Denken, Fühlen und Handeln muss sich radikal verändern. Solange wir uns von Erfolg und Leistung bestimmen lassen, werden wir niemals ein glückliches und erfülltes Leben haben. Wenn wir das einmal übertragen auf den eingangs geschilderten Werbespot, dann hieße das: nicht noch ein Haus und noch ein Auto und noch ein Boot; sondern vielleicht: gar kein Haus und gar kein Auto und gar kein Boot, aber dafür ein unschätzbares Glück!

Wilfried Eisele

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