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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
17. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Begrüßung und Einführung
Die Begegnung mit Jesus Christus werde uns zur Speise des Lebens. Er, der Herr, sei mit euch.
Wir sind zum Mahl Jesu Christi beisammen. Wir haben uns um unseren Herrn versammelt. Er beschenkt uns. Er will aus unserem menschlichen »Zu-wenig« mehr machen, sodass es für alle reicht: Aus dem Zuwenig an Zuneigung soll wirkliche Liebe werden, aus unserem Zuwenig an Begeisterung Freude und aus unserem Zuwenig an Glaube ein tragfähiges Vertrauen.
Dass der Herr dieses Wunder an uns wirke, darum bitten wir und dafür wollen wir uns öffnen:

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du hast das Brot in den Händen der Menschen vermehrt.
Herr, erbarme dich.
Du selbst bist das Brot des Lebens.
Christus, erbarme dich.
Du sättigst uns mit deiner Zuwendung und Liebe.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott, du unser Schöpfer und Erlöser,
wir sind Jesus, deinem Sohn, nachgegangen, um sein Wort zu hören. Wir haben uns um ihn versammelt, um sein Brot zu empfangen, ihn selbst.
Was du uns in ihm schenkst, das werde uns zur Saat, die reichlich aufgeht und Frucht trägt in unserem Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 640 »Gott ruft sein Volk zusammen«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 758/1 »Aller Augen warten auf dich, o Herr« mit Versen aus 758/2 (Psalm 145) und GL 530/1 »Halleluja« mit Vers Lk 7,16 oder
GL 289,1–2 »Herr, deine Güt ist unbegrenzt«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 277,1–4 »Singet, danket unserm Gott, der die Welt erschuf«
Gesang zur Kommunion
GL 503 »O wunderbare Speise«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 634,1–4 »Dank sei dir, Vater«

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du teilst das Brot unter den Menschen. Du selbst bist unser Brot. Sieh auf uns und höre uns:

- Auf unserer Erde fehlt vielen Erwachsenen und Kindern das Lebensnotwendige. Sie hungern und leben auf der Straße:
Mache uns wach für ihre Not und bereit zum Teilen.
- In vielen Ländern der Erde stehen Menschen im Kampf um ihr Leben gegen Naturkatastrophen und Gewalt in ihrer Umgebung: Beschenke sie mit Ausdauer und Kraft in ihren eigenen Bemühungen und bereichere sie mit der wunderbaren Erfahrung der Solidarität.
- Viele sind an ihr Haus, an ihren Platz in einem Heim oder an das Bett im Krankenhaus gebunden: Stärke sie an schweren Tagen und gib ihnen Geduld mit sich und mit anderen.
- Uns fehlt oft der offene und weite Blick für die Gaben und Stärken der Menschen, die uns begegnen: Mache unsere Augen weit und lass uns das Wertvolle in jedem erkennen.
- In diesen Wochen hungern und dürsten viele nach Erholung und Auffrischung ihrer Kräfte: Öffne sie für das Geschenk deiner Schöpfung und für wohltuende Begegnung mit Menschen.

Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Jesus Christus, unser Herr und unser Bruder, jetzt und immer und in alle Ewigkeit. Amen.

In der Begegnung mit Jesus:
Aus dem »Zu-wenig« wird »Viel-mehr«


Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 6,1–15 (Evangelium)

Das Kapitel 6 des Johannesevangeliums stellt den Höhepunkt und Abschluss des Wirkens Jesu in Galiläa dar und kennzeichnet einen Wendepunkt.
Der Bezug auf das Paschafest enthält einen Hinweis auf Jesu künftiges Schicksal. Das Pascha-Motiv deutet hin auf die Befreiung aus der Gefangenschaft in Ägypten, die einst Israel zuteil wurde. Was das Volk Israel unter Jahwes Führung erlebte, das wird auf ganz neue Weise in Jesus Christus geschenkt.
So wird dieser Evangelienabschnitt eine Glaubenskatechese: Wer ist dieser Jesus Christus? Das wird auch deutlich in der Gegenüberstellung zu den alttestamentlichen Vorbilder Elischa und Mose, die beide mit einem Brotwunder in Verbindung stehen. Die Botschaft dieser Christuskatechese heißt: Hier ist der Größere!
Zugleich erinnert das Geschehen der wunderbaren Speisung an das Bildwort vom Hirten-Gott im Psalm 23 mit seinem Vers 2: »Er lässt mich lagern auf grünen Auen«! Dieses Psalmwort klingt an im Vers 10: »Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras!« In dieser Anspielung steckt ein göttlicher Anspruch.
Ganz in diesem Sinne ist Jesus Christus der allein und souverän Handelnde: »Er selbst wusste, was er tun wollte« (Joh 6,6). Er gibt selbst das Brot aus.
Der Höhepunkt der Perikope ist der Vers 11: »Jesus nahm die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus …« (Joh 6,11). Der Klang dieser Worte macht deutlich, wo die messianische, göttliche Nähe Jesu Christi für uns erfahrbar ist: in der eucharistischen Versammlung der Gemeinde. Hier ist er zugegen! Hier verschenkt er sich und wird selbst zum Brot des Lebens.
Die Perikope endet auch hier, wie an manchen anderen Stellen des Johannesevangeliums, mit dem »messianischen Missverständnis«: Da steht dem Angebot Jesu Christi, dem Angebot des Brotes, das den Hunger wirklich stillt, die Erwartung der Menschen gegenüber, dass die materiellen Bedürfnisse befriedigt werden. Für uns ist dies die Herausforderung, auf die tiefere Sendung Jesu zu hören und für ihn ganz offen zu sein.

Predigt

Der vielfältige Hunger

Faszinierend ist sie: die Erzählung der wunderbaren Brotvermehrung. Wer von uns wäre nicht gerne dabei gewesen, als Jesus Kranke heilte, 5000 Männer mit ihren Familien speiste und ihnen vom Reich Gottes erzählte! Dieses wunderbare Geschehen spricht schon sehr deutlich unsere Sehnsucht an nach einer Welt ohne Hunger.
Freilich, die Realität ist anders: Menschen hungern! Es gibt einen vielfältigen Hunger. Den leiblichen Hunger, eine Folge der ungerechten Verteilung der Güter! Folge des aufkommenden Klimawandels! Folge aber auch der Blindheit der Satten dieser Welt! Aber auch den seelischen Hunger gibt es: den Hunger nach Anerkennung, nach Wertschätzung, nach einem würdevollen Umgang, nach Liebe. Ein Hunger, der oftmals gar nie genügend gestillt werden kann. Und unser eigener Hunger? Merken wir ihn, den ungestillten Hunger in unserer eigenen Seele?
Wer ist heute zuständig für die Hungernden aller Art? Oft delegieren wir diese Sorge an den Staat, an die Hilfsorganisationen, an die Beratungsstellen und die Sozialämter. Oft schauen wir weg!

Was unter dem Blick Jesu möglich wird

Die frohe Botschaft unseres Evangeliums heute ist: Jesus sieht den Hunger der Menschen. Er hat einen Blick für sie.
Und das gilt auch für uns heute, für uns alle, in jeder Hinsicht, für alle Arten des Hungers. Jesus hat uns im Blick: Er sieht die Ängstlichen und die Einsamen. Er sieht die Unsicheren und Orientierungslosen. Er sieht die körperlich Kranken und die seelisch Angeschlagenen. Er sieht die Eheleute in ihrer schmerzlichen Sprachlosigkeit. Die Väter und Mütter in ihren Existenzsorgen. Er sieht die Jugendlichen mit ihren Fragen und Zukunftsängsten. Er sieht die Erschöpften und Gescheiterten. Jesus sieht die Sehnsucht, den Hunger nach Leben. Er sieht tief hinein in die Nöte.
Aber er sieht in den Menschen noch mehr: Er sieht auch die Talente, die in ihnen schlummern. Er sieht ihre Möglichkeiten, auch wenn sie noch so bescheiden sind. So sieht er beispielsweise den Knaben mit den fünf Broten und den zwei Fischen. Und er nimmt das Wenige ernst.
Die Jünger waren damals wohl nicht die großen Helfer, als Jesus sie auf ihre Verantwortung hin ansprach. Sie schauen auf ihr Geld. Sie zählen und rechnen, ob es reicht. Sie sind in ihren Berechnungen gefangen. Und das hilft nicht weiter.
Und wo Andreas, der Apostel, noch seinen pessimistischen Kommentar abgibt: »Was ist das für so viele?« – da sieht Jesus schon neue Chancen erwachsen: Und unter seinem Dank- und Segenswort beginnt die Wüste zu blühen und das Brot reicht für alle.

Das wahre Wunder: die Verwandlung – aus Wenig wird Mehr

Ich bleibe bei den fünf Broten und den zwei Fischen noch einmal stehen. Jesus nimmt also das Wenige, das da ist. Er dankt für das Wenige und zeigt, dass er ehrfürchtig damit umgeht. Er achtet und beachtet das Geringe und leicht Übersehbare. Jesus dankt für das Wenige – und er bringt dabei Brot und Fisch in Beziehung zu Gott. Er teilt dann aus und steckt damit die Menschen an. Und sie fangen an, selbst zu teilen und entdecken das Wunder des Teilens: das Wunderbare, das darin besteht, dass alle satt werden, indem das Wenige dankbar angenommen und geteilt wird.
Da geschieht Verwandlung: Die Herzen werden weit. Der Hunger wird gestillt. Unter Jesu Blick, unter seinem Blick der Liebe geschieht das Wunder.
Jesus handelt dabei ganz und gar aus der Verbundenheit mit dem Vater. In ihm ist ein unbändiges Vertrauen in die größeren Möglichkeiten Gottes. Das ist die Quelle seiner Kraft Ob wir zu dieser Quelle vorstoßen können?

Wie das Wunder auch an uns geschehen kann

Gewiss haben Sie die Worte des heutigen Evangeliums noch im Ohr: »Er nahm das Brot, sprach das Dankgebet, er teilte es an die Leute aus!« Das sind die Worte, die uns aus der Feier der Eucharistie so ganz vertraut sind, die Abendmahlsworte.
Wenn diese Worte hier aufklingen, heißt das doch: In jeder Feier der Eucharistie kann das Wunder der Brotvermehrung auch an uns geschehen: dass aus dem Wenigen, das wir mitbringen, mehr wird, dass uns neue Kräfte zuwachsen und unsere Armseligkeit verwandelt wird und dass wir darin bestärkt werden, für andere Brot zu werden, das ihren Hunger stillt.
Und das Wunder wird geschehen, wenn wir uns von Jesus Christus ansprechen lassen, wenn wir das Brot, das er uns reicht, annehmen und weiter-teilen, wenn wir die Verwandlung an uns geschehen lassen.
Die erste Verwandlung, zu der Jesus uns führen möchte, ist die Verwandlung unserer Augen: wache Augen gewinnen für den vielfältigen Hunger um uns.
Die zweite Verwandlung, zu der Jesus einlädt, ist, dass wir das Vertrauen in die je größeren Möglichkeiten Gottes gewinnen: ein weiter Blick über unsere menschlichen Möglichkeiten, über alle Analysen, Statistiken und Prognosen hinaus. Das Vertrauen auf Gott schenkt eine kraftvolle Hoffnung. Und das hat dann ganz konkrete Auswirkungen auf unser Leben, auf unser alltägliches Verhalten. Dieses Vertrauen lässt uns nämlich die sachten Spuren von Gottes Wirken, die Samenkörner seiner Kraft und seines Geistes in unserem Leben sehen. Es macht Mut, auch mit unseren bescheidenen Kräften an einer Welt zu bauen, die nach dem Brot des Lebens hungert: mit kleinen Gesten der Herzlichkeit, mit Zeichen der Versöhnung, mit couragiertem Anpacken, wo das angebracht ist.
Das Vertrauen in die größeren Möglichkeiten Gottes lässt mutig und kraftvoll zu Glaube und Kirche stehen, auch wenn die äußerlichen Zahlen und Statistiken dagegen sprechen. Dieses Vertrauen lässt nämlich auch die sachten Spuren einer tiefen und echten Gläubigkeit in unserer heutigen Welt nicht übersehen, bei Jüngeren und Älteren.
Unser Evangelium ist die große Einladung, uns auf Jesus Christus einzulassen und darauf zu vertrauen, dass in der Begegnung mit ihm aus dem »Wenigen« »mehr« wird.
Freilich: Unser heutiges Evangelium endet mit dem Missverständnis der Menschen. Da stellt sich die Frage, ob wir – Jesu Jünger heute – die Botschaft vom Brot für alle, die Botschaft vom weiten Blick, die Botschaft vom Vertrauen in Gottes größere Möglichkeiten, die Botschaft vom großzügigen Teilen besser verstehen werden.
Eingeladen sind wir.

Wolfgang Schrenk

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