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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Vierter Fastensonntag
Lesejahr B
Begrüßung und Einführung
Laetare, »Freue dich«, steht seit alters her über dem vierten Sonntag in der Fastenzeit. Gerade als Menschen, die in diesen Wochen ihr Leben in den Blick nehmen und manche Fehler darin entdecken, haben wir Grund zur Freude. Denn wir dürfen heute hören, dass wir einen Gott haben, dem es nicht darum geht zu urteilen, sondern zu retten. Ohne Angst dürfen wir ihm und einander bekennen, dass zu unserem Leben auch Schuld gehört.
Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen … (Wir sprechen das Allgemeine Schuldbekenntnis)

Kyrie-Ruf
Herr und Bruder Jesus Christus, du bist die Liebe Gottes. Du bist nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten.
Herr, erbarme dich.

Du bist die Liebe Gottes. Du siehst in unser Herz und weißt um unser Versagen und unsere Ängste.
Christus, erbarme dich.

Du bist die Liebe Gottes. Du kennst unsere menschlichen Grenzen und verstehst, wie schwer es uns fällt, unser Leben zu ändern.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
so sehr hast du die Welt geliebt, dass du deinen einzigen Sohn gegeben hast, damit jeder, der an dich glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Deshalb kommen wir voll Vertrauen und Freude zu dir!
Gib uns Entschlossenheit, unser Leben zu ändern, wo es nötig ist. Festige in uns die Überzeugung, dass wir von dir angenommen sind, ohne Wenn und Aber, auch wenn uns nicht alles gelingt, was wir uns vornehmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 262,1–2 »Nun singt ein neues Lied dem Herren«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 529/1 »Richte uns wieder auf, Gott, unser Heil« mit Versen aus dem Kantorenbuch zum GL (Nr. 30A) oder
GL 472,1–2 »O Jesu, all mein Leben bist du« und
GL 529/5 »Hört auf die Stimme des Evangeliums«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 618,1–5 »Brich dem Hungrigen dein Brot«
Gesang zur Kommunion
GL 637,1–3 »Lasst uns loben, freudig loben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 473 »Im Frieden dein«

Fürbitten
Großer Gott, wo es fehlt an Glauben, Hoffnung und Liebe, bleibst du nicht gleichgültig. Du willst, dass wir Menschen handeln. Wir vertrauen darauf, dass du Taten der Liebe mit deiner Kraft erfüllst. So bitten wir dich für alle, die Frieden stiften.

– Wir bitten für die Verkündigerinnen und Verkündiger der -Frohen Botschaft.
(Stärke ihr Tun mit deinem Geist!)
– Wir bitten für alle, die sich in dieser Fastenzeit gute Taten oder einen sinnvollen Verzicht vorgenommen haben.
– Wir bitten für die Menschen, die vor wichtigen Entscheidungen oder klärenden Gesprächen stehen.
– Wir bitten für alle, die Mitmenschen in Krankheit und Not helfen.
– Und wir bitten für die, die durch ihr Beten für andere einstehen.

Gott, du willst, dass wir hier und heute tun, was uns möglich ist. Dabei lässt du uns nicht allein. Aus unseren oft kleinen Taten kannst du Großes machen. Dafür danken wir dir und loben dich bis in Ewigkeit. Amen.

Gottes Plädoyer gegen die lange Bank

Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 3,14–21 (Evangelium)

Das Evangelium dieses Sonntags lässt viele Zugänge in der Predigt zu, denn, so formuliert es der Neutestamentler Rudolf Schnackenburg, in diesen Sätzen finden wir »tragende Aussagen des Johannes und der johanneischen Theologie zusammengedrängt« (in HThKNT IV/1, 393). Hier finden sich in größter Dichte Grundaussagen über Jesus Christus und seine Sendung, über den Erlösungswillen Gottes und das jüngste Gericht.
Ein Charakteristikum der Theologie des Johannes tritt gerade in dieser Perikope deutlich hervor, die »präsentische Eschatologie«: Wenn bei Johannes von der Endzeit und dem jüngsten Gericht die Rede ist, spricht er nicht von einem zeitlich weit in der Zukunft angesiedelten Weltenende, sondern betont, dass dieses Ende, das Gericht, bereits jetzt stattfindet, in der Gegenwart (vgl. Joh 3,18 im vorliegenden Evangelientext; Näheres dazu findet sich im angegebenen Johannes- Kommentar auf S. 426f.).
Dieser Gedanke des »Hier und Jetzt« wird in der Predigt mit der heute weit verbreiteten – und eigentlich bedenklichen – Anspruchshaltung verknüpft, dass Menschen ihre Wünsche vollständig und sofort erfüllt -sehen wollen – sei es auf Kredit oder auf Kosten ihrer Mitmenschen. Zunächst werden zwischen dieser »Konsum- Ungeduld« und der »eschatologischen Ungeduld« Gottes Parallelen aufgezeigt, die heilsam warnen können vor der Versuchung, anstehende Entscheidungen oder Taten immer wieder vor sich her zu schieben. Dann aber wird anhand des Evangeliums wieder differenziert zwischen heilsamer christlicher Ungeduld und einer krank und unzufrieden machenden »Alles-haben-wollen«-Mentalität.

Predigt

»Alles, und zwar sofort«

»Ich will alles, und zwar sofort«, diesen deutschen Schlager konnte man vor einigen Jahren häufig bei uns im Radio hören. »Ich will alles, und zwar sofort!« Der Titel trifft eine Haltung, die in unserer Zeit weit verbreitet ist: Ich möchte alles haben, was ich mir wünsche, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt sofort. Nur dann bin ich glücklich. Ob es um das Traumauto geht oder den ultimativen Urlaub: Ich will es jetzt. Und die Werbung für den Kauf auf Kredit hilft kräftig mit und sagt: Du wärst ja dumm, zu warten und zu sparen! Erfülle dir deine Wünsche jetzt! Zahlen? Das kommt später.
Auch bei den unbezahlbaren Dingen des Lebens haben viele Menschen diesen Anspruch: Ich will die ideale Liebe und Partnerschaft, und wenn das hier und jetzt nicht möglich ist, dann war meine Ehe wohl ein Irrtum! Worauf noch warten – dann trennen wir uns eben wieder. Wenn ich zum Arzt gehe, dann will ich hier und jetzt den Behandlungserfolg sehen! Klappt das nicht, dann war es wohl der falsche Arzt …
»Ich will alles, und zwar sofort!« Die Wirklichkeit sieht natürlich oft genug ganz anders aus. Vielleicht liegt darin ein Grund, dass heute so viele Menschen unzufrieden sind, obwohl es ihnen materiell gar nicht so schlecht geht.

»Präsentische Eschatologie« bei Johannes

Umso mehr kann es da überraschen, wenn uns der Evangelist Johannes überliefert, dass auch Gott eine solch ungeduldige Seite hat. Im Text, den wir gehört haben, geht es vor allem um die grenzenlose Liebe Gottes zu den Menschen und um seinen Willen, alle Menschen zu retten – wirklich alle! –, und sie in die Gemeinschaft mit ihm zu führen. Aber dann ist da auch vom Gericht die Rede. Und dieses Gericht, also die Begegnung, bei der ein Mensch vor Gott für sein Leben geradesteht, wird nicht irgendwann in ferner Zukunft sein: »Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet«, so hören wir die Worte Jesu im Evangelium. Immer wieder bekommen wir das beim Evangelisten Johannes gesagt: Das Wesentliche zwischen Gott und Menschen passiert jetzt. Nicht der jüngste Tag am Ende der irdischen Lebenszeit ist der entscheidende, und schon gar nicht dürfen wir uns bequem auf diesen hoffentlich noch so fernen Tag vertrösten. Jetzt, hier und heute geschieht das, was an jenem jüngsten Tag zählt!

Gottes Ungeduld – eine Warnung vor der langen Bank

»Ich will alles, und zwar sofort!« Könnten wir diese Worte also auch Gott in den Mund legen? Dürfen sich alle, die so denken, mit ihrer Ungeduld an der Seite eines ungeduldigen Gottes wissen?
Auf jeden Fall können und sollen uns diese Worte über das Gericht vor einem großen Fehler warnen: dass wir notwendige, aber unbequeme Dinge auf die lange Bank schieben. Dass wir dringend anstehende Entscheidungen im Leben immer weiter ins Ungewisse vertagen. Dass wir tausend Ausreden finden, warum wir unser Leben gerade jetzt nicht ändern können, obwohl es nötig wäre. »Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen«, so heißt eine uralte Lebensweisheit. Wie gerne machen wir daraus: »Verschiebe nicht auf morgen, was du genauso gut auf übermorgen verschieben kannst …« Wenn wir so leben, dürfen wir gewiss sein: Da wird Gott ungeduldig. Im Hier und Jetzt sollen wir leben, handeln und entscheiden, jeden Tag nutzen, denn er ist uns von Gott geschenkt und aufgetragen.
»Ich will alles, und zwar sofort!« Ja, das dürfen und sollten wir sagen, wenn es um Nötiges und Sinnvolles geht. Der längst überfällige Besuch, die klärende Aussprache, der Schritt, das ungesunde Laster zu lassen – da dürfen wir uns von der Ungeduld vieler unserer Zeitgenossen auch einmal heilsam aufrütteln lassen, gerade jetzt in der Fastenzeit. Heute ist die Zeit, auf die es ankommt, also tun wir heute, was möglich ist. Was morgen gilt, wird sich morgen zeigen. »Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet«, sagt Jesus, mit anderen Worten: Wer heute nicht tut, was er in seinem Glauben als richtig erkannt hat, der hat den richtigen Zeitpunkt verpasst.

Ungeduld ja – wenn es um der Liebe willen ist

Allerdings – zum Anwalt der Ungeduldigen in Sachen Traumauto, Ehe-idyll oder Gesundheit eignet sich Gott wohl doch nicht allzu gut. Der Schlüssel zum Heil und damit auch zum wirklichen Lebensglück ist weder materieller Reichtum noch Harmonie in den Beziehungen oder die Gesundheit. Der Schlüssel zum wahren Glück ist der Glaube. Nochmals sei der Satz zitiert: »Wer glaubt, wird nicht gerichtet, wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.« Der Schlüssel ist der Glaube an Jesus Christus, der uns die Liebe zu Gott und zum Nächsten als die Erfüllung des ganzen Gesetzes aufgetragen hat. Hier gilt es zu fragen: Dient all das, worauf ich so ungeduldig warte, dieser Liebe? Geht es dabei um Liebestaten für Gott oder den Mitmenschen? Dann sollten wir nicht abwarten, sondern eifrig und mutig handeln! Geht es aber um die Liebe zum Reichtum oder zur eigenen Bequemlichkeit, dann ist die Ungeduld ein Irrweg. Dann geschieht, was wir oft genug erleben können: Sie macht unzufrieden und krank.
Glücklich ist allein, wer Gott und Menschen liebt. Und wer aus dieser Liebe lebt, entscheidet und handelt. Hier und jetzt.

Stefan Möhler

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