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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Sechster Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Begrüßung und Einführung
Wie oft ist unser alltägliches Miteinander von Vorurteilen, Abneigung und Ablehnung belastet? Menschen werden wie Aussätzige behandelt, nicht weil sie auf ansteckende Weise erkrankt wären, sondern weil sie aus dem gesellschaftlichen Rahmen fallen: Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können und unter die Armutsgrenze fallen, Pflegebedürftige, die als Belastung des sozialen Sicherungssystems angesehen werden, Migranten, die einer anderen Nationalität oder Religion angehören und in unserem Lande fremd sind … Jesus grenzte die Aussätzigen seiner Zeit nicht aus, sondern bezog sie in seine Gemeinschaft mit ein. Er wandte sich denen zu, mit denen niemand etwas zu tun haben wollte. Er zeigte keine Berührungsängste, sondern Mitleid, Sympathie. Auch uns begegnet er voll Sympathie und möchte seine Gemeinschaft mit uns bekräftigen, am Tisch des Wortes und des Brotes. Dazu möge er uns selbst vorbereiten.

Kyrie-Ruf
GL 485 »Herr, erbarme dich«

Tagesgebet
Gütiger Gott,
du liebst uns Menschen und es ist deine Freude, bei uns und mit uns zu sein.
Sei du nun selbst in unserer Mitte, lass uns offen und dankbar dein Wort vernehmen und stärke uns im heiligen Mahl mit deiner heilenden Kraft, damit wir zum Segen für unsere Nächsten werden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 519 »Komm her, freu dich mit uns«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 642 »Eine große Stadt ersteht« und GL 530/7 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 300 »Solang es Menschen gibt auf Erden«
Gesang zur Kommunion
GL 261 »Den Herren will ich loben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 637 »Lasst uns loben, freudig loben«

Fürbitten
Jesus Christus hatte Mitleid mit den Menschen. Seine befreiende Kraft werde jenen zu teil, mit denen wir mitfühlen und mitleiden:

- Allen, die im Glaube müde geworden sind und heilende und befreiende Erfahrungen vermissen.
(Stille – Herr, Jesus Christus, wir bitten dich, erhöre uns.)
- Allen, die unter Krieg, Terror oder Unterdrückung leiden.
- Allen, die sich mit ihrem Leben schwer tun und mit Enttäuschungen ringen.
- Allen, die in Streit und Trennung leben und mit sich selbst unversöhnt sind.
- Allen, die der Pflege bedürfen und sich einsam und verlassen fühlen.
- Allen, die um einen nahen Menschen trauern oder die selbst den Tod vor Augen haben.

Herr, Jesus Christus, du suchst die Gemeinschaft mit uns und willst das Heil aller Menschen. Dafür danken wir dir und preisen wir dich jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Wie geschieht Verkündigung?

Vorüberlegungen
Zum Text: Mk 1,40–45 (Evangelium)

Die Erzählung von der »Heilung des Aussätzigen« hebt die befreiende Heilungstat Jesu hervor. Thematisiert wird weder Jesu Übertretung jüdischer Reinheitsvorschriften, noch wird man »unter historischem Aspekt … in der Geschichte … den Bericht einer konkreten Wundertat erblicken können« (J. Gnilka, Das Evangelium nach Matthäus, 31989, 94).
Die Predigt versucht, die Bedeutung der Heilung herauszuarbeiten und sie auf die Situation der Hörer zu beziehen.

Predigt

Bitte des Aussätzigen

»Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.«
Ist das nicht eigenartig? Der Mann ist an Aussatz erkrankt und er bittet Jesus nicht um Gesundheit, sondern um Reinheit! Sind sie schon einem Kranken begegnet, dessen sehnlichster Wunsch es war, »rein« zu werden?

Unreinheit im rabbinischen Judentum

Die Bitte des Mannes ist nicht so absonderlich, wie es beim ersten Hören vielleicht klingen mag, denn zur Zeit Jesu galt der Aussätzige in verschiedener Hinsicht als unrein. Auf der Haut des Aussätzigen hatten sich für alle sichtbar Schwellungen, nässende Flecken und offene Pusteln gebildet. Sein Äußeres war also alles andere als rein und diese Unreinheit hatte Folgen. Weil der Aussatz als ansteckend galt und keine Heilungschancen bestanden, musste der Aussätzige, wie wir in der alttestamentlichen Lesung hörten, die Gemeinschaft verlassen und »abgesondert wohnen«, außerhalb Jerusalems und den Städten Israels. Zur ansteckenden Krankheit kam so noch die gesellschaftliche Isolation hinzu.
Der Aussätzige war nicht nur äußerlich unrein, sein Aussatz hatte auch religiöse Bedeutung. Aussatz galt als Strafe Gottes für begangenes Unrecht und wer einem solchen ganz offensichtlichen Sünder begegnete, wurde selbst unrein. Reinheit war aber eine kultische Voraussetzung. Am Gottesdienst konnte nur teilnehmen, wer weder äußerlich noch innerlich unrein war, wer also weder Unrecht begangen hatte, noch von Gott mit Aussatz bestraft worden war. Weil sich Israel als ein auserwähltes und insofern reines Volk verstand, wurden Unreine vom Kult ausgeschlossen. Aussätzige waren damit nicht nur gesellschaftlich, sondern auch religiös isoliert. Alle Beziehungen waren abgebrochen, zu den Menschen ebenso wie zu Gott.

Ein zweifacher Wunsch

»Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.«
Der Mann hat nicht nur den Wunsch, gesund zu werden, mehr noch möchte er seine gesellschaftliche und religiöse Isolation überwinden. Erkrankt zu sein, ist schon schlimm genug, aber bei all dem auch noch das Gefühl haben zu müssen, abgeschoben und gemieden zu werden, macht die Lage beinahe unerträglich. Die Gesundheit zu verlieren kann manchmal lebensbedrohend sein, doch Isolation kann Menschen das Gefühl vermitteln, lebendig tot zu sein. Tatsächlich galt im Alten Testament der Aussätzige als lebendig Toter (Num 12,12) und seine Heilung glich der Auferweckung eines Toten.

Jesu Heilungstat

»Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein!«
Wie einst Mose beim Exodus des Volkes Israel seine Hand erhob und das Volk durch das Schilfmeer in die Freiheit führte, so ruft auch hier das vollmächtige Ausstrecken der Hand Befreiung und Heilung hervor. Der Mann wird nicht nur von seinem Aussatz befreit, sondern mehr noch aus seiner Isolation. Jesus streckt ihm seine Hand entgegen und holt ihn durch seine Berührung in die Gemeinschaft zurück. Er schenkt ihm menschliche Nähe und verleiht ihm wieder Ansehen und Würde.

Vom Aussätzigen zum Verkünder

Die Heilung wirkte befreiend. Wieder in das Leben zurückgekehrt, wird der einst gesellschaftlich Isolierte zum gesellschaftlichen Mittelpunkt: Er »erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte«. Der Mann wurde zum Verkünder Jesu und seine Geschichte erregte Aufsehen, »sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte«. Ganz offensichtlich machte es Eindruck, dass Jesus nicht wegsah, sondern hinsah und den Aussätzigen nicht übersah. Ganz offensichtlich machte es Eindruck, dass Jesus den Aussätzigen berührte, ohne Angst zu haben, selbst unrein zu werden. Ganz offensichtlich machte es Eindruck, dass sich dank göttlicher Kraft eine Heilung einstellte, obwohl sich doch Jesus über das Gesetz hinweggesetzt hatte. Ganz offensichtlich machte es Eindruck, dass der Glaube des Aussätzigen bei Jesus nicht enttäuscht wurde, sondern sich seine Bitte erfüllte.

Wie geschieht Verkündigung?

»Er verbreitete die ganze Geschichte.« So also geschieht Verkündigung: von dem erzählen, was einem widerfahren ist. Wenn uns die Verkündigung des Evangeliums heute manchmal so schwer fällt, liegt es vielleicht daran, dass wir zu wenig von der befreienden und heilenden Kraft Jesu erfahren? Aber gerade darum sind wir ja hier, um Gottesdienst zu feiern, um Gottes heilenden Dienst zu empfangen, um uns von ihm berühren zu lassen.
Um Verkünder, Erzähler der Botschaft Jesu werden zu können, muss er uns anrühren, berühren und reinigen mit seiner heilenden Kraft. Er muss uns seine Hand entgegenstrecken: Ja, ich will, dass du rein wirst. Ich will, dass du geheilt wirst von dem, was dich ausschließt vom Leben. Wo du dir selbst im Wege stehst, du dich ausgrenzt aus der Gemeinschaft mit den Menschen und mit mir, will ich dich zurückholen, ich will dich zurück haben bei mir.

Alle sind angesprochen

Hier im Gottesdienst geht es aber nicht nur um uns, es geht um alle Menschen. Wie der Mann bei jeder Gelegenheit erzählte, was geschehen war, sollen auch wir unsere heilenden Erfahrungen allen weitersagen und dabei wie Jesus nicht die übersehen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind.
Aussatz ist heute keine unheilbare Krankheit mehr, und doch gibt es genügend viele Menschen, die sich wie aussätzig fühlen. Sie erleben sich als ausgegrenzt und isoliert, sei es aufgrund von Arbeitslosigkeit, wegen Aids, ihrer homosexuellen Ausrichtung, aufgrund von gescheiterten Lebensentwürfen oder schuldhaften Verhaltens. Wie viele dieser Menschen bräuchten eine Berührung, eine Geste des Angenommen- und Aufgenommen-Seins? Reichen wir ihnen unsere Hand? Erzählen wir ihnen von der wundersamen Heilung durch Jesus Christus? Erfahren sie unsere Gemeinschaft als befreiend, weil sie nicht ausgrenzt, sondern alle einbezieht?
Wie schön wäre es, könnten solche Menschen, wenn sie ihre Geschichte verbreiten, von der Wirkung der Botschaft Jesu erzählen.

Christoph Böttigheimer

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