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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Zweiter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Körpergefühl und Seelenheil

Predigt
Zum Text: 1 Kor 6,13c–15a.17–20 (2. Lesung)

Der Leib in Kunst und Moral

In ihrer Moral gilt die Kirche als leibfeindlich. Sie verbietet alles, was eigentlich Spaß macht, sagen manche Leute, vor allem die jungen. Sie haben nicht ganz unrecht!
In der Sprache ihrer Bilder ist die Kirche ungemein leibfreundlich! Man braucht nur die spielenden und feisten Puten einer barocken Kirche, das Bild einer schönen Madonna oder die Skulpturen aller Jahrhunderte mit ihrer aufgerichteten Haltung und ihren ausdrucksstarken Gesichtern zu betrachten. Dann weiß man, was Paulus meint, wenn er fragt: »Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?« Die Kirche hat es immer gewusst, wie sonst könnte sie von der Menschwerdung Gottes und vom Dasein Gottes im Fleisch reden? Man kann als Christ nicht ehrfürchtig genug vom Leib reden und nicht aufmerksam genug für den Leib sorgen. Für den Heiligen Geist ist der schönste Tempel gerade schön genug. Gottes Geist soll sich doch gerne im Leib des Menschen niederlassen und in seinem Körper wohnen!

Eine laszive Gruppe

… der Gemeinde in Korinth, die Paulus gegründet hat und an die er geschrieben hat, pflegte erstaunliche Ansichten: Mit Berufung auf die christliche Freiheit haben die Männer ihre Besuche im Bordell gerechtfertigt, nicht etwa hinter vorgehaltener Hand, sondern ganz offen. Der Leib mit seinen Bedürfnissen fordert seinen Tribut und den muss man zollen! Mit Geist und Seele hat das nichts zu tun – so dachte man, so verhielt man sich, so argumentierte man auch.
Essen und Trinken sind gut für den Bauch, dachte man, und man pflegte es im Übermaß. Was hat der Bauch schon mit Gott und seinem Christus zu tun? Er ist doch vergänglich und darum kann es nicht schaden, wenn man den Bauch – wenigstens auf Zeit – üppig pflegt und es sich wohl sein lässt. Essen über das Maß und Trinken über die Kapazität können den Geist und die Seele nicht berühren – so dachte die Gruppe in Korinth und verhielt sich auch so!
Das ist der Hintergrund, warum Paulus sich im ersten Korintherbrief über das Verhältnis des Christen zum Leib, zu seinem eigenen und zum Leib Christi Gedanken macht und Anweisungen gibt.

Verantwortung für die Schönheit und Ordnung des Leibes

Die Probleme in Korinth erinnern mich an manche Diskussion in der gymnasialen Oberstufe. Die jungen Leute fragen, sobald die entsprechenden Stichworte fallen und ein Gesprächsklima entstanden ist, ob Rauchen eine Sünde sei. Ob das Flatrate-Saufen am Freitagabend, das man als Spaß unter Kumpels veranstaltet, eine Sünde sei. Und – ganz provokant – sagen sie, frei ausgelebte Sexualität kann doch keine Sünde sein, weil sie einfach nur Spaß macht. Sie sagen auch: Die Kirche ist an diesem Punkt hoffnungslos rückständig, einfach von vorgestern! Dabei sind die jungen Leute gar nicht so freizügig, wie wir Erwachsene manchmal glauben. In ihren provokanten Fragen und zynischen Aussagen verstecken sie ihre existenziellen Probleme.
Der Leib, dein Körper, ist Tempel des Heiligen Geistes, wäre die Antwort des Paulus. Alles, was diesen Leib verletzt und schädigt, was ihn entwürdigt und gefährdet, steht dem Willen des Schöpfers entgegen. Man muss wegkommen vom Verbieten, es hilft ohnehin nicht viel! Aber auf die Verantwortung für den Leib, auf seine Schönheit und Bedeutung kann man die jungen Leute ansprechen. Es ist der erste Schritt, um den Sinn für die religiöse Bedeutung zu öffnen, die Paulus dem Leib gibt: Er ist der Wohnort Gottes, er birgt das Geheimnis der Gegenwart Gottes. Er ist durchwoben vom Geist des Schöpfers.

Der eigene Leib und der Leib Christi

Nur wer den eigenen Leib kennt, seine Bedürfnisse und seine Kräfte, seine Leiden und seine Lust, der kann die Bedeutung ermessen, die Paulus der Gemeinde, der Kirche insgesamt beimisst: Sie ist der Leib Christi. Wie soll man sich gerne und aufrichtig als Glied des Leibes Christi erkennen und bewähren, wenn man seinen eigenen Leib schädigt oder verkommen lässt? Sich als Glied am Leib Christi zu verstehen, bedeutet, den eigenen Leib zu pflegen, damit der Leib Christi zur Vollkommenheit und Schönheit auferbaut wird. »Verherrlicht also Gott in eurem Leib« – ruft Paulus den Korinthern zu, aber verherrlicht ihn so, dass der Leib in seiner vollen, schönen und gesunden Gestalt in Erscheinung treten kann.

Köperkult und Seelenheil

Man darf nicht dem Köperkult und Schönheitswahn, dem Kult von Jugendlichkeit und Leistung, von Fitness und Gesundheit verfallen, aber man soll dem Körper doch seinen ihm gebührenden Platz in der persönlichen Glaubensgestalt einräumen. Der Leib ist das Medium der Begegnung, er spricht an, bevor wir ein Wort miteinander austauschen. Der Leib ist Träger der Geschichte – die Zeit mit ihren Erfahrungen ist ihm eingezeichnet.
Wie bedeutsam dieses Äußere des Leibes ist, weiß jeder, der ab und an einen Besuch im Pflegeheim macht: Man begegnet alten Menschen, deren Hemd oder Bluse versabbert ist, mit ungepflegten Haaren und schlecht riechend. Dafür kann der pflegebedürftige Mensch nichts, das weiß man, wenn man ihm begegnet! Und doch erschwert es unwillkürlich die Begegnung. Oder man tritt an ein Bett, in dem ein alter Mensch liegt: gepflegt und sauber angezogen, die Haare gekämmt oder behutsam frisiert, vielleicht ein Armbändchen umgelegt, vielleicht ein wenig Lippenstift aufgetragen oder ein wenig Parfüm aufgelegt, das Zimmer gelüftet. Man tritt einem Menschen entgegen, auch in der Gebrochenheit seines Körpers! Aber man tritt ihm gerne entgegen. Das Seelenheil – wenn man wirklich darum besorgt ist – braucht auch ein wenig Körperkult. Denn der Körper, der Leib, ist der Tempel des Heiligen Geistes. Aus ihm strahlt die Herrlichkeit Gottes oder sie ist ganz verstellt! Das Wohl des Leibes soll dem Heil der Seele dienen, und das Heil der Seele soll aus dem Leib herausstrahlen dürfen.

Fürbitten
Herr, Jesus Christus, als Glieder deines Leibes machen wir uns die Nöte und Sorgen, die Schmerzen und Ängste der Menschen zu eigen und bitten dich:

- Für die Menschen in den Krisenregionen unserer Welt, die dem Hunger, der Armut und der Gewalt schonungslos ausgeliefert sind.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
- Für die Menschen, die mit einer Behinderung leben; aber denen das Unverständnis und die Rücksichtslosigkeit ihrer Zeitgenossen mehr zu schaffen machen als ihr Gebrechen.
- Für die Kinder, die missbraucht werden; und für Erwachsene, die ein Leben lang in ihrem seelischen Erleben und in ihrer körperlichen Selbstwahrnehmung belastet und eingeschränkt sind.
- Für Jugendliche und junge Erwachsene, die ihren Körper und sich selbst nur wahrnehmen können, indem sie sich verletzen.
- Für die getrennten christlichen Kirchen, die sich in ihrer Eigen-ständigkeit profilieren, aber so wenig vom Geist der Einheit geprägt sind.

Herr Jesus Christus. Dein Geist wohnt im Leib der Menschen und du selbst machst dir die Kirche zum eigenen Leib. Wir danken dir für deine Gegenwart jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Anton Seeberger

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