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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Weihnachten – Am Tag
Lesejahr A – B – C
Gottesdienst II

Einführung
Was wir am Abend und in der Nacht gefeiert haben, hier in unserer Kirche und zu Hause in den Familienfeiern, will jetzt am Tag angeschaut werden. In der Wirklichkeit des Alltags will sich bewähren, was uns heute zugesprochen und zugemutet wird: Gott wartet nicht auf uns, er kommt uns entgegen, mischt sich unter uns, nimmt Wohnung bei uns. Er teilt unser Leben und Leiden, bleibt der Gott-mit-uns auch dort, wo manches bei Tag besehen gegen die festliche Gestimmtheit der Weihnacht steht. Der menschgewordene Gottessohn in der Krippe zeigt uns: Gott will unser Heil und unsere Heilung, er will uns retten und trösten. Er schenkt uns unsere Menschwerdung.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, menschgewordenes Wort der Liebe und des Friedens.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, menschgewordenes Licht der Hoffnung und der Versöhnung.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, menschgewordener Bruder und Gottessohn.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Leben spendender, barmherziger Gott,
du hast den Menschen erschaffen als dein Bild und Gleichnis. Himmel und Erde sind und bleiben verbunden, du Gott und wir Menschen durch deine und unsere Menschwerdung. Wir sind eingetaucht in dein himmlisches, Leben spendendes Licht, das über uns aufgestrahlt ist in deinem Sohn unserem Bruder Jesus Christus.
Lass ihn heute in uns geboren werden, damit wir so Anteil erhalten an deinem göttlichen Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn.

Schlussgebet
Barmherziger Gott,
du hast uns in dieser Feier dein Versprechen in die Hand gegeben, das uns neu stärken und ermutigen kann: Friede mit euch und aller Welt. Du hast uns deine Kommunion geschenkt im Zeichen des menschgewordenen Brotes, das uns neue Lebenskraft gibt.
Segne und sende uns als Botinnen und Boten deines weihnachtlichen Lichtes , das uns aufgestrahlt ist in deinem Sohn Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 138 »Es kam ein Engel hell und klar«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 144,3–4 »Sehet dies Wunder« mit GL 155 »Christus ist geboren«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 141 »Ich steh an deiner Krippe hier«
Gesang zur Kommunion
GL 144,3–5 »Sehet dieses Wunder«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 140 »Zu Betlehem geboren«

Fürbitten
Herr und Gott, du hast über unserer Welt deine Menschenfreundlichkeit aufleuchten lassen und hast alles Dunkel licht gemacht. Das ist unsere Hoffnung und deshalb bitten wir dich:

– Bringe Licht in das Leben der Menschen, die in diesen Tagen über Krieg und Frieden zu entscheiden haben. Menschgewordener Gottessohn, höre uns.
(Christus, erhöre uns.)
– Bringe Licht in das Leben der Menschen, die in diesen Tagen auf der Flucht sind und eine neue Heimat und eine Wohnung suchen. Lass sie aufnahmebereite Herzen und Hände finden. Menschgewordener Gottessohn, höre uns.
– Bringe Licht in das Leben der Menschen, die sich einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit und so ein Zeichen der Hoffnung setzen wollen. Lass sie in deinem Licht Ermutigung und Ausdauer finden. Menschgewordener Gottessohn, höre uns.
– Bringe Licht in das Leben aller, die hier versammelt sind. Lass uns die Menschen und die ganze Schöpfung in deinem Licht sehen und erhelle unsere Wege in gemeinsamer Verantwortung für friedliches und geschwisterliches Zusammenleben aller Menschen. Menschgewordener Gottessohn, höre uns.

Herr, unser Gott, wir vertrauen uns deinem Licht und deiner Liebe an. Dein Friede gewinne Raum in uns, damit wir so Botinnen und Boten deines Lebens werden, das uns erschienen ist in unserem Bruder Jesus Christus. Dir sei Lob und Ehre in Ewigkeit. Amen.

»... und hat unter uns gewohnt«

Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 1,1–18 (Evangelium)

Jahr für Jahr die Auseinandersetzung mit dem sperrigen Johannes-Prolog als Grundlage und Ausgangspunkt für die festtägliche Weihnachtspredigt! Die Erfahrungen aus meiner Caritas-Arbeit mit den Berichten und Einblicken in die tägliche karitative Beratungspraxis, in die Entwicklungen in den unterschiedlichen Hilfebereichen für junge, alte, kranke und behinderte Menschen und die aktuellen sozial-politischen Bemühungen, menschengerechte und menschenwürdige Bedingungen zu schaffen, damit Menschen in ihrem Leben bestehen können, haben mich anhalten lassen bei ... »und hat unter uns gewohnt«. Ein zutiefst menschliches Bild in den hohen theologischen Aussagen des Johannes über das Geheimnis der Menschwerdung Gottes. Und ein höchst aktuelles Bild angesichts der vielen heimatlosen, ortlosen, unbehausten Menschen, die vielfältig auf der Flucht sind und sein müssen. Ein Blick in die biblischen Kommentare zeigt, dass wesentlich mehr über die »Inkarnation« als über die »Wohnungssuche« und das »Wohnungnehmen« Gottes nachgedacht, theologisiert und philosophiert wird. Dabei listet die Konkordanz unter dem Stichwort »wohnen« und »Wohnung« erstaunlich viele Belegstellen auf, wo die Beziehung Gottes zum Menschen mit diesen Bildern beschrieben und gekennzeichnet werden. Mir fiel ein, dass ich 1997 schon einmal in Dienst am Wort eine Weihnachtspredigt mit dieser Überschrift veröffentlicht habe. Und schon damals habe ich mir Impulse geholt bei Paul M. Zulehner in seinem Buch »Ein Obdach der Seele. Geistliche Übungen – nicht nur für fromme Zeitgenossen (Düsseldorf 1994). Diese Übungen habe ich wieder mit großem Gewinn gelesen und sie haben mich auch für diese Predigt angeregt.

Predigt

Zunehmend verlangt unsere Zeit jeder und jedem von uns ein hohes Maß an Veränderung und Beweglichkeit ab

Wenige junge Menschen bleiben in dem Beruf, den sie ursprünglich angestrebt und für den sie studiert haben oder ausgebildet wurden. Mit dem Berufswechsel ist oft ein Wohnortwechsel verbunden. Oft genug wohnen junge Paare unter der Woche aus beruflichen Gründen getrennt und pendeln am Wochenende mal zu ihm, mal zu ihr. Familien leben getrennt weit auseinander und sehen sich nur selten. In vielen Berufen ist es selbstverständlich, ständig unterwegs zu sein in aller Herren Länder. Mobilität ist angesagt und gefordert und wer da nicht mit kann, steht in der Gefahr, abgehängt zu werden. Beweglichkeit hat längst viele Bereiche umfasst, das häusliche alltägliche Leben ebenso wie die Gestaltung von Freizeit und Urlaub. Ferien, Urlaube, Sonntage bringen viele auf die Straße, in die Verkehrsmittel, oft genug rastlos, bis zur Ermüdung. Neues kennenlernen und erfahren bezieht sich auch auf das Ausprobieren der Riten und Vollzüge fremder Religionen. Und ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass sehr viele auch ihre Lebens- und Liebesbeziehungen abschnittsweise gestalten, auch hier unterwegs sind von einer Verbindung zur anderen.
Mitten in diese durch technische und finanzielle Möglichkeiten gewonnene Beweglichkeit und Mobilität, die allerdings viele auch erschöpft und außer Atem, oft genug außer sich und aushausig sein lässt, sehnen sich immer mehr Menschen nach Orten und Zeiten der Ruhe und der Geborgenheit, wie beispielsweise die zunehmenden Auszeiten in Klöstern zeigen. Ruhe und Geborgenheit zu finden, froh zu sein, daheim sein zu können, nicht ständig wie Getriebene unterwegs sein zu müssen, ist ein sehnlicher Wunsch. Endlich einmal daheim bleiben und wohnen ist ein elementares Bedürfnis für immer mehr Menschen.
Junge und alte Menschen, Kinder und Greise, Berufstätige und Ruheständler – allen ist gemeinsam, dass sie ein Zuhause brauchen. Weil die Zukunft mit ihren Vorzeichen und Vorboten oft bedrohlich und gefährdet erscheint, weil die leidvollen Erfahrungen, wie zerbrechlich und brüchig Beziehungen und Verhältnisse sein können, schmerzen und ängstigen, fragen Menschen auch an Weihnachten: Wo bleibe ich, wo habe ich eine Bleibe, was gibt mir Halt und die Gewissheit, dass mein Leben gehalten ist und dass ich aufgehoben, beheimatet bin? Dabei geht unser Blick auch an diesem festlichen Tag auf die Millionen Menschen, die nicht nur vor sich selbst auf der Flucht und oft genug in der Sucht sind, sondern die Vertriebene und Gejagte sind, die angesichts von Krieg und Hass, von Terror, Krankheiten und Naturkatastrophen gezwungen sind zu fliehen, oft heimatlos und obdachlos geworden sind an Leib und Seele.

Mitten in dieses Hin- und Hergeworfensein ...

erinnert uns die Feier der Weihnacht, ihre Gebräuche und Lieder, ihre Riten und häuslichen Feste und besonders auch unsere Gottesdienste mit ihren biblischen Bildern und Geschichten, dass es eine Bewegung gab und gibt, die uns auch heute erreichen kann und will. Es ist die Bewegung Gottes, der nicht bleibt, wo er angestammter und vermuteter Weise doch hingehört – in den Himmel. Sondern der sich aufmacht, sich bewegen lässt um unter, bei und mit denen zu wohnen, zu leben, zu leiden und zu sterben, die die Seinen sind.
Wenn viele im Bestreben, möglichst topfit und ewig dynamisch, jung und beweglich zu sein und zu bleiben, gar nicht mehr wissen, wo sie hingehören und was ihrem Leben Richtung und Halt gibt, sagt uns das heutige Festevangelium: Du, Mensch, bist und hast ein Geheimnis. Und dieses Geheimnis ist nicht anders zu deuten und zu verstehen als so: Es ist dir eine Tür geöffnet, in die du eintreten kannst und wo du dann erfahren wirst: Du bist geliebt, angenommen, bejaht und gewollt. Diese Tür führt dich zu diesem Geheimnis deines Lebens, das wir immer schon Gott nennen. »Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis …« – nicht irgendwann und irgendwo im Jenseits, sondern jetzt und heute, für dich Mensch ist es geschehen. In allem, was dein Leben immer wieder unheimlich erscheinen lässt, erscheint dir der, der das Geheimnis deines Lebens ist: der menschenfreundliche und menschgewordene Gott. Er schaut nicht von oben herab zu, was aus uns Menschen wird, sondern er wohnt mitten unter uns, bindet sich ein in unsere Menschheitsgeschichte und lässt dadurch die Tür offen, in die wir zu ihm heimkommen können.

Von den ersten, die dieses Wunder gesehen und bestaunt haben ...

den Hirten, wird berichtet, dass sie durch die Begegnung mit dem Menschenkind Jesus gespürt und erfahren haben, dass sie angesehen und angenommen sind. Deshalb konnten sie Gott loben und preisen für dieses unfassbare Geschenk. In ihrem Suchen und Fragen, ob denn auch in ihrem bedrängten Leben ein guter Stern der Hoffnung aufgehen kann, ist ihnen in einem Kind die Antwort gegeben worden, die sie schon nicht mehr glauben konnten: »Ich bin der Immanuel, der Gott mit euch.« Weihnachten sagt uns: Gott lässt sich nicht abschütteln und abweisen, auch wenn berichtet wird, dass er keinen Platz hatte und die Seinen ihn nicht aufnahmen. Dort, wo Menschen ihn los werden wollten, hat er sie selbst davor bewahrt, gottlos zu werden. Er hat sich einen Platz gesucht und sich Platz verschafft, damit die Menschen auf der Suche nach einem Lebensplatz und nach einem Daheimsein erfahren, dass sie angenommen und gewürdigt sind, dass ihr Leben gerettet und geheilt ist. Der Heiland ist geboren und Heil-Land für die Menschen eröffnet.

Die Heilige Nacht liegt hinter uns

Am Tag sehen wir auf die Realitäten, die uns die Nachrichten bringen. Sie sind auch heute zum Teil unheimlich und zeigen uns eine Welt, die unwirtlich und gefährdet ist und für viele keine Heimat und Geborgenheit bietet. Das Fest der Heiligen Nacht, die Einwohnung Gottes bleibt. Es ist sein Geheimnis, warum er diesen Weg wählte. Aber dieses Geheimnis weist auf Heimat, daheim sein und heimkommen hin: »Gott ist im Fleische, wer kann dies Geheimnis verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen.« Es ist uns geschenkt, inmitten der Unheimlichkeiten unserer Welt in diesem Geheimnis daheim zu sein, in jenem Geheimnis, das die Menschheitsgeschichte in der alten Tradition des Betens, des Dankens und auch des Klagens Gott nennt.
Und dieser Gott wohnt unter uns und wohnt uns bei, wie es nur Liebende tun können. Er will, dass wir eine Wohnung, Lebensraum, das Leben haben. Diese Zusage löst sich nicht auf, vielmehr löst er ein, was er schon durch die Propheten ansagen ließ: Mein bist du, ich habe deinen Namen in meine Hand geschrieben (Jesaja). Deshalb: »Dich wahren Gott ich finde in meinem Fleisch und Blut ...« In mir will der Mensch werden, der Licht und Heil ist, Trost und Zuversicht, Hoffnung und Glaube schenken will.
Aus der Feier dieser Zusage kann Bestärkung und Freiheit erwachsen. Wenn wir dann so gestärkt nicht mehr Angst um uns und unser Leben und unsere Welt haben müssen, dann können auch wir als Menschen, denen der Friede verheißen ist, als Menschen des Friedens in unseren Alltag und Werktag gehen. Mit neuem Mut und neuer Hoffnung Schritte des Friedens wagen, in der Nähe, in der unmittelbaren Wohngegend und als Erden- und Weltbürgerinnen und -bürger weltweit, vielleicht heute durch das Zeichen unserer geschwisterlichen Kollekte.
Bitten wir Gott an diesem Tag, dass wir glauben können, dass wir in ihm und von ihm gehalten und in ihm beheimatet sind. Bitten wir darum, dass wir Möglichkeiten und Wege finden, immer wieder Menschen in ihrer Suche nach Heimat und dem Sinn ihres Lebens einen Platz und eine Wohnung zu bereiten und anzubieten, damit sie aufatmen und spüren können: Auch mir gilt das weihnachtliche Geschenk, dass Menschwerdung Gottes geschehen ist und auch in mir geschehen will. Christ, mein Retter ist da.

Wolfgang Tripp

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