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Leseprobe 3
Christkönigssonntag
Lesejahr A
Begrüßung und Einführung
Der letzte Sonntag im Jahreskreis wird in der katholischen Kirche als der Christkönigssonntag gefeiert. Für uns in Deutschland sind Königinnen und Könige längst keine Größen mehr in unserer gesellschaftlichen Realität, allenfalls als Themen in der Boulevardpresse. So scheint ein Christkönigssonntag manchen auch als ein herüber gerettetes Relikt einer vergangenen Zeit. Zeitlos gültig jedoch bleibt für den christlichen Glauben, dass mit Jesus Christus in Mensch und Welt die Macht der Liebe Gottes sichtbar wurde. Dies feiern wir am heutigen Sonntag.
So wenden wir uns an ihn mit der Bitte um sein Erbarmen.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du zeigst uns eine andere Macht, als uns die Mächtigen dieser Welt vermitteln möchten.
Herr, erbarme dich unser.
Herr Jesus Christus, du zeigst uns einen Gott, der unser Leben in seiner liebenden Hand hält und uns nicht fallen lässt.
Christus, erbarme dich unser.
Herr Jesus Christus, du bist Mensch geworden, nicht um uns zu beherrschen, sondern um als Bruder den Weg unseres Lebens zu begleiten.
Herr, erbarme dich unser.

Tagesgebet
Barmherziger, ewiger Gott,
du hast deinen geliebten Sohn in die Welt geschickt, um sie wieder auf den Weg zu deiner guten Schöpfung zu führen.
Befreie alle Menschen und die ganze Kreatur aus den Zwängen einer gottfernen Welt, damit sie sich führen lassen von dem, den du uns und der Welt als Begleiter gesandt hast, Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 560,1–3 »Schönster Herr Jesus«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 718/1 »Der Herr ist mein Hirt« mit 718/2,1–6 (Psalm 23) und
GL 466 »Halleluja«
Gepriesen sei er, der kommt im Namen des Herrn.
Gepriesen sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt
(Mk 11,10).
Gesang zur Gabenbereitung
GL 622 »Hilf, Herr meines Lebens«
Gesang zur Kommunion
GL 599 »Mein schönste Zier und Kleinod bist«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 265 »Nun lobet Gott im hohen Thron«

Fürbitten
Herr Jesus Christus, deine Macht ist anders als die Mächte, die allzu oft die Welt regieren. Deshalb kommen wir mit unseren Bitten zu dir:

– Gib allen, die in der Welt Verantwortung tragen, den Maßstab deiner Liebe für ihr Handeln.
– Schenke allen, die in den Kirchen etwas zu sagen haben, den Mut, sich an die Seite der Armen zu stellen.
– Stärke alle Opfer missbrauchter Macht und stelle ihnen Menschen zur Seite, die für ihre Würde und ihr Recht kämpfen.
– Lass alle unsere Verstorbenen im Reich deiner Liebe geborgen sein bei dir.

Darum bitten wir in der Hoffnung auf deine Nähe und das Vertrauen auf deine Hilfe, dich, Jesus Christus, unseren Bruder und König. Amen.

Das Leben messen mit dem Maßstab der Liebe

Predigt
Zum Text: Mt 25,31–46 (Evangelium)

Die Frohbotschaft wurde zur Drohbotschaft

Wohl wie kaum ein anderes Evangelium hat das eben gehörte Menschen unendlich viel Angst und Schrecken eingejagt. »Wehe euch, die ihr nicht so gelebt habt, dass ihr vor eurem Richter am Ende des Lebens, am Ende der Welt bestehen könnt. Euer Ende wird schrecklich sein, vor allem wird dies ohne ein Ende sein.« So hieß die Botschaft, die statt Frohbotschaft zu sein, zur christlichen Drohbotschaft wurde.
Heute tun wir uns schwer, Christus als diesen Richter über Leben und Tod zusammenzubringen mit dem Gott der Liebe, der ihn in die Welt gesandt hat, ihn Mensch werden ließ, unseren Bruder, um uns und die ganze Menschheit zu retten und in Gottes ewiges Reich des Friedens und der Versöhnung zu führen.
Wir werden uns die Mühe machen müssen, etwas mehr in den Text hineinzugehen – weg von unseren eigenen Phantasien oder auch angstmachenden Erfahrungen christlicher Glaubensweitergabe, die uns vielleicht den Zugang versperren. Und dann kann dieses Evangelium werden, was es von Anfang an sein wollte: zuallererst kein Versuch der Angstmacherei und Einschüchterung, sondern ein Zeugnis dafür, wie ernst unser Leben und all unser Tun von Gott genommen wird. Da ist nicht auf einmal alles, was wir in unserem Leben getan haben, umsonst gewesen, sondern es hat Folgen und Gewicht auch über den Tod hinaus. Freilich nicht nur das Gute findet seine Anerkennung und Bewertung, sondern es wird uns, wenn wir diesen Text von der Wiederkunft des Herrn ganz zur Kenntnis nehmen, nicht erspart, dass wir Menschen unser Leben auch verfehlen können.

Ist unser Leben gelungen?

Wo ist der Maßstab, an dem wir ablesen können, ob in den Augen Jesu menschliches Leben als gelungen oder misslungen einzuschätzen ist? Es ist ein anderer Maßstab, den Jesus anlegt, als der, nach dem heute in unserer Gesellschaft etwas zählt, Rang und Namen hat, geachtet wird. Nicht, was ich geleistet habe, wie viel Geld auf meinem Konto war, welchen Titel ich führen durfte oder wie beliebt ich war, wird die Anfrage Jesu sein, sondern ob wir ihn erkannt haben, in der Gestalt der Hungernden und Dürstenden, im Fremden und Obdachlosen, im Nackten und Gefangenen, im Kranken. Noch einmal: Es ist nicht die Frage: »Wie viel hast du für die Armen gespendet oder was hast du für die Asylbewerber in deinem Land getan, wie viel Zeit hast du für soziale Notfälle aufgewendet usw.« Sondern »Hast du mich, deinen Herrn und Bruder, erkannt im Gesicht des an Hunger und Durst Leidenden, in der Klage des Ausländers und Wohnungslosen, im leisen Stöhnen der Gefangenen und Kranken?« Und im Evangelium antworten beide Gruppen, die auf der linken und die auf der rechten Seite: »Wir haben dich doch gar nicht gesehen. Wir hatten doch keine Ahnung, dass du im Armen und Kranken zu finden bist.« Der einzige, aber alles entscheidende Unterschied ist: Die einen haben ein Leben geführt für die und mit den Armen, Kranken, Hungernden, Fremden und Obdachlosen, ohne dass sie wussten, für wen sie sich da einsetzten. Die anderen aber haben dies alles nicht getan, obwohl sie es ziemlich sicher getan hätten, wenn sie es auch nur geahnt hätten, wer da dahinter verborgen ist und welche Konsequenzen ihr Tun oder Lassen haben würde. Absichtslos tun die einen das einzig Wahre und Richtige. Die anderen aber setzen, bei all ihrer sonst anzunehmenden Berechnung, auf die verkehrte Karte und verlieren.

Der Blickwinkel für ein gelungenes Leben

Ich glaube, vor der Frage, was und wie viel muss ich tun, damit mein Leben gelingen kann, auch vor den Augen Jesu Christi, ist Ausschlag gebend und entscheidend der Blickwinkel, aus dem heraus ich etwas tue. Hier liegt der Schlüssel für ein gelungenes Leben auch über den Tod hinaus. Es ist ein Leben aus dem Blickwinkel der Barmherzigkeit heraus. Es ist ein Leben auf dem Nährboden des herzlichen Erbarmens mit der Not der anderen. Es ist ein Leben aus der Kraft der Liebe, die keine weiteren Anweisungen braucht, weil sie weiß, was gut ist. Ganz dem Spruch des heiligen Augustinus folgend: »Liebe und tu, was du willst. «

Ich möchte Ihnen noch eine Geschichte aus dem großen Schatz jüdischer Weisheit mitgeben:

»Als Rabbi Mosche Löb von Sasow gestorben war, sprach er zu sich: »Nun bin ich aller Gebote ledig geworden. Womit kann ich jetzt noch Gottes Willen tun?« Er bedachte sich: »Sicherlich ist Gottes Wille, dass ich für meine unzähligen Sünden Strafe empfange! Sogleich lief er mit der ganzen Kraft und sprang in die Hölle. Darüber gab es im Himmel große Unruhe, und bald bekam der Höllenfürst einen Erlass: Solange der Rabbi von Sasow dort ist, soll das Feuer ruhn. Der Fürst bat den Zaddik, sich nach dem Paradies hinwegzubegeben, denn hier sei nicht sein Platz – es gehe nicht an, dass die Hölle seinetwegen feiere. »Ist dem so«, sagte Mosche Löb, »dann rühre ich mich nicht weg, bis alle Seelen mitgehen dürfen. Auf Erden habe ich mich mit der Auslösung Gefangener abgegeben, da werde ich doch diese Menge nicht im Kerker leiden lassen!« Und er soll es durchgesetzt haben.«
Wenn wir den Blickwinkel dieses jüdischen Weisen, dieses Zaddik, haben, dann brauchen wir uns wirklich bei Gott keine Gedanken mehr zu machen, wie wir einmal vor unserem himmlischen Richter stehen und bestehen werden. Denn der hat den gleichen Blickwinkel, er ist unser Retter und Erlöser und dies nicht erst am Ende der Zeiten, sondern jetzt schon und jeden Tag neu. Seine Liebe gibt uns die Kraft und zeigt uns die Richtung für unser alltägliches Leben und Handeln. Wir brauchen nichts zu fürchten. Er steht auf unserer Seite und er steht uns zur Seite. Wir brauchen eigentlich nur zu wollen und uns mit ihm auf den Weg zu machen. Schritt für Schritt – nur achtsam schauend, dass wir ihn, Jesus Christus, nicht aus dem Auge verlieren. Aber wir wissen ja jetzt, wie wir ihn erkennen: aus dem Blickwinkel der Barmherzigkeit und Liebe.
Gott sei Dank!

Richard Pschibul

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