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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
19. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A
Einführung
Mitten in der Ferienzeit haben wir uns zum Sonntagsgottesdienst versammelt. Wir brauchen die Zeiten der Erholung und Entspannung, um wieder bei uns selbst sein zu können und im Auf und Ab des Lebens nicht unterzugehen. In Jesus Christus bietet Gott uns seine helfende, rettende Hand an. Er kommt uns in unserer Feier auch jetzt entgegen.

Kyrie-Ruf
GL 485 »Der in seinem Wort uns hält«

Tagesgebet
Messbuch – 19. Sonntag im Jahreskreis

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 297 »Gott liebt diese Welt«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 123/1 »Der Herr schenkt seinem Volk den Frieden« mit 123/2,8–13 (Psalm 85) und GL 532/7 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 298 »Herr, unser Herr, wie bist du zugegen«
Gesang zur Kommunion
GL 538,1.5–7 »O heilger Leib des Herrn«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 634,1.5–6 »Dank sei dir, Vater«

Fürbitten
Allmächtiger Gott, unser Geschick liegt in deinen Händen. Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir und bitten dich:

– Stehe der Kirche bei, trotz aller Widrigkeiten deine rettende und befreiende Botschaft zu verkünden.
– Bewahre alle, die von den Enttäuschungen des Lebens niedergedrückt werden, vor Mutlosigkeit und Verzweiflung.
– Lass die Menschen im Auf und Ab ihres Lebens, in den Sorgen und Freuden des Alltags, dich und dein Reich nicht aus dem Auge verlieren.
– Schenke allen, die uns im Zeichen des Glaubens vorangegangen sind, deine Geborgenheit und deinen Frieden.

Herr, unser Gott, du bleibst bei deiner Kirche auf der Fahrt durch die Jahrhunderte. In aller Gefahr strecke uns deine rettende Hand entgegen durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Fürchtet euch nicht!

Vorüberlegungen
Zum Text: Mt 14,22–33 (Evangelium)

Die Botschaft des Evangeliums lautet: Jesus ist der Sieger und Herr über die feindlichen Gewalten. Der aufgepeitschte See ist ein Bild für die Macht des Chaos und des Todes. Der Wandel Jesu auf dem See im Sinne einer Theophanie soll das Vertrauen der Jünger stärken und ihren Glauben an Jesus als den Sohn Gottes festigen. Jesus Christus ist kein »Gespenst«, sondern der Retter aus der Gefahr. In allem Auf und Ab des Lebens und der Geschichte gilt für die Jünger, für die Kirche und letztlich für die ganze Welt: Gottes Sohn ist in ihrer Mitte. Das Verhalten des Petrus zeigt: Nur der bedingungslose Glaube trägt. Der Einzelne und die Kirche werden vor dem Versinken bewahrt, wenn sie glaubend die Hand des Herrn ergreifen.

Predigt

Das Boot der Kirche

Wir ahnen es: Mit dem Boot im Gegenwind meint der Evangelist Matthäus die Kirche. Sie ist unterwegs für Jesus und sein Evangelium. In der Geschichte von der stürmischen Fahrt ist der Schicksalsweg der Christen angedeutet. Es ist der Weg des Glaubens mit seinem wechselvollen Auf und Nieder, seinem Licht und seiner Dunkelheit. Das Boot, von Wind und Welle in nächtlicher Stunde bedroht, ist ein sprechendes Bild für die Kirche zu jeder Zeit. Kirche, die kurzsichtig hinter den Anforderungen der Stunde zurückbleibt, die Aufgaben der Zeit nicht versteht und ihre Zukunft nicht annimmt als die Zukunft Gottes. Kirche in der Gefahr, ihre Vergangenheit zu glorifizieren und in ihrer Gegenwart zu verzagen. Kirche, die aus bürokratischen Mechanismen lebt, statt aus der Begeisterung des Geistes, aus dem Altbewährten mehr als aus dem kühnen Neuen unserer Stunde. Immer stellt sich für sie die Frage der Nähe zu Jesus Christus.

Der Herr der Kirche

Dieses Evangelium heute zeigt überraschend, dass Jesus Christus, der Herr der Kirche, genau in den Grenzbereichen des Lebens, die wir so gerne verdrängen, präsent ist und das entscheidende Wort spricht, wo die Menschen den Blick zu verlieren drohen. »Fürchtet euch nicht! Ich bin es!« (Mt 14,24). Jesus ist da. Mitten in der größten Not kommt er über das Wasser. Er ist stärker als die Todesfluten. Er steht über ihnen. Er widersteht dem Sturm, dem Gegenwind, der seiner Kirche ins Gesicht bläst. In ihrer mühevollen und gefährlichen Situation befällt die Jünger eine große Angst, sie schreien laut auf, wie bei den Gotteserscheinungen auf dem Weg durch die Wüste das Volk Israel ein ungeheurer Schrecken befallen hat. Immer wenn das Volk die machtvolle Anwesenheit Gottes erfährt, ergreifen es Furcht und Entsetzen. Jesu Schreiten über das Meer und seine darin erscheinende Macht wird von den Jüngern mit Gottes Handeln und Macht gleichgesetzt. Ihr Glaube klärt sich zum Bekenntnis: »Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.«
Petrus zieht schon vorher die Konsequenz aus dieser Erkenntnis: Wenn Jesus Gott ist, dann gelingt mir mit ihm alles. Mit ihm schreite auch ich auf der Höhe des Sees einher. Jesus spricht das kurze Wort: »Komm!« Und Petrus geht auf ihn zu. Der Glaube, das Vertrauen zu Jesus trägt ihn. Er wandelt über die aufgewühlten Wasser. Aber Petrus zweifelt. Er überlässt sich der Angst. Er schaut nicht mehr auf den Herrn, sondern auf das aufgewühlte Wasser. Wie er aber den Blick vom Herrn wegwendet, schwindet sein Glaube und er sinkt.

Zweifel oder Vertrauen

Für uns sind die Erfahrungen des Petrus wichtig: Er glaubt Jesus, er traut dem Herrn viel zu und nimmt so teil an der Macht von Jesus. Petrus erlebt aber auch seine Grenze. Sein Glaube ist zu selbstsicher und zerbricht an der harten Wirklichkeit. Begeisterung und Überschwang von Gefühlen sind noch nicht starker Glaube, der trägt und hält. Wind und Wogen bleiben. Die Begeisterung und die Freude des Glaubens werden von der Wirklichkeit und ihren Sorgen und Belastungen aufgezehrt. Jesus reicht dem untergehenden Petrus seine Hand und entreißt ihn der Gefahr.
Was für Petrus gilt, das trifft für die ganze Kirche zu. Auch sie erscheint manchmal verzagt, mit wenig Vertrauen in ihren Herrn. Sie wird von den Stürmen der Zeit gebeutelt. Viele tragen noch ein liebgewordenes Bild von Kirche in sich, das sie heute nicht mehr finden: Kirche als der Fels in der Brandung; alles an ihr ist Festigkeit und Sicherheit. Heute im Evangelium steht das gebrechlichste Bild von Kirche vor uns: Ein armseliges Boot im hohen Wellengang kämpft gegen den Wind an. Die darin sitzen, müssen rudern und alle Mühe dransetzen. Wenn sich in dieser Kirche Angst breit macht, weil sie als kleines Boot auf den Wellen schwankt, dann ist das Vertrauen des Glaubens gefordert.
Es ging damals und es geht heute um Zweifel oder Vertrauen. Noch unsicherer als im kleinen Boot die Situation der Jünger war die Situation des Petrus auf dem Wasser. Ein Leben als Christ wird heute vielen wahrhaftig wie ein Schreiten über das Wasser erscheinen. Wer aber vom Herrn das Wort vernimmt »Ich bin es«, der kann von Vertrauen getragen auch über Abgründe schreiten.

Der Herr ist da

Das Evangelium zeichnet das Bild einer Kirche, die meint, sie sei allein; das Bild einer Kirche, das so aussieht, als sei sie allein. Und wenn die Kirche allein ist, dann wäre sie nicht nur hilflos, ein Schiff als Spielball der Wellen, dann wäre sie sinnlos. Was soll die Kirche ohne ihren Herrn Jesus Christus? Aber sie ist nicht allein: »Ich bin es, fürchtet euch nicht!« Wenn wir nur das eine behalten: »Habt Vertrauen, ich bin es. Fürchtet euch nicht!« Nur das haben wir nötig zu lernen: Dort, wo man den Herrn gar nicht vermutet, ist er plötzlich da. Dort wo man sie gar nicht mehr erwartet, tut sich seine Nähe auf. Über dem drohenden Wasser kann sein Wort gehört werden: »Fürchtet euch nicht!«
Könnte die Kirche nicht viel mehr, als sie erwartet mit ihrem sorgenvollen Tun, von der Nähe ihres Herrn erfahren, wenn sie bereit wäre, das zu vernehmen: »Ich bin es.« Der Kirche ist nicht verheißen, dass der See immer glatt ist und das Ufer leuchtet, dass jeder Ruderschlag vorangeht und das Schiff ruhig seine Bahnen zieht. Aber das ist ihr verheißen: Jesus ist der Sohn Gottes, der auf der stürmischen See mit den Seinen ist. So ist der Sturm gebannt.

Johannes Kreidler

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