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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
15. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A
Einführung
Wir kommen zusammen, um das Wort Gottes zu hören. Doch es lärmt noch in unseren Herzen. Was die vergangene Woche geschehen ist, was die kommende Woche bringen wird – beides nimmt uns in Beschlag und macht uns das Zuhören schwer. Merken wir auf, ob nicht doch ein gutes Wort in unser Herz und in unseren Verstand fallen will; ob es nicht doch einen Gedanken gibt, der uns nährt, weil er von Gott kommt.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist das lebendige Wort des Vaters.
Herr, erbarme dich unser.
Du sprichst so zu uns, dass wir dich verstehen können.
Christus, erbarme dich unser.
Mach uns bereit, dein Wort zu hören und danach zu handeln.
Herr, erbarme dich unser.

Tagesgebet
Gott,
du redest uns an wie Freunde, doch wir verstehen dich kaum. Du gibst dich uns zu erkennen, doch wir gehen an dir vorbei.
Bereite du selbst unser Herz und unseren Verstand, damit wir die Botschaft deines Sohnes nicht nur hören, sondern auch begreifen und danach handeln.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 258,1–4 »Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 520,1–3 »Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören« und GL 531/1 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 634,1–3 »Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben«
Gesang zur Kommunion
GL 557,1–5 »Du höchstes Licht, du ewger Schein«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 267,1–4 »Nun danket all und bringet Ehr«

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du redest zu uns in Gleichnissen und oft verstehen wir dich kaum. Durch dich bitten wir den Vater um ein hörendes Herz und ein beherztes Leben:

– Unser Glaube wird oft angefragt und erfährt manchen Widerstand: Gib uns Standfestigkeit und ein immer tieferes Verstehen.
(Gott, unser Vater – wir bitten dich, erhöre uns.)
– Oft reicht unsere Begeisterung für den Glauben nicht weit: Schenke uns Ausdauer für den nüchternen Glauben im Alltag.
– Wir lassen uns von Reichtum und Besitz täuschen und er­sticken fast in unseren Sorgen: Befreie uns aus diesem Sklavendienst.
– Wir wollen das Gute tun, finden aber oft nicht den Mut dazu: Sei du selbst die treibende Kraft, die die guten Früchte in unserem Leben hervorbringt.

Herr Jesus Christus, du streust den Samen deines Wortes aus in unsere Herzen. Gott, dem Vater, danken wir für jedes Wort aus deinem Mund, das uns herausfordert, tröstet und stärkt, heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Die Geheimnisse des Himmelreichs

Vorüberlegungen
Zum Text: Mt 13,1–23 (Evangelium)

Von den fünf großen Redekompositionen des Matthäusevangeliums steht das Gleichniskapitel (Mt 13,1–52) in der Mitte. Es bildet die Wasserscheide zwischen Ablehnung und Annahme der Botschaft Jesu. Davor schildert der Evangelist die Auseinandersetzung Jesu mit den Pharisäern (Mt 12), danach seinen Rückzug aus Israel (Mt 13,53–16,20). Zwar richtet Jesus seine Gleichnisrede an die ganze Menschenmenge, die sich um ihn versammelt; aber nur seine Jünger verstehen ihn, weil er sie eigens belehrt (Mt 13,16–23). Bleibt die Predigt Jesu damit bei der Menge erfolglos, so ist er dennoch nicht einfach gescheitert. Im Rückgriff auf das alte Gotteswort bei Jesaja (Mt 13,14–15) stellt der Evangelist Verständnis und Unverständnis, Glaube und Unglaube dem Ratschluss Gottes anheim, den er so wenig ergründen kann wie wir heute. Gleichzeitig sagt er seiner Gemeinde: »Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen« (Mt 13,11); das ist Zuspruch und Anspruch zugleich.

Predigt

Hören lernen

Unsere Welt wird immer lauter und wir hören immer weniger. Es wird immer mehr geredet und immer weniger hingehört. Wer viel redet, der gibt den Ton an. Das ist die Logik unserer Welt. Das Reich Gottes und seine Botschaft folgen einer anderen Logik. Hier kommt es nicht in erster Linie auf das Reden an, sondern auf das Hören, freilich nicht auf das oberflächliche Hören. Wer nur Laute vernimmt, hat noch nicht gehört. Wer das Gehörte zwar herunterbeten, aber nichts damit anfangen kann, hat noch nicht richtig hingehört. Jesus möchte von uns nicht nur dem Wort nach gehört, sondern auch verstanden werden. Sein Wort will nicht nur unseren Verstand, sondern auch unser Herz anrühren. Aufmerksames, zugewandtes Hören fordert den ganzen Menschen. Das weiß jeder, der sich auf das Zuhören versteht. Das wissen Eltern, die ihren Kindern nicht nur ein halbes Ohr leihen, sondern lebhaft nachempfinden, was ihnen ihre Kinder zu erzählen haben. Das erfahren Freunde, die einander nicht nur Sachverhalte mitteilen, sondern sich im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig austauschen. Das beachten gute Lehrer, Chefs, Ärzte und Pfarrer, die auch auf die leisen Zwischentöne achten. Nur wer richtig zuhört, kann zur Einsicht kommen, mit Herz und Verstand. Nur wer einsichtig ist und sich etwas sagen lässt, kann sich immer neu bekehren und heil werden. Solches Hören kann man lernen, und es will gelernt sein, wenn das Wort Gottes für uns Christen mehr als Schall und Rauch sein soll. Das Gleichnis vom Sämann kann es uns lehren.

Verstehen wollen

Zunächst geht es darum, dass wir das Wort vom Reich Gottes nicht nur hören, sondern es auch verstehen. Dazu muss es aber tiefer in uns eindringen als das oberflächliche Gerede, mit dem wir uns oft die Zeit vertreiben. Es darf nicht wie ein Weizenkorn auf Weg fallen, wo es bald verloren ist. Das Wort Gottes muss in uns Raum gewinnen. Wir brauchen Muße, um darüber nachzusinnen. Die Neugierde muss uns antreiben, seinen Sinn immer tiefer zu erfassen. Immer wieder bin ich Menschen begegnet, die in ihrer religiösen Entwicklung an irgendeinem Punkt hängen geblieben und nicht mehr weitergekommen sind. Viele kümmern sich nicht darum, ob mit Leib, Seele und Geist auch ihr Glaube aus Kindertagen irgendwann einmal erwachsen wird. Manche haben buchstäblich abgehängt, sich nie mehr um ein vertieftes Verständnis des Glaubens und Lebens bemüht. Andere haben schlechte Erfahrungen gemacht, mit der Kirche, mit Pfarrern und Lehrern, und sind nie darüber hinweggekommen. Bei solchen Menschen ist es ganz leicht, den Samen des Glaubens wegzunehmen. Vögel, die ihn fressen, gibt es ja genug. Da sind die Spötter, die den Glauben für naiv und dumm halten. Da sind die Zyniker, die jede Hoffnung über das Alltägliche hinaus belächeln. Da sind die Materialisten, für die nur das Handgreifliche zählt. Nur wer sich andauernd um ein tieferes Verstehen des Glaubens bemüht, mit Herz und Verstand, kann diesen allen entgehen.

Nüchtern glauben

Andere nehmen das Wort Gottes begeistert auf, aber es schlägt keine Wurzeln, weil es nur wenig Halt und Nahrung findet. Wie der Same auf felsigem Grund, wenn ein wenig Regen darauf fällt, so geht es schnell auf. Sobald aber die Hitze drückend und die Zeiten trockener werden, geht es ein und verdorrt. Der Glaube ist dann nur etwas für Zeiten der Hochstimmung, aber für den Alltag taugt er nicht. Es gibt ja auch im religiösen Bereich so etwas wie eine Eventkultur. Denken wir nur an die charismatischen Großereignisse, die Jugendtage, Taizé-Treffen und anderes mehr. Gewiss, ohne den Humus des Begeisterung geht der Same des Glaubens nicht auf. Aber oft ist die Bodendecke zu dünn, die Begeisterung zu oberflächlich. Solange wir zum Fest des Glaubens versammelt sind, fällt das Glauben nicht schwer. Die Bewährungsprobe findet jedoch im Alltag statt, und dort besteht nur ein Glaube, der nüchtern genug ist, um sich nicht sofort entmutigen zu lassen. Wer Tag um Tag aus dem Glauben leben will, der braucht viel Geduld und Ausdauer. Nicht die rauschhaften Erlebnisse allein machen den Glauben, auch nicht die ekstatischen Bekenntnisse, sondern erst das andauernde Leben des Glaubens im Alltag.

Bescheiden leben

Dort treffen wir auf ganz konkrete Bedrohungen des Glaubens. Die größte Gefahr für den Glauben ist nach Jesu Worten der trügerische Reichtum. Er gefährdet den Glauben deshalb so sehr, weil er eine Menge Sorgen mit sich bringt. Nicht umsonst sagen wir gern: »Nichts haben ist eine ruhige Sache.« Denn wer etwas hat, wer irgendetwas sein eigen nennt, der muss sich laufend darum kümmern. Und wer sich um etwas kümmert, der hat stets auch Kummer und Sorgen. Das ist das Trügerische am Reichtum: zu meinen, er gebe einem Menschen die ersehnte Ruhe und Sicherheit. Dabei bringt er oft erst den täglichen Ärger und Verdruss. Zu haben, was man zum Leben braucht, das ist eine schöne und komfortable Sache. Aber aller Besitz hat die Tendenz, den Menschen zu überwuchern so wie Dornen und Dickicht den guten Samen. Oft kann man sich fragen, wer eigentlich wen mehr im Besitz hat: ich meine Besitztümer oder meine Besitztümer mich. Wie sehr lassen wir unser Leben bestimmen von den Dingen, die man haben kann! Was für unnötige Sorgen machen wir uns um Kleidung und Nahrung, Haus und Auto, Urlaub und Freizeit! Umso wichtiger ist es, dass wir uns vom Reichtum nicht täuschen lassen. Er ist stets darauf angelegt, uns um das wichtigste Gut zu betrügen: die Offenheit für das Wort Gottes und den lebendigen Glauben daran.

Beherzt handeln

Unverständnis, mangelnde Ausdauer und die Sorge um unseren Besitz hindern uns oft am rechten Glauben. Aber das Wort vom Reich Gottes kann bei uns auch auf guten Boden fallen, und dann bringt es reiche Frucht. Dazu müssen wir es hören und verstehen, dann aber auch im täglichen Leben umsetzen. Wirklich begriffen hat das Wort Gottes erst, wer auch danach handelt. »An den Früchten werdet ihr sie erkennen«, sagt Jesus einmal, als es darum ging, echte Propheten von Scharlatanen zu unterscheiden. An den Früchten werden auch wir selbst erkannt: ob wir wahrhaft Glaubende sind oder hohle Schwätzer; ob wir wirklich begriffen haben, worauf es ankommt, oder uns immer noch von Reichtum und Besitz blenden lassen; ob unsere Freude tief verwurzelt ist oder beim ersten Widerstand in Trauer und Resignation umschlägt. Die Früchte des Reiches Gottes sind vielfältig. Sie zeigen sich am deutlichsten dort, wo unsere Gerechtigkeit die Gerechtigkeit dieser Welt übertrifft: immer dann, wenn wir lieben, ohne Gegenliebe zu erwarten; immer dann, wenn wir geben, ohne etwas zu bekommen; immer dann, wenn wir wider alle Hoffnung am Glauben festhalten.

Frucht bringen

»Wer Ohren hat, der höre!« Wer hören will, der muss seine Ohren spitzen. Wer recht hören will, der muss sich mit Herz und Verstand um Einsicht bemühen. Was einer nicht nur gehört, sondern auch im Innersten begriffen hat, das zeigt sich in seinen Worten und Taten. So sollen auch wir zu wahrhaft Hörenden werden: Das Wort Gottes soll in uns feste Wurzeln schlagen, es muss sich immer wieder durchsetzen gegen das ­Dickicht unserer Sorgen und Ängste. Dann treibt es aus uns reiche Frucht, und das Reich Gottes wird Wirklichkeit mitten in unserer Welt.

Wilfried Eisele

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