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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Achter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A
Begrüßung und Einführung
»Pecunia non olet – Geld stinkt nicht«, sagt ein Sprichwort und meint, dass Geld, egal woher es kommt, seinen Zweck erfüllen kann. Man sieht ihm ja nie an, woher es stammt. Aber es gibt eben doch Geld, das zum Himmel stinkt: Bestechungsgelder, Geld aus Steuerhinterziehung, Gewinne, für die andere Menschen ausgebeutet wurden.
Es ist eine Frage unseres Umgangs mit Geld, ob es stinkt oder nicht. Und wie wir Menschen damit umgehen, hängt von unseren Überzeugungen und unserer Entschiedenheit ab. Für uns Christen ist es aber auch eine Frage des Glaubens. Denn die Güter, über die wir verfügen, sind für uns Geschenk aus der Hand Gottes. Nicht nur mein Reichtum, sondern auch meine Zeit, meine Talente, meine Beziehungen.
Wie bin ich in der vergangenen Woche wieder mit diesen Gütern und Gaben umgegangen? Wofür oder für wen habe ich sie eingesetzt?

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, in dir wohnt die ganze Fülle Gottes.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du bist arm geworden, um uns reich zu machen.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, in dir hat Gott allen Menschen den überfließenden Reichtum seiner Gnade gezeigt.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Messbuch, Tagesgebete zur Auswahl Nr. 40

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 657,1.6–8 »Ach wie flüchtig, ach wie nichtig« oder
EH1 142,1.3 »Kleines Senfkorn Hoffnung«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 292,1.4–5 »Herr, dir ist nichts verborgen« und GL 530/7 »Halleluja« oder EH 250,1.3.5 »Gehet nicht auf in den Sorgen dieser Welt«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 618 »Brich dem Hungrigen dein Brot« oder
EH 34,1–3 (vor allem 3) »Herr, wir bringen in Brot und Wein«
Gesang zur Kommunion
EH 274 »Bonum est confidere in Domino«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 832,1–3.6–7 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart)
»Ein Danklied sei dem Herrn« oder
EH 131 »Du sendest uns durch dein Wort in die Welt«

Fürbitten
Gott, du weißt, was wir zum Leben brauchen. Dennoch drängt es uns, dir zu sagen, was uns und unserer Welt Not tut:

– Lass alle, die sich in diesen Tagen zum Katholikentag in
Osnabrück versammelt haben, Kraft schöpfen und die Weite unseres Glaubens erfahren.
– Festige in den Frauen und Männern, die in Banken, Geldinstituten, Finanzämtern oder als Steuerberater arbeiten, das Bewusstsein für ihre Verantwortung und bewahre sie vor der Versuchung des Bösen.
– Stärke das Vertrauen der Menschen, denen das Geld nicht zum Leben reicht, und lass sie Hilfe und Unterstützung finden.
– Lass die Arbeit der Einrichtungen und Organisationen fruchtbar sein, denen Spendengelder anvertraut werden.
– Mache uns, die wir fast täglich mit Geld zu tun haben, wachsam für unseren Umgang mit Geld und Besitz und bewahre uns davor, unser Herz an irdischen Reichtum zu verlieren.

Gott, in Jesus Christus hast du uns deine Sorge spüren lassen. Durch ihn, unseren Bruder, und in der Freude des Heiligen Geistes, vertrauen wir dir unser Leben an, heute und in Ewigkeit. Amen.

Gott oder Geld?

Vorüberlegungen
Zum Text: Mt 6,24–34 (Evangelium)

Gott oder Mammon. Mit der provozierenden Gegenüberstellung der beiden Herren Gott und Geld/Besitz wird diese Perikope eröffnet (Mt 6,24). An zentraler Stelle der Bergpredigt greift Jesus ein spannendes Thema auf, das sich durch die ganze Schrift zieht: die Beziehung des Gottesglaubens zum Umgang mit Reichtum und irdischen Gütern. Ganz in der Linie der biblischen Tradition ist der Umgang mit Geld und Besitz für ihn nicht zuerst eine moralische, sondern eine spirituelle Frage und »eine Kernfrage der besseren Gerechtigkeit«2. Das wird vor allem durch die dann folgende Rede über die Sorglosigkeit bzw. die rechte Sorge deutlich (Mt 6,25–34). Wer sein Leben – und gegebenenfalls auch seinen Reichtum – als Geschenk erfährt und es Gott, dem Schenkenden, verdankt, kann zu einem »Leben aus der Großzügigkeit Gottes«3 und damit zu einem befreiten Umgang mit Geld und Besitz finden. Er wird aus der Logik des ständigen Sorgens um Besitz und dessen Wachstum befreit und in eine Dynamik des vertrauensvollen Empfangens und Schenkens hineingenommen. Damit knüpft dieser Abschnitt an die Rede über die größere Gerechtigkeit an (Mt 5,17–48). In der Auslegungsgeschichte wurde die Botschaft dieser Stelle oft »entschärft«. Die Worte galten den sogenannten »Wanderradikalen« oder waren im Kontext der Naherwartung zu verstehen und fanden später im Mönchtum oder den Bettelorden ihre Adressaten. Deshalb ist es wichtig zu zeigen, wie diese Worte alle »Männer und Frauen, die um das Gottesreich wissen und davon ergriffen sind«4, ansprechen – gerade in einer Zeit, in der der skandalöse Umgang mit Geld und Besitz immer wieder für Schlagzeilen sorgt.

Predigt

Wenn nur noch Geld eine Rolle spielt

Als vor drei Monaten ein bedeutender Manager der Steuerhinterziehung bezichtigt wurde, ging ein Sturm der Entrüstung durch unser Land. Dieser Sturm wurde noch heftiger, als bekannt wurde, dass zahlreiche andere wohlhabende Bürger in diesen Skandal verwickelt sind. Immer wieder wurde das große Unverständnis darüber geäußert: Warum haben Menschen, die doch schon so viel besitzen, solche Betrügereien nötig? Diskussionen um Anstand und Moral unserer Wirtschaftsführer wurden begonnen. Für die meisten ist dieses Verhalten – so es dann nachgewiesen ist – einfach kriminell und eine moralische Frage. Dass es auch eine spirituelle Frage sein kann, zeigt unser heutiges Evangelium.

Auch in der Bibel spielt Geld eine Rolle

»Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.« Damit bringt Jesus unmissverständlich Geld mit Gott in Beziehung, verbindet den Umgang mit Besitz mit dem Glauben an Gott. Er steht da in einer langen Tradition. Schon im Alten Testament spielt Geld eine Rolle, wenn es um den Glauben geht. Da werden Wohlstand und Besitz als Zeichen gedeutet, dass Gott einen Menschen reich gesegnet hat. Zugleich wird aber an vielen Stellen deutlich, dass dieser Reichtum dazu dient, Beziehungen zu stiften und zu pflegen. Denken wir an Abraham, der die drei Männer unter der Eiche von Mamre großzügig bewirten kann, weil er eben ein reicher Nomade ist. Im Alten Testament gibt es aber auch einen kritischen Blick auf Geld und Besitz. Da wird wahrgenommen, dass die Schere zwischen arm und reich bedrohlich auseinanderklafft, dass es ungerechte Strukturen und Ausbeutung gibt. Und es gibt Zeugnisse dafür, wie hier ein Ausgleich geschaffen wird: durch soziale Strukturen wie das »Erlassjahr« oder die Regel, dass bei der Ernte die zurückgelassenen Garben den Armen gehören. Die Praxis, die Erstlingsfrüchte der Ernte als Opfer darzubringen, zeigt, wie rituell und zugleich ganz praktisch eine bestimmte Haltung eingeübt wird: nämlich sich eine gewisse Distanz zu Besitz und Reichtum zu bewahren und sich bewusst zu machen, dass selbst das, was ich verdiene und erarbeite, immer noch Geschenk ist. Es ist Teil der Schöpfung, die nicht mir gehört. Es ist Gabe, mit der ich meiner sozialen Verantwortung gerecht werden kann.

Wo Geld zum Gegenspieler Gottes wird …

Auch Jesus spricht an vielen Stellen vom »Geld«, vom »Reichtum« und vom »Besitz«, um seine Botschaft vom Reich Gottes zu erklären. Er erzählt vom reichen Mann und vom armen Lazarus, von den Dienern, denen unterschiedlich viele Talente anvertraut werden, vom klugen Verwalter, der nach seiner Entlassung durch – in unseren Augen – zweifelhafte Machenschaften sich Freunde macht. Er kehrt bei einem ausbeuterischen Zollpächter ein, der danach sein Verhalten ändert, und begegnet einem reichen jungen Mann, den sein großer Besitz davon abhält, Jesus radikal nachzufolgen. Immer bringt Jesus den Umgang mit Geld und Besitz mit dem Reich Gottes in Zusammenhang. Er zeigt, dass der Glaube und die Beziehung zu Gott durchaus etwas damit zu tun haben, wie wir mit den Gütern dieser Welt umgehen. Und er macht unmissverständlich deutlich, dass Geld zum Gegenspieler Gottes werden kann. »Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.« Jesus personifiziert hier das Geld. Es wird zu einer Macht, die Menschen beherrschen und der ein Mensch sich unterwerfen kann. Eine Macht, die so stark werden kann, dass ein Mensch seine Überzeugungen oder seinen Glauben dafür preisgibt. Er kann eben nur einem Herrn dienen. Wie realistisch das ist und bleibt, merken wir, wenn Menschen um des Geldes, um des Besitzes willen
zu unmoralischen oder gar kriminellen Mitteln greifen wie jene Wirtschaftsführer in unserem Land. Aber damit es klar ist: Auch solche, die nur wenig besitzen, finden sich unter denen, die betrügen oder tricksen – auf Kosten der Gesellschaft.

… stellt sich die Frage nach meinem Glauben …

Für Jesus ist der Umgang mit Geld und Besitz mehr als eine moralische Frage. Für ihn ist es eine Frage des Glaubens. Das macht er mit diesem markanten Wort von der Konkurrenz zwischen den beiden Herren Gott oder Mammon deutlich. Das zeigt er aber auch durch das, was er dann von der rechten Sorge sagt. Auf den ersten Blick scheinen solche Worte völlig unverantwortlich in einer Zeit, in der wir wissen, wie wichtig es ist, Vorsorge zu treffen für Zeiten der Krankheit und des Alters. Das gehört doch zu unserer Verantwortung. Unverantwortlich wäre, einfach ins Blaue hinein zu leben und dann einmal anderen oder der Gesellschaft zur Last zu fallen. Und klingen solche Worte nicht auch unrealistisch, wenn wir sehen, wie viele Menschen durch Katastrophen in Situationen kommen, in denen sie nur noch schwer zu spüren bekommen, wie Gott für alle ausreichend sorgt. Wenn Jesus nach dem Wort von den zwei Herren so von der Sorglosigkeit spricht, redet er nicht einer verantwortungslosen Unbekümmertheit das Wort. Er macht aus der Armut auch keine Tugend. Er will uns aber zweierlei deutlich machen. Zum einen weist er auf die Gefahr hin, wo Menschen glauben, dass Geld und Besitz ein sorgengfreies und glückliches Leben garantieren. Er weist darauf hin – und wir kennen das wohl alle –, dass die Sorge um das Haus, um die rechte Geldanlage, um Konsumgüter, um den nächsten Urlaub, und – vor allem bei Jugendlichen – um das richtige Outfit übermächtig werden, uns auffressen, uns beherrschen kann. Zum anderen will er zeigen, dass unser Leben als Ganzes Geschenk ist. Wir können zwar mit dem, was uns geschenkt ist, verantwortungsvoll umgehen und unser Geld zu unserem und zum Wohl anderer einsetzen und damit »wirtschaften«. Aber dem Leben auch nur eine Elle zuzufügen, steht nicht in unserer Macht.

… und nach meinem Umgang mit Geld und Besitz

Damit zeigt mein Umgang mit Geld und Besitz etwas von meiner Einstellung, meiner Lebenshaltung, meinem Glauben. Die Bibel und auch Jesus geben dafür keine konkreten Anweisungen für alle. Das wäre ja schon deshalb problematisch, weil in dieser Welt nicht alle in gleicher Weise reich und wohlhabend sind. Aber das Alte Testament wie auch Jesus zeigen Möglichkeiten auf. So ist beispielsweise die biblisch bezeugte Praxis, mit Gaben und Spenden andere Menschen zu unterstützen, ein Ausdruck dafür, dass ein Mensch sich nicht vom Geld und der wirtschaftlichen Logik des »Geldvermehrens« beherrschen lässt. Er entscheidet vielmehr in aller Freiheit, abzugeben und damit andere zu beschenken. Andere bringen ihre Freiheit gegenüber »dem Mammon« dadurch zum Ausdruck, dass sie bewusst in Gütergemeinschaft leben oder freiwillig die Armut wählen. In zahlreichen Ordensgemeinschaften lebt diese Praxis heute weiter, mal mehr, mal weniger radikal. Heute kann ein bewusster Umgang mit Geld auch darin bestehen, ökologische oder soziale Geldanlagen zu wählen. Unternehmer und Manager bringen ihre Verantwortung zum Ausdruck, wenn sie in Arbeitsplätze und Bildung investieren und nicht nur die Gewinnmaximierung als alleiniges Kriterium sehen und sich damit als »Diener des Mammons« outen. Und angesichts der Skandale um Steuerhinterziehung kann sich jeder selbst fragen, ob er oder sie durch unlautere Mittel die Gemeinschaft betrügt oder den geforderten solidarischen Beitrag leistet. Jesus ist Realist. Er weiß um die Zwänge und Sorgen, in denen wir stecken. Er weiß um die Versuchungen, die Geld und Besitz mit sich bringen. Er weiß aber auch um die Kraft, die uns die Gottesbeziehung schenken kann. Die Kraft, frei zu werden. Die Kraft, uns zu entscheiden. Die Kraft, dem einen Herrn zu dienen. Denn eines geht nun einmal nicht zusammen: Gott und dem Mammon zu dienen.

Klaus Kempter

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