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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Christi Himmelfahrt
Lesejahr A
Begrüßung und Einführung
Unser Herr Jesus Christus, der beim Vater wohnt und uns doch allen nah ist, er sei mit euch!
Wir feiern Christi Himmelfahrt. An diesem österlichen Festtag erfahren wir, wo der auferstandene Herr zu finden ist: Nicht an einem bestimmten Ort dieser Erde, sondern im himmlischen Reich Gottes des Vaters. Und dadurch zugleich überall dort, wo wir nach ihm suchen, nicht zuletzt in unseren eigenen Herzen und in der Gemeinschaft, in der wir nun feiern.
Nein, wir brauchen nicht weit zu schauen, um unseren Herrn zu grüßen und uns seinem Erbarmen anzuvertrauen.

Kyrie-Ruf
Herr und Bruder Jesus Christus, du hast gesagt: »Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.«
Du bist bei uns in der Freude, aber auch in aller Not.
Herr, erbarme dich.
Du bist bei uns im Gebet, aber auch in Zeiten der Gottverlassenheit.
Christus, erbarme dich.
Du bist bei uns im liebevollen Handeln, aber auch auf allen unseren Irrwegen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
am heutigen Tag hat dein auferstandener Sohn seinen Platz an deiner Seite gefunden im himmlischen Reich. So ist er den Menschen an allen Orten und zu allen Zeiten nahe.
Lass auch uns seine Nähe erfahren, heute und an jedem Tag.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 229,1–5 »Ihr Christen, hoch erfreuet euch«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 232,5 »Gott steigt empor, Erde jauchze« mit Versen aus dem Kantorenbuch Nr. 53A oder
GL 230 »Gen Himmel aufgefahren ist« und GL 531/1 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 298,1–5 »Herr, unser Herr, wie bist du zugegen«
Gesang zur Kommunion
GL 290,1–2.5 »Gott wohnt in einem Lichte«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 223,1–2.5 »Wir wollen alle fröhlich sein«

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du hältst dich nicht fern von den Menschen. Auch in der Not bist du uns nahe.

– Wir beten für alle, die in einer verzweifelten Lage sind, weil sie Krieg oder Katastrophen wehrlos gegenüberstehen.
(V/A: Sei ihnen nahe, heile ihre Wunden.)
– Wir beten auch für Christen, die um ihres Glaubens willen benachteiligt werden oder deren Leben bedroht ist.
– Wir beten für unsere kranken und gebrechlichen Mitmenschen und für alle, die sie pflegen.
– Wir bringen dir auch unsere Kinder und Jugendlichen, vor allem die, die schon früh Leid erfahren mussten.
– Wir beten für alle Menschen, die sich in ihrer Not von dir verlassen fühlen, die von dir enttäuscht sind.
– Und wir beten für unsere Sterbenden, die Beistand brauchen in Stunden der Schmerzen und der Angst.

Herr Jesus Christus, du bist zu deinem Vater gegangen, um uns allen nahe sein zu können. Darauf vertrauen wir und gehen unseren Weg voll Zuversicht mit dir. Wir danken dir und preisen dich heute und bis in Ewigkeit. Amen.

Christi Himmelfahrt – der Tag der Wirklichkeit Gottes

Vorüberlegungen
Zum Text: Mt 28,16–20 (Evangelium)

Das Evangelium des heutigen Festtages ist der Schluss des Matthäusevangeliums. Mit diesem lenkt der Evangelist den Blick voraus; die Worte Jesu fassen in kurzen Worten die Aufgabe der nun entstehenden jungen Kirche zusammen. Verbunden wird dieser Auftrag mit einem Verheißungswort der bleibenden Gegenwart Jesu. Rein irdisch-äußerlich betrachtet steht diese Verheißung in einer Spannung zur Lesung aus der Apostelgeschichte, in der berichtet wird, dass Jesus an diesem Tag den Blicken der Jünger entzogen wird – also nicht mehr da ist.
Diese Spannung empfinden viele Christen im Umgang mit Gott: Sie glauben seine Gegenwart und empfinden sie manchmal auch. Aber sichtbar, greifbar, unwiderlegbar wahrzunehmen ist diese Gegenwart nicht. Das ist eine große Herausforderung an den Glauben, vor allem, wenn wir sehen, dass Gott auch vor größtem menschlichen Leid offenkundig untätig bleibt und schweigt.
Die Geschehnisse von Christi Himmelfahrt, wie sie von der Heiligen Schrift überliefert werden, führen genau diese Situation herbei: ein Gott, der allgegenwärtig ist und sich gleichzeitig unserem rein irdischen Wahrnehmen völlig entzieht. Hier setzt die Predigt an, beschreibt zunächst dieses Gottesbild, mit dem wir leben. Dann ermutigt sie die Hörer, diese Situation »nach Christi Himmelfahrt« anzunehmen, indem sie die Chancen benennt, die darin für den Glaubenden liegen.

Predigt

Christi Himmelfahrt – ein Feiertag ?

In diesem Jahr fallen Christi Himmelfahrt und der Maifeiertag zusammen. Das ist bitter für alle Arbeitnehmer, aber es erlaubt, heute einmal ganz unbefangen eine ketzerische Frage zu stellen: Warum ist Christi Himmelfahrt eigentlich ein Feiertag? Oder anders gefragt: Ist dieser Tag ein Grund zum Feiern?
Christi Himmelfahrt: kein Feiertag für die Jünger
Den Jüngern damals war gewiss nicht zum Feiern: Gerade erst haben sie so nach und nach das Unglaubliche glauben können: Jesus ist auferstanden. Und nun, da allmählich die Freude das ungläubige Staunen überwiegt, wird er ihnen wieder genommen: »Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken«, so heißt es in der Apostelgeschichte. Da gingen die Jünger gewiss nicht anschließend nach Hause und feierten ein Fest!

Und für uns? Feiertag oder Trauertag?

Und für uns ist es doch gar nicht so viel anders! Ist nicht gerade durch die Himmelfahrt Christi erst genau die Situation eingetreten, die uns den Glauben oft genug so schwer macht? Dass wir Jesus nicht sehen, wie seine Jünger das durften, ihn erleben mit Fleisch und Blut, seine Stimme, sein Lächeln? Nein: wir sind die Christen der Epoche nach Christi Himmelfahrt. Er ist nicht mehr in unserer Mitte wie einer von uns. Er ist unfassbar geworden. So weit weg ist er, dass wir immer wieder Schwierigkeiten haben zu glauben, dass es ihn überhaupt gibt. So weit weg ist er, dass wir uns allein gelassen fühlen mit dem vielen Leid in dieser Welt. Kümmert es ihn überhaupt, wie grausam es da oft zugeht auf dieser so gar nicht himmlischen Erde? Haben wir nicht einen Gott, der immer nur schweigt, ganz gleich, was geschieht?
Christi Himmelfahrt – wäre das nicht eher ein trauriger Gedenktag: der Tag, an dem Jesus uns verlassen hat? Ja, machen wir es uns nicht zu leicht mit diesem Feiertag. Es ist tatsächlich so: Das Ereignis der Himmelfahrt stellt genau die Situation her, die auch wir kennen. Dass Gott für uns Menschen ganz und gar nicht greifbar ist – eine gewaltige Herausforderung für unseren Glauben an ihn. Wie viel einfacher hätten wir es, wenn wir Jesus wie die Jünger einmal mit unseren eigenen, irdischen Augen sehen könnten, wenn wir einmal wie Thomas den Herrn mit eigenen Händen berühren, ja umarmen könnten!

Wie wäre die Welt ohne Himmelfahrt?

Aber sollten wir uns das wirklich wünschen? Was wäre denn geschehen, wenn die Himmelfahrt nicht stattgefunden hätte? Versuchen wir uns das einmal vorzustellen: Jesus wäre als Auferstandener in dieser Welt geblieben, als Mensch aus Fleisch und Blut wie wir, aber unsterblich, unverletzlich. An der Seite seiner Jünger und vieler Generationen von Christen hätte er die Frohe Botschaft verkündet und sein Reich auf Erden erbaut. Wahrscheinlich mit mehr Erfolg als die Kirche in den vergangenen Jahrhunderten! Und dann wäre er wohl auch heute noch irgendwo in unserer Welt zu finden. Wir könnten hinpilgern zu Jesus, und das wäre dann wohl die größte Wallfahrt der Christenheit. Oder er würde heute selbst die Welt durchpilgern, wie etwa unser Papst oder der Dalai Lama dies tun.

Jesus musste gehen, um wirklich da sein zu können

Aber eines wäre dann nicht möglich. Dieses große Versprechen, das als letzter Satz Jesu das Matthäusevangelium beschließt, das hätte er nicht geben können: »Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.« Wo wäre er wohl gerade jetzt? In Jerusalem? In Rom? In Afrika? Ganz woanders? Jedenfalls höchstwahrscheinlich nicht bei uns hier in N. (Namen des eigenen Ortes einfügen).
Aber gerade das ist doch die ganz große Zusage unseres Gottes! Schon im Bund mit dem Volk Israel, von dem wir im Alten – oder besser ausgedrückt: im Ersten – Testament hören, nennt Gott als seinen Namen JAHWE, zu deutsch: »Ich bin da«! Es ist also das Erste und Wichtigste, was wir von Gott wissen sollen: Er ist da, er ist bei uns, immer, überall, verlässlich und treu. So begegnet Gott seinem Volk, und so soll es bleiben – damit beschließt Matthäus sein Evangelium.
Und dafür war es notwendig, dass Jesus dieses irdische Leben verließ. Nach den Gesetzlichkeiten unserer Welt, wie Gott sie geschaffen hat, ist es für einen Menschen aus Fleisch und Blut nicht möglich, bei allen Menschen zu sein, an jedem Ort, zu jeder Zeit. Das sprengt unsere Möglichkeiten, das sprengt unser Denken und Verstehen. Und so musste Jesus diese sichtbare, nahe, aber auch so begrenzte Welt verlassen, um wirklich jedem, der auf ihn vertraut, nahe sein zu können. Tatsächlich ist er ja nicht fern geblieben: An Pfingsten durften die Jünger ihn in seiner Kraft und seinem Wirken erleben, in seinem Heiligen Geist. Er ist für uns nicht zu sehen und zu greifen, aber dafür – und nur so – ist er auch für alle da. Auch für uns hier in N.

Christi Himmelfahrt zeigt uns die Wirklichkeit mit ihren verschiedenen Seiten

Ist also Christi Himmelfahrt doch ein Grund zum Feiern? Jedenfalls sollten wir es uns mit diesem Tag nicht zu leicht machen: Freude allein darüber, dass der Auferstandene fähig ist, sich in den Himmel zu erheben, dass er dadurch nochmals sein Gottsein beweist, solche Freude bleibt zu sehr an der Oberfläche.
Christi Himmelfahrt ist der Tag, an dem sich zeigt, wie Gott für uns Menschen wirklich ist – und wie er nicht ist. Und wie alles Wirkliche hat auch die Wirklichkeit Gottes unterschiedliche Seiten. Deshalb gehört zu diesem Tag auch die Seite der Trauer über das, was die Jünger und mit ihnen auch wir verloren haben: einen Gott, den wir mit Händen greifen können, der beweisbar und unumstößlich da ist, den wir mit menschlichen Worten fragen können und der mit menschlichen Worten und Gesten antwortet. Es wäre manchmal so schön, einen solchen Gott zu haben.
Und doch gehört zu diesem Tag auch die Seite der Dankbarkeit darüber, dass Jesus sich nicht damit beschieden hat, einem kleinen Kreis von Menschen nahe zu sein, irgendwo auf dieser Erde. Er wollte für alle da sein, die nach ihm suchen. Nur so kommt es, dass wir heute in diesem Gottesdienst feiern dürfen: Sein Versprechen gilt, jetzt und hier, es gilt für uns. »Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.«

Nicht nur den Augen trauen

Wagen wir also, nicht allein unseren Augen zu trauen, den fünf Sinnen, mit denen wir unsere irdische Umgebung wahrnehmen. Trauen wir auch dem, was wir empfinden, was wir spüren, ohne es in Worte fassen zu können. Die Fähigkeit dazu hat Gott uns Menschen ebenso geschenkt wie unsere Augen und Ohren. Dann können wir erleben, dass Jesus sein Versprechen hält: Die Gemeinschaft in diesem Gottesdienst ist etwas ganz anderes als die schönste Maientour und der geselligste Vatertagsausflug. Das liegt nicht daran, dass das Programm ein anderes ist. Hier ist Jesus mitten unter uns – das macht den Unterschied.

Stefan Möhler

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