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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
29. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Einführung
Sonntag für Sonntag sind wir eingeladen, unseren Alltag mit seiner Geschäftigkeit zu unterbrechen. Es ist lebenswichtig, unsere Welt im Großen wie im Kleinen immer wieder in den Blick zu nehmen und uns zu fragen: Wohin gehen wir? Welche Vision haben wir? Sind wir auf dem Weg dorthin mit dem, was wir tun, oder müssen wir uns neu ausrichten? Hier und jetzt können wir zur Ruhe kommen und uns stärken und orientieren für die nächsten Schritte auf unserem Weg.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist mitten unter uns.
Herr, erbarme dich.
Du begleitest uns, wohin wir auch gehen.
Christus, erbarme dich.
Deine Botschaft weist uns die Richtung auf unserem Weg.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Lebendiger Gott,
groß bist du, Schöpfer aller Dinge. Auch uns hast du geschaffen und reich mit deinen Gaben beschenkt.
Öffne unsere Herzen weit und erfülle uns mit deiner Liebe, damit unsere Augen sehen, wie du die Welt gemeint hast, unser Mund davon erzählt und unsere Hände tun, was wir dazu beitragen können.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Freund und Bruder.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 291 »Wer unterm Schutz des Höchsten steht«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 752/1 »Vertraut auf den Herrn« mit 752/2 (Psalm 121) und
GL 531/6 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 298 »Herr, unser Herr, wie bist du zugegen«
Gesang zur Kommunion
GL 297,1–2.7–8 »Gott liebt diese Welt«
Dankhymnus / Schlusslied
GL 266 »Nun danket alle Gott«

Fürbitten
Lebendiger Gott, weil wir auf dich vertrauen, weil wir uns danach sehnen, dass dein Reich mehr und mehr wächst, darum tragen wir unsere Bitten vor dich:

– Für alle, die jede Hoffnung aufgegeben haben: Sei du ihnen Hoffnung und Zuversicht.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Für alle, die in ihrer Not nach dir rufen: Lass sie deine Nähe spüren.
– Für alle, die unsere Welt gestalten und für das Wohl der Menschen Verantwortung tragen: Verleihe ihnen Mut und Fantasie.
– Für alle, die gestorben sind: Schenke ihnen die Fülle des Lebens bei dir.

Du bist es, auf den wir bauen. Wir loben dich und danken dir, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Mit Gott rechnen – allem Anschein zum Trotz

Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 18,1–8 (Evangelium)

Beim Lesen und der Beschäftigung mit der schon so oft gehörten Perikope aus dem Lukasevangelium kam ich diesmal vom Begriff der Zuversicht nicht mehr los und davon, wie Zuversicht und Gebet zusammenhängen.
In Gesprächen mit den Menschen, denen ich begegne, erlebe ich oft Resignation, vor allem gegenüber den drängenden gesellschaftlichen und globalen Problemen. Ein lähmendes Gefühl der Ohnmacht macht sich bei vielen breit. Vielleicht aus denselben Gründen sehe ich aber auch, dass Menschen zunehmend verdrängen und ausblenden, was bedrohlich scheint. Bei »Tag und Nacht zu ihm (Gott) schreien« (Lk 18,7), das tun die wenigsten.
Es war mir wichtig, Zuversicht als christliche Lebenshaltung, verwurzelt im Vertrauen auf die Verheißung Gottes, herauszustellen, die im Gebet sowohl ihren Ausdruck erfährt als auch durch das Gebet genährt und gestärkt wird. Zu einem Leben in und aus der Zuversicht, die nichts zu tun hat mit einem verharmlosenden »Es wird schon alles gut!«, sondern die die Kraft hat, Resignation und Ohnmacht aufzusprengen, will ich ermutigen und einladen.

Predigt

Bedrohtes Leben

Das Leben ist manchmal ganz schön hart. Das trifft für die einen mehr, für die anderen weniger zu, aber im Grunde bleibt diese Erfahrung wohl niemandem von uns erspart. Wir leben in einer Welt, die im Kleinen wie im Großen weit entfernt ist davon, heil, gerecht, perfekt zu sein. Für viele Menschen bedeutet Leben täglichen Kampf ums Überleben, weil ihnen die wichtigsten Überlebens-Mittel vorenthalten werden: Frieden, Nahrung, ein Dach über dem Kopf, Bildung. Wir selbst, die wir angesichts dessen in privilegierten Verhältnissen leben, spüren es auch, wie brüchig und verletzlich das Leben ist. Die Angst vor den Auswirkungen des Klimawandels und vor der todbringenden Gewalt des Terrorismus verbindet mittlerweile die Menschen weltweit. Und auch in unserer kleinen Welt erleben wir immer wieder Situationen, in denen uns etwas an die Substanz geht, uns die Lebensgrundlage entziehen und die Lebenskraft rauben will.
Das Leben ist manchmal ganz schön hart. Wie gehen wir mit dieser Erfahrung um? Blenden wir, soweit es möglich ist, das aus, was das Leben für uns und für andere schwer macht oder sogar bedroht? Trösten wir uns mit einem »Es wird schon werden«? Oder haben wir vielleicht resigniert: »So ist das nun einmal. Was kann ich da schon ändern!« Welche Strategien haben wir entwickelt?

»Betet!«

In dem Abschnitt aus dem Lukasevangelium, den wir gehört haben, bietet Jesus eine Alternative an: das Gebet. Er fordert seine Jüngerinnen und Jünger auf, allezeit zu beten und nicht darin nachzulassen. Ist das eine Alternative auch für uns? Sehr modern klingt das für manche Ohren sicher nicht. »Was ›bringt es‹ uns, wenn wir beten?«, möchte vielleicht manch einer fragen. Können wir ernsthaft erwarten, dass Gott auf unser Gebet hin mit einem Schlag alles ändert? Müssen wir ihm erst sagen, wie es besser zugehen sollte auf dieser Welt? Und wenn ein Gebet nicht erhört wird, liegt es dann daran, dass der Beter, die Beterin falsch oder zu wenig oder nicht inbrünstig genug gebetet hat?
Sehen wir uns an, worum es Jesus geht. Er erzählt seinen Zuhörerinnen und Zuhörern dazu ein Gleichnis: das Gleichnis vom ungerechten Richter und der armen Witwe, die mit ihrem Anliegen zu ihm kommt und allein durch ihre Hartnäckigkeit die Mauer aus Desinteresse und Hartherzigkeit einreißt. Der Richter gibt dem Drängen der Frau nach und zwar nur deshalb, weil er befürchtet, von ihr am Ende noch in aller Öffentlichkeit geohrfeigt zu werden. Die Frau hat zu guter Letzt erreicht, worum es ihr ging.
Aber es ist nicht sie, die im Mittelpunkt des Interesses steht. Im Grunde geht es in diesem Gleichnis um die Reaktion des Richters. Wenn schon dieser gottlose, ungerechte Mensch seine Bittstellerin hört und reagiert, wie sollte dann der gütige, liebende Gott die, die er sich als sein geliebtes Volk auserwählt hat, ungerührt schreien lassen? Ein Ding der Unmöglichkeit! Unvorstellbar!

Der Verheißung trauen

Lukas erzählt dieses Gleichnis Jesu in diesem Zusammenhang deshalb, weil er die Menschen, für die er schreibt, ermutigen will: Gott hört und erhört seine Auserwählten, auch wenn es im Moment gar nicht danach aussieht. Lukas schreibt zu einer Zeit, in der die Christinnen und Christen sich langsam damit abfinden, dass die Wiederkunft Jesu nicht unmittelbar bevorsteht. Zugleich machen sie nicht nur gute Erfahrungen mit ihrer Umwelt. Sie werden angefeindet und es gibt verschiedentlich Verfolgungssituationen. Die frohe Botschaft Jesu aber, die wir bei Lukas wenige Verse zuvor lesen, bleibt: Das Reich Gottes ist nicht etwas, das irgendwann kommen wird, sondern es ist schon da; es ist schon mitten unter uns (vgl. Lk 17,20f). Darauf können sie, die ersten Christen, und darauf können auch wir heute vertrauen. Wir können zuversichtlich sein, dass Gott, der diesen Anfang geschenkt hat, auch zu einem guten Ende bringen und vollenden wird, was er begonnen hat. Wir können darauf bauen: Das Reich Gottes wächst.
Diese Zuversicht und das Gebet gehören zusammen. Denn wer betet, der erwartet etwas. Der findet sich nicht einfach ab mit einer Situation, so wie sie ist. Was ich als Lob oder Dank, Bitte oder Flehen vor Gott bringe, drückt mein Vertrauen aus, dass die Welt, wie wir sie jetzt erleben, nicht so bleiben wird, sondern werden wird, wie sie sein soll. Beten heißt, Gott hinhalten, was ist, in der Hoffnung, dass es sich wandeln wird.

Zuversichtlich leben

So, wie wir das Beten als Ausdruck der Zuversicht sehen können, so lässt sich die Zuversicht als Lebenshaltung deuten, die aus dem Gebet erwachsen kann. Wer zuversichtlich lebt, lässt sowohl die Resignation hinter sich als auch einen Zweckoptimismus, der sich beruhigend selbst zusagt: »Es ist ja doch nicht so schlecht. Man muss nur das Positive sehen.« Zuversicht stellt sich der Realität. Sie verliert die Welt, wie sie ist, nicht aus dem Blick. Aber sie sieht auch mehr als das, was ist: Sie sieht das, was sein könnte. Sie sieht, wie Gott die Welt will, und ist getrieben von einer großen Sehnsucht nach dieser neuen Welt. Zuversichtlich leben heißt, mich in meinem Denken, Fühlen und Handeln nicht von dem leiten lassen, was ich an Schlechtem erfahren habe, höre oder sehe, sondern von dem, was ich an Gutem erwarte, erhoffe, ersehne. Zuversicht heißt, darauf vertrauen, dass die Menschen und die Dinge sich zum Guten wandeln können; dass Gott die Menschen und die Dinge zum Guten wandeln kann. Es heißt, in meinem Leben mit Gott rechnen und davon mein Handeln bestimmen lassen.
Das Leben ist manchmal ganz schön hart. Verheißen ist uns etwas anderes: Verheißen ist uns Gottes Reich und Leben in Fülle. Wir können das nicht »machen«. Aber mit Zuversicht könnten wir uns und unsere Welt ein Stück auf diese Verheißung zubewegen. Auch dazu sind wir als Christinnen und Christen auserwählt.

Gabriele Hüben-Rösch

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