Dienst am Wort – Startseite
Startseite » Archiv » Ausgabe 5/2007 » Leseprobe 2
Titelcover der archivierte Ausgabe 5/2007 – klicken Sie für eine größere Ansicht
Die Inhalte
der Zeitschrift
»Dienst am Wort«
Herausgeber
Unsere Autoren
<<< zur vorherigen Ausgabe zur nächsten Ausgabe >>>
Leseprobe 2
15. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Christus: Raum, Weg und Ziel

Predigt
Zum Text: Kol 1,15–20 (2. Lesung)

Die heutige Lesung aus dem Kolosserbrief führt uns an die geschichtliche Wurzel des christlichen Glaubens und an den Urgrund unserer christlichen Existenz. Wir hören eines des ältesten Lieder, die Christen seit frühester Zeit auf ihren Herrn Jesus Christus singen. In den höchsten Tönen wird er gelobt. Es gibt nichts, aber auch gar nichts, das nicht mit ihm in einer lebendigen Beziehung stünde. Alles hat seinen tiefsten Grund in ihm: Himmel und Erde, Erlösung und Vollendung. Er ist alles in allem. Hier zeigt sich, was ein christliches Leben ist: Es ist ein Leben in ihm, durch ihn und auf ihn hin.
In ihm – der Raum
Als Christen leben wir ihn ihm, in Christus. Er ist gleichsam unsere Welt. Zwar leben wir als Menschen immer schon in der Welt. Es gibt Momente in unserem Leben, da meinen wir, die Welt gehöre uns, alles ließe sich unseren eigenen Plänen und Vorstellungen unterordnen. Im nächsten Augenblick gewinnen wir den Eindruck, die ganze Welt habe sich gegen uns verschworen, nichts von dem, was wir in die Hand nehmen, wolle uns gelingen.
Doch die meiste Zeit nehmen wir die Welt, in der wir leben, gar nicht mehr wahr. Sie ist einfach da und bildet den selbstverständlichen Lebensraum, in dem wir uns bewegen. Das ist die ganz gewöhnliche Welt. Doch etwas anderes ist es, wenn wir sagen, etwas sei unsere Welt. Das sind Dinge, in denen wir ganz zu Hause sind, Betätigungen, in denen wir vollständig aufgehen. Die große weite Welt genügt zum Leben nicht. Jeder und jede braucht seine und ihre Welt, denn nur in dem, was unsere Welt ist, erfahren wir Geborgenheit, Sinn und Glück. Christen sind wir, wenn Christus unsere Welt ist, der Raum, in dem sich unser Leben entfaltet. In der Taufe sind wir mit ihm zu einem neuen Leben auferstanden und so leben wir unser ganzes Leben in ihm. Er ist unsere Welt.

Durch ihn – der Weg

Wir leben aber nicht nur in Christus, wir leben durch ihn. Unser Beten erreicht sein Ziel nur »durch Christus, unseren Herrn«. Diese Formel zum Abschluss unserer Gebete ist keine belanglose Floskel. Darin kommt zum Ausdruck, dass wir in allen unseren Anliegen einen Mittler und Anwalt haben. Unser Reden und Schweigen, unser Singen und Klagen wird erst dadurch zum Gebet, dass Christus selbst in uns betet. Er ist der Weg, auf dem wir freien Zugang haben zum Vater. So leiht er uns seine Stimme zum Gebet.
Gleichzeitig spricht aber auch Gott durch Jesu Stimme zu uns. Das Evangelium Christi, das wir hören, ist der Weg, auf dem uns der unsichtbare Gott anspricht wie Freunde.
Aber nicht nur unser Beten, sondern unser ganzes Leben und Handeln geschieht »durch Christus, unseren Herrn«. So ist unser Beten der tiefste Ausdruck unseres christlichen Lebens. Umgekehrt wird unser Leben von unserem Beten geprägt. So wird Christus zum Weg, zum ureigenen Lebensweg eines jeden Menschen, der sich vertrauend auf ihn einlässt.

Auf ihn hin – das Ziel

Immer wieder wird gesagt, der Weg sei eigentlich schon das Ziel. Wer selbst einmal die Strapazen eines anstrengenden Weges auf sich genommen hat, wird das sicher nicht so einfach behaupten. Er oder sie weiß: Der Weg ist der Weg, mit all den Anstrengungen, die ein solcher Weg mit sich bringt; und das Ziel ist das Ziel, die glückliche Ankunft und die müde Zufriedenheit darüber, dass sich die Mühen gelohnt haben. Gewiss, wer sich auf einen langen Weg macht, wird nicht erst am Ziel finden, was er sucht. Manche Hoffnungen werden sich schon unterwegs erfüllen, manche sogar übertroffen werden. Aber das ist nur die eine Seite. Auf der anderen Seite werden auch Befürchtungen wahr werden und manches unerwartete Unglück eintreffen. Das unterscheidet den Weg vom Ziel, dass auf dem Weg beides begegnet: das Leichte wie das Schwere, das Gute wie das Böse.
Christus ist unser Weg, aber auch ihn haben wir nie ganz, solange wir noch unterwegs sind. Die ungetrübte Freude seiner Gegenwart erwartet uns erst am Ziel. So leben wir Christen unser Leben auf Christus zu, auf ihn hin. Auf dieses Ziel richtet sich unsere Hoffnung, ja unser ganzes Leben.

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du bist vor aller Schöpfung und alles hat in dir seinen Bestand. Zu dir beten wir:

– In dir leben wir, bewegen wir uns und sind wir: Sei denen Heimat, die Heimat suchen.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
– Nur durch dich gelingt unser Beten und Arbeiten: Sei denen Kraft und Zuversicht, die ausgebrannt und ohne Hoffnung sind.
– Auf dich hin ist unser Leben ausgerichtet: Sei denen Sinn und Ziel, deren Leben schwer und sinnlos geworden ist.
– Unsere Verstorbenen sind uns vorausgegangen zu dir: Schenke ihnen den Frieden, den die Welt nicht geben kann.

Herr Jesus Christus, du hast Frieden und Versöhnung in unsere Welt gebracht. Lass die Gaben der Erlösung Frucht tragen für die Ewigkeit. Amen.

Wilfried Eisele

Zurück zur Startseite

Sie haben die Wahl...
weitere Infos zu unseren Abonnements
pastoral.de
BasisProgramm

pastoral.de - BasisProgramm
weitere Infos zum BasisProgramm
Anzeigen
Mit Anzeigen und Inseraten erreichen Sie Ihre Zielgruppe. Anzeige aufgeben

Unsere neue Dienstleistung für Verlage, die Ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.


aboservice

mehr
Informationen



Dienst am Wort
Telefon: +49 (0) 711 44 06-134 · Fax: +49 (0) 711 44 06-138
Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern
Kontakt | Sitemap | AGB | Widerruf | Datenschutz | Impressum