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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Elfter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Ausschließlich auf Jesus vertrauen ist Gewinn

Predigt
Zum Text: Gal 2,16.19–21 (2. Lesung)

Leistung oder Geschenk

Wenn ich Sie fragen würde, was Ihnen sympathischer ist: Ihre Leistungen aufzuzählen oder ihr Versagen einzugestehen, so ist die Antwort meistens klar. Wer möchte schon gern seine Misserfolge zugeben. Das kann bei den Menschen Schadenfreude oder Geringschätzung auslösen. Und Misserfolge rufen bei uns oft Niedergeschlagenheit, Unsicherheit, und mangelhaftes Vertrauen in unser Können hervor.
Wenn wir uns fragen, wie das rechte Verhältnis gegenüber Gott aussieht, dann stellen wir fest: Wenn wir unsere Leistungen aufzählen oder unser Versagen eingestehen, dann können die Meinungen darüber auseinandergehen und wir sind mit der Antwort nicht mehr so sicher.
Nach dem Matthäusevangelium werden wir danach beurteilt und gerichtet, was wir bei unseren Mitmenschen Gutes getan oder versäumt haben (vgl. Mt 25,31–46). Im Gleichnis von den Talenten in verschiedener Höhe wird derjenige hart bestraft, der nicht wie die anderen zwei Män-ner mit den Gaben gewirtschaftet hat, die sie dabei verdoppelt haben (vgl. Mt 25,14–30).
Anderseits sagt uns der Galaterbrief, dass wir nicht »gerechtfertigt werden«, d. h. nicht in das »rechte Verhältnis« zu Gott kommen, indem wir unsere Leistungen gesammelt Gott gegenüber aufzählen. Der Versuch, durch peinlich genaue Befolgung der 600 Verbote und Gebote des mosaischen Gesetzes vor Gott bestehen zu wollen, muss scheitern. Warum?
Wenn wir ehrlich sind, finden wir uns immer wieder als Versager. Der Weg des Eingeständnisses von Schuld ist menschlich. Wir erleben doch, zu welchen Konsequenzen es führt, wenn es nur noch auf die Leistung ankommt. Der einzelne Mensch verkrampft. Die Gemeinschaft leidet durch Konkurrenzdenken.
Es ist gerecht, wenn wir nicht ausschließlich nach unseren Leistung bemessen und bewertet werden. Wie viel guter Wille und ehrliches Bemühen werden dann nicht in Rechnung gezogen, wenn es nur auf den Erfolg ankommt. Den Menschen nur an seiner Leistung allein zu messen, ist ungerecht.
Wenn es Gott auf das Vorrechnen der Lebensleistung ankäme, wäre er ein harter, fordernder und kühl rechnender Herrscher. Wenn wir vor Gott unsere Schuld eingestehen dürfen, dann ist es nicht nötig, dass wir diesen Gott fürchten. Wir müssen ihm nicht ausweichen. Wir dürfen Vertrauen haben. Und wir wissen: Wir sind von Gott angenommen.
Wenn wir auf Vergebung angewiesen sind, dann verschließen wir uns nicht, sondern lassen uns beschenken. Wir sind offen. Selbst auf Vergebung angewiesen sind wir anderen gegenüber gütiger und toleranter. Wer meint, es komme nur auf die eigene Leistung an, ist auf sich selbst bezogen. Hart und unduldsam.
Wenn es nur auf die Erfüllung meiner Leistung ankommt, dann erlöse ich mich selbst. Durch diese Selbsterlösung benötigen wir keinen anderen Erlöser. Jesus Christus wird überflüssig.

Die Ausschließlichkeit

Paulus schreibt »Ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe« (Gal 2, 19), das heißt »Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2,20). Persönliche Fragen können uns deutlich machen, wie meine Christusverbundenheit aussehen kann. Kann ich behaupten: Was Jesus sagt, das ist für mich das allein Ausschlaggebende? Oder: Jesus ist für mich konkurrenzlos die einzige Autorität? Oder: Ich möchte unter keinen Umständen zu einem anderen gehören als zu ihm. Oder: Ich binde mich rückhaltlos und lebensgestaltend an Jesus. Aus diesen Fragen und Aussagen spricht eine Ausschließlichkeit. Und damit ist der Nerv der Zeit getroffen, der weitgehend »blank lieg«. Das ist der Fall, wenn er nicht eingebettet ist im Fleisch. Wenn ich mit Jesus ganz »verwachsen« bin, dann liegen meine Nerven nicht blank.
Es wäre nun unehrlich zu behaupten, diese enge Verbundenheit zu Jesus sei schmerzfrei und immer eitel Sonnenschein. Es gibt nichts zum Nulltarif. Dabei schaue ich nicht auf den Kaufpreis, sondern darauf, was ich bekomme. »Ich schaue auf den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegen hat« (Gal 2,20).
Wenn ich mich für Jesus entscheide, muss ich andere Möglichkeiten loslassen. Entweder trauere ich dem »Verlust« nach, oder ich freue mich über den überaus großen Gewinn. Die anderen Möglichkeiten muss ich nicht ganz aufgeben, aber ihre Ausschließlichkeit gibt es nicht mehr. Ein Beispiel: Als Priester habe ich keine individuelle Familie, aber ich habe familiäre Beziehungen. Ein Sechsjähriger hat zu seinem Opa gesagt: »Ich habe einen Freund, den Pfarrer; und viele Kinder suchen ihren Sitzplatz im Kindergarten ganz nahe bei mir.« Das Verhältnis zu nicht wenigen Erwachsenen ist geschwisterlich. Trotz allem bin ich als Priester nicht verheiratet. Die Ausschließlichkeit zu Jesus ist vorhanden: »Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir.« Stellen Sie für sich ganz direkt die sehr persönliche Frage: Was bedeutet Jesus für mich? Und fragen Sie sich in guten und schlechten Tagen, auf was bzw. wen Sie sich letztlich und damit ausschließlich verlassen. Wenn in jeder Lebenslage die Antwort lautet »Jesus«, dann ist Ihr Glaube echt und Sie sind wirklich Christ.

Wolfgang Straub

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