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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Erster Fastensonntag
Lesejahr C
Begrüßung und Einführung
Willkommen zu unserem Gottesdienst am ersten Fastensonntag. Am Aschermittwoch haben wir mit dem Zeichen des Aschenkreuzes die Fastenzeit eröffnet. (ggf.: Sie können dieses Zeichen auch heute noch am Ende des Gottesdienstes empfangen.)
Die Fastenzeit erfordert kein zerknirschtes Gesicht. »Du aber salbe dein Haar … und wasche dein Gesicht«, sagt die Bergpredigt (Mt 6,17). Die Fastenzeit will gerade durch den Verzicht auf Liebgewordenes eine heilsame Zeit für uns werden. Rufen wir den Herrn um sein Erbarmen an.

Kyrie-Ruf
Jesus Christus, du willst unser Leben mit Freude erfüllen; öffne uns für dich.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, du schenkst uns diese Wochen bis Ostern als eine heilsame Zeit; lass uns deine Nähe spüren.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus, du lädst uns zum Verzicht; lass diesen Verzicht auf Liebgewordenes fruchtbar werden.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Guter Gott,
wir haben uns als deine Gemeinde versammelt. Wir feiern deine Gegenwart mitten in den Herausforderungen, die das Leben an uns stellt. Du kennst die Versuchungen, denen wir ausgesetzt sind.
Lass uns deine kraftvolle Nähe spüren, damit wir unseres Menschseins froh werden und zuversichtlich dem Osterfest entgegengehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 616,2.4 »Ich bin das Licht«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 165,1–2 »Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt« und
GL 173/1 »Lob sei dir, Herr, König der ewigen Herrlichkeit« mit Kantorenbuch 155,1 (Mt 4,4b)
Gesang zur Gabenbereitung
GL 300,1–4 »Solang es Menschen gibt auf Erden«
Gesang zur Kommunion
GL 165,3–6 »Gib mir den Mut, mich selbst zu kennen«
Dankhymnus
GL 616,5 »So lasst uns denn dem lieben Herrn«

Fürbitten
Guter Gott, du kennst die Versuchungen unseres Lebens. Deshalb bitten wir dich vertrauensvoll:

– Hilf allen, die andere Menschen nur nach dem Nutzen für sich selbst beurteilen, die Würde jedes und jeder Einzelnen zu erkennen.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Öffne allen, die Macht ausüben, die Augen, dass sie diese nicht missbrauchen, sondern die Bedeutung des Dienens erkennen.
– Lass uns dich nicht vereinnahmen für egoistische Interessen.
– Tragen wir in der Stille vor Gott, was uns gerade persönlich bewegt.

Stille
Gott, unser Bruder Jesus Christus hat seinen Versuchungen standgehalten. Er helfe uns, dass wir innerlich erstarken. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn. Amen.

Die Versuchungen Jesu sind auch unsere Versuchungen
Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 4,1–13 (Evangelium)

Die Versuchungsgeschichte Jesu nach Lukas verläuft parallel zu der nach Matthäus, nur hat Lukas die zweite und dritte Versuchung umgestellt. Vielleicht deshalb, weil dann die drei Versuchungen in umgekehrter Korrespondenz zu den drei lukanischen Vaterunser-Bitten stehen, also Hunger – Macht – Gott zu Name Gottes – Herrschaft – Brot.
Die Versuchung Jesu schließt sich zeitlich an die Taufe Jesu an, in der er als »geliebter Sohn« offenbart und vom Geist bezeugt wird. Dieser Geist führt ihn in die Einöde der Wüste. Nach biblischem Verständnis ist der Versuchte nicht ein Sünder, sondern ein Gerechter, ein Frommer. Ziel der Versuchung ist deshalb, dass der Fromme sich bewährt und seine Gemeinschaft mit Gott vertieft. Die Versuchung ist aufgefangen in der Liebe Gottes. Der Psalmist bittet Gott manchmal um eine »Erprobung«. Jak 1,2 ermutigt sogar, darüber »voll Freude« zu sein.
Die Einsamkeit der Wüste, der Einöde hat Jesus offensichtlich gern aufgesucht. Hier hausen die Dämonen. Jesu Gegner ist der Teufel oder der »Durcheinanderwerfer«, der alle gerechten Ziele oder Maßstäbe durcheinanderwirft.
In der Versuchungsgeschichte weist Lukas alles von Jesus, was ihn in Richtung eines politischen Messias bringt, wie ihn manche erwarteten, sogar aus dem Jüngerkreis. Jesus wird sich zeigen als der, der Gottes Willen erfüllt, nicht menschliche Erwartungen.

Literatur
Rengstorf, Karl Heinrich, Das Evangelium nach Lukas (= NTD 3), Göttingen, 15. Aufl., 1974.
Grün, Anselm, Das Evangelium des Matthäus. Was Menschen bewegt, Stuttgart 2002.

Predigt

Versuchungen gehören zum Leben

Versuchungen kennen wir alle. Sie gehören zu unserem Menschsein. Wer kennt nicht die Versuchung: Mehr Schein als Sein? Oder die Versuchung, den inneren Hunger der Seele durch Ablenkung, Betäubung oder übertriebene Aktivität zu stillen? Versuchungen gehören zu unserem Leben – bis hin zu der Versuchung, selbst Hand an sich zu legen. Oder auch dies ist eine Versuchung: Leidenden das Leben abzukürzen durch angebliche »Barmherzigkeit«, also Hand an sie zu legen statt ihnen die Hand zu halten. Auch im Leben Jesu treten Versuchungen auf, zeigt er sich doch gerade so als wahrer Mensch. Er schwebt nicht als eine Lichtgestalt über uns, er gehört ganz zu unserem Leben mit seinen Höhen und Tiefen.

Die Kraft Jesu in der Versuchung

Andererseits zeigt Jesus gerade in der Versuchung jene Kraft, die ihm in der Taufe durch Johannes zugesagt wird. Sie drückt sich in seiner Sohnschaft aus. An ihr haben wir seit unserer Taufe Anteil, denn auch uns gilt: »Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter.«

Einsamkeit ist notwendig

Um die Kraft in der Versuchung zu spüren, bedarf es der Einsamkeit. Nur wenn wir unsere innere Wüste aushalten und uns ihr stellen, werden wir gestärkt aus ihr hervorgehen.
Durcheinander von gut und böse
Aber zunächst bringt uns der Teufel, der »Durcheinanderwerfer«, in Not. Er vermischt Gutes mit Bösem, wirft durcheinander, was Bestand hat, verwirrt uns. Manchmal merken wir das, wenn wir z. B. spüren: Meine Liebe war gar nicht so selbstlos, wie ich meinte. Sie war vermischt mit ­einem gehörigen Maß an gelten wollen, an sich behaupten oder nur schlicht mit der Sehnsucht, verstanden zu werden. Nicht, dass dies alles nicht auch sein dürfte und zu unserem Menschsein gehörte; nur ist es wichtig, dass wir dies sehen und nicht etwas vorgeben, was nicht stimmt. Die Liebe soll ungeheuchelt und sich auch ihrer Grenze bewusst sein.

Versuchung des Konsumierens

Was ist nun die erste Versuchung? Dass wir alles konsumieren wollen. Dann muss »alles etwas bringen«, sonst hat es keinen Wert. Alles wird an seiner Nützlichkeit gemessen. Es geht dabei nicht nur um Materielles, es geht um schrankenlose Befriedigung der Bedürfnisse.

Leben braucht Verzicht

Aber Leben gelingt nicht dort, wo alle Bedürfnisse befriedigt werden. Leben ist mehr; Leben braucht auch den Verzicht, den freiwilligen, um nicht abhängig zu werden. Vor dieser Abhängigkeit will uns die Fastenzeit bewahren, die am Aschermittwoch begonnen hat. Verzicht – nicht wo er sein muss, nein, freiwillig – auf Gewohntes, Vertrautes, das Glas Wein, die Tafel Schokolade, den Knopf am Fernseher oder was auch immer, aber nicht, um es madig zu machen. Im Gegenteil: um seinen Wert zu erkennen und mir die innere Freiheit zu bewahren.
Genau dazu muss ich es auch sein lassen können, es gelten lassen, ohne es zu vereinnahmen. Die ständige Frage »Was bringt’s?« zerstört den Wert, den etwas hat. Sie sieht alles nur unter dem Aspekt des Konsums. Darum sagt Jesus zum Versucher: »Der Mensch lebt nicht nur von Brot.«

Missbrauch der Macht

Unter der zweiten Versuchung leiden wir an vielen Orten der Welt: dem Missbrauch von Macht. Das Märchen kennt schon den Teufelspakt. Da will einer seine Macht steigern und verschreibt sich dem Teufel. Was ist der Preis? Der Mensch tyrannisiert die andern, verliert seine eigene Freiheit und stirbt seelisch.

»Macht« des Dienens

Es geht nicht ohne Macht in unserer Welt, aber entscheidend ist, dass sie den Menschen dient. Deshalb kam Jesus, verzichtete auf Macht und Gewalt, er »entäußerte sich« (Phil 2,7) und übernahm bewusst die Rolle des Dienenden.
Freilich gibt es da auch eine Versuchung: Man kann äußerlich dienen, um innerlich andere zu beherrschen, oder merkt gar nicht, dass man das tut. So macht man andere von sich abhängig – bewusst oder unbewusst – und vermittelt das Gefühl, als ginge es ohne einen selbst überhaupt nicht. Scheinbar verzichtet man auf Macht, in Wirklichkeit übt man sie aus, falsche Macht, die andere unfrei macht.

Missbrauch Gottes

Die dritte Versuchung will Gott vereinnahmen, um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. Das Teuflische daran ist: Sogar biblische Worte werden dazu missbraucht. Das aufgeblasene Ich zieht dann Gott heran, um ihn für eigene Zwecke zu missbrauchen. Wie viele Kriege wurden geführt – angeblich im Namen Gottes! Von der Landnahme Israels bis zum Nordirlandkonflikt! Diese Versuchung ist in jeder Religion lebendig. Wenn ich mit jemandem nicht klar komme, verteufle ich ihn oder sie, mache so ein Bild in mir fix und setze dann Gott zum eigenen Richter ein. Dann urteile ich über den anderen Menschen oder verurteile ihn und behaupte, dies geschehe im Namen Gottes.

Beten in der Versuchung

Wir sehen: Die Versuchungen Jesu von damals sind auch unsere Versuchungen heute. Deshalb beten wir im Vaterunser: »Und führe uns nicht in Versuchung.« Oder wie die Lateinamerikaner beten: »Und lass uns in der Versuchung nicht fallen.« Ja, wo wir ihr widerstehen, gehen wir gestärkt aus ihr hervor und unser Leben gewinnt an Farbe.

Wolfgang Gramer

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