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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Fest der Darstellung des Herrn
Lesejahr A–B–C
Begrüßung und Einführung
Zu unserem heutigen Gottesdienst darf ich Sie sehr herzlich begrüßen!
Heute schlagen wir noch einmal einen großen Bogen zurück zum Weihnachtsfest. Mit dem Fest Mariä Lichtmess beschließen wir den Weihnachtsfestkreis endgültig. Am Ende dieses Festkreises, so feiern wir heute, steht das Licht. Gott hat es in die Welt gesandt. Alle Menschen sollen es wissen: Gott möchte für uns ein Leben, das dem Dunkel entrinnen kann.
Halten wir am Anfang dieses Gottesdienstes ein wenig inne. Bringen wir Gott unsere Schattenseiten und Dunkelheiten und rufen wir ihn an um sein Licht.

Kyrie-Ruf
Gott, wo unser Leben dunkel ist, bitten wir dich um dein Licht.
Herr, erbarme dich.
Gott, wo wir anderen Menschen Schmerz zugefügt haben, bitten wir dich um dein Licht.
Christus, erbarme dich.
Gott, wo in unserer Welt keine Hoffnung möglich scheint, bitten wir dich um dein Licht.
Herr, erbarme dich.
oder:
GL 129 »Licht, das uns erschien«

Tagesgebet
Guter Gott,
wo wir traurig sind, wo wir nicht weiter wissen, wo der Weg abgeschnitten ist, wo wir warten und sehnen, wo wir glauben und hoffen, mitten darin werde es Licht.
Öffne uns das Herz, damit dein Leuchten in uns ankommen kann.
Darum bitten wir dich, heute und an jedem Tag.
Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 555 »Morgenstern der finstern Nacht« oder
EH 91 »Mache dich auf und werde Licht«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 155 »Christus ist geboren, Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 490 »Was uns die Erde Gutes spendet«
Gesang zur Kommunion
GL 554 »Wie schön leuchtet der Morgenstern«
Dankhymnus
GL 264 »Mein ganzes Herz erhebet dich« oder
EH 139 »Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde«

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du bist das Licht unseres Lebens. Du bist das Heil für alle Menschen. Am heutigen Festtag rufen wir zu dir:

– Um dein Licht für diese Zeit.
(Schenke uns dein Licht.)
– Um dein Licht für alle Familien.
– Um dein Licht für die Alleinerziehenden.
– Um dein Licht für die Alten.
– Um dein Licht für unsere Gemeinde.
– Um dein Licht für unsere Erstkommunionkinder.
– Um dein Licht für alle, die warten.
– Um dein Licht für alle, die nach Frieden suchen.
– Um dein Licht für uns selbst und für die Menschen, die uns besonders am Herzen liegen.

Herr Jesus Christus, wir danken dir für deine heilsame Gegenwart, heute und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen.

»Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde«
Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 2,22–40 (Evangelium)

Das Fest der Darstellung des Herrn ist stark geprägt von den zwei Menschen im Tempel: von Simeon und Hanna. Im rechten Augenblick sind sie zur Stelle und im rechten Augenblick erfassen sie, was Gott an ihnen wirkt. Er lässt sie das Geheimnis begreifen, dass in Jesus nicht nur ein Kind in die Welt gekommen ist, sondern Gott selbst, der allen Menschen auf dem Erdkreis Licht und Heil bringen will.
Was können wir von Simeon und Hanna lernen? Die geduldige Haltung des Wartens, die uns oft schwerfällt. Und das Erfassen des rechten Augenblicks, wenn der »Kairos« gekommen ist. Denn auch für uns hält Gott Momente bereit, in denen wir plötzlich unter die Oberfläche schauen können und auf dem Grund unseres Lebens Gott erfahren, der uns Licht und Heil ohne Maßen schenkt.

Predigt

Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde

»Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.« Dieses Lied ist altbekannt. Oft wird es gesungen und es trifft eine Erfahrung, die wir gut kennen: Da gibt es besondere Stunden, in denen es darauf ankommt, dass wir geistes-gegenwärtig sind, zupacken, die Chance ergreifen, die uns in den Schoß gelegt wird. Ansonsten haben wir sie vertan. Ansonsten haben wir verloren. Und auch das kennen wir: Gelegenheiten, die wegbrechen. Augenblicke, die wir verpasst haben und die nie wiederkehren.
»Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.« Es könnte die Überschrift über unserem heutigen Evangelium sein. Jetzt ist die Zeit, auf die es ankommt. Das gilt zunächst für Simeon und Hanna. Diese alten Menschen ergreifen den rechten Augenblick. Sie können es, weil sie ihn erwartet haben. Und vielleicht merken wir, dass es zwei verschiedene Zeiten gibt, die recht gelebt werden müssen.

Das rechte Warten

Da ist zum einen das Warten. Warten. Wie viel Zeit ist wohl verstrichen seit jenem Versprechen, das der alte Simeon von Gott bekommen hat, dass er den Messias sehen wird, bevor er stirbt? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass Simeon alt geworden ist über die Jahre und dass der Tod nahe ist.
Warten. Kennen wir das Gefühl? Auf einen Menschen warten. Auf Versöhnung warten. Auf einen Schlussstrich warten, den wir unter eine Geschichte ziehen wollen. Auf einen Neubeginn warten.
Warten kann verschieden sein. Es kann fatalistisch sein. Irgendetwas wird schon eintreffen, denken wir dann. Irgendwann, irgendwie. Es kommt sowieso, wie es kommen muss. Oder wir können pessimistisch warten. Das, was ich mir wünsche, was ich ersehne, was mir versprochen ist, tritt sowieso nicht ein. Kennen wir den Gedanken? Manchmal warten wir auch voller Resignation. Dann haben wir eigentlich keine Kraft mehr zu warten, zu hoffen, irgendetwas zu wollen.
Simeon und Hanna warten anders. Sie haben ein Ziel. Sie haben einen Gott, der ihnen etwas in Aussicht gestellt hat. Dennoch leben sie nicht nur auf die Zukunft hin. Nein, sie leben gerade deswegen ganz im Augenblick. Sie leben im Heute. Ihr Herz ist offen. Sie sind bereit für die Stunde Gottes. Sie sind offen für die Begegnung, ohne Hast und Druck, ohne Ungeduld. Die Stunde wird kommen, da sind sie ganz sicher. Warten. Im Hier und Jetzt leben und dabei von einer großen Hoffnung erfüllt sein. Das können wir von Simeon und Hanna lernen.

Der rechte Augenblick

Und dann, dann ist die Zeit reif. Das ist das andere. Alles Warten hat ein Ende. Der Augenblick ist da, in dem Gott sein Versprechen wahr macht. Doch dieser Augenblick nützt nur dann etwas, wenn er Menschen innerlich erreicht. Wenn sie ihre Antennen auf Empfang gestellt haben.
Bei Simeon und Hanna trifft das zu. Gott trifft sie an, weil sie da sind zur rechten Zeit. In ihre innere Offenheit fällt seine Gegenwart. Und Simeon und Hanna glauben ihm, dem großen Gott. Sie glauben ihm, obwohl er als kleines Kind zu ihnen kommt.
»Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.« Jetzt kommt es darauf an, und Hanna und Simeon greifen zu. Es ist eine rührende Geste. Simeon streckt seine Hände aus nach dem Kind, das Gott ist. Er versteht. Er weiß, was Gott ihm geschenkt hat. Und er preist den Herrn voller Innbrunst. Nun kann er gehen. Nun kann er sterben. Das war das Licht, das Gott ihm versprochen hat. Und nicht nur ihm, nein, dem ganzen Volk Israel. Nun ist er da, der Messias, der Erlöser der ganzen Welt.

Lichtmess: das Licht in unser Leben lassen

Können wir auf Hanna und Simeon schauen und von ihnen etwas mitnehmen in unser Leben? Vielleicht warten wir gerade und können etwas gebrauchen von der gelassenen, unverbrüchlichen Hoffnung der beiden.
Oder wir haben den Augenblick der Gnade vor der Nase und trauen ihm noch nicht. Zu ihm gehört, dass wir ihn entdecken. Dass wir ihn hören und sehen und anerkennen. Das gerade ist die Kunst: dass wir hindurchschauen durch die Menschen und Dinge, bis uns Gott in ihnen entgegenkommt. Wann haben wir das letzte Mal gespürt, dass Gott uns entgegenkommt, in unsere geöffneten Hände hinein?
»Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.« Wir feiern Lichtmess. Wir feiern, dass Simeon und Hanna uns den Weg zeigen, das Licht in unser Leben zu lassen. Es ist das Licht des Gottes, der uns geschenkt wird, wenn wir im richtigen Augenblick da sind und zupacken.
Unsere Welt braucht solche Menschen, die warten und hoffen, die glauben und vertrauen, die zupacken und Chancen ergreifen. Tragen wir Gottes Hoffnungslicht hinaus zu allen Menschen, die darauf warten. Und fangen wir heute damit an.

Claudia Fichter

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