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Leseprobe 1
Fest der Taufe des Herrn
Lesejahr C
Einführung
Einen Tag nach dem Fest der Erscheinung oder nach Dreikönig, wie wir dieses Fest im Volkmund nennen, feiern wir heute noch einmal eine Art Erscheinungsfest: Die Taufe Jesu. Nach dem ersten Weihnachtsfest mit der Feier der Menschwerdung in dem kleinen, hilflosen Kind werden wir zu Zeugen eines weiteren Weihnachtsfestes. In diesem Geschehen am Jordan, das das heutige Evangelium beschreibt, leuchtet das Geheimnis dessen auf, der für uns Mensch geworden ist, der sich in die Schar der Umkehrwilligen einreiht und alle menschliche Schwachheit annimmt. So wird Jesus uns allen zum Bruder und zugleich bezeugt ihn die Stimme aus dem Himmel als Gottes geliebten Sohn. Durch ihn wurden auch wir alle in der Taufe zu Töchtern und Söhnen Gottes, zu seinen geliebten Kindern.
So wollen wir ihn jetzt zu Beginn unseres Gottesdienstes um seine Nähe bitten und als unseren Erlöser preisen.

Kyrie-Ruf
Herr, Jesus Christus, du bist der von Gott geliebte Sohn, der uns gelehrt hat, Gott unseren Vater zu nennen.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus, in dir wird Gottes Geist lebendig unter uns Menschen.
Christus, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus, durch dein Kommen haben Mensch und Welt eine neue Zukunft.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott allen Lichtes, wir danken dir, dass Jesus Christus gekommen ist: Licht für die Welt, Ziel für die Suchenden, Wegzeichen für die Verirrten, mit Wasser getauft, mit dem Geist gesegnet, mit deiner Stimme berufen: Dass wir auf ihn hören und ihm folgen und dir die Ehre geben alle Zeit, dazu hilf uns durch deinen Geist.
(Aus dem Evangelischen Gottesdienstbuch von 1999)

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 140 »Zu Betlehem geboren«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 743/1 »Meine Seele, preise den Herrn« mit GL 743/2,1–4 (Psalm 104) und GL 530/1 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 144 »Jauchzet, ihr Himmel«
Gesang zur Kommunion
GL 552 »Alles Leben ist dunkel«
Dankhymnus
GL 262,1–2 »Nun singt ein neues Lied dem Herren«

Fürbitten
Großer und verborgner Gott, es gibt Momente in unserem Leben, da öffnet sich der Himmel. Im Vertrauen darauf bitten wir:

– Für die Verantwortlichen in Politik und Kirche: dass sie offene Ohren haben in Momenten, in denen Gottes Geist zu ihnen sprechen will.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Für die Menschen, die die Orientierung verloren haben: dass sie Orte und Menschen entdecken, die für sie Quelle und Anstoß sind, ihr Leben wieder an dir, Gott, auszurichten.
– Für diejenigen, die das Vertrauen in andere verloren haben: dass sie Menschen begegnen, die glaubwürdig deine Botschaft verkünden und leben, damit sie durch sie wieder Geborgenheit und Sicherheit finden.
– Für uns und alle Christen: Lass uns alle aus dem Bewusstsein, Gottes geliebte Kinder zu sein, voller Vertrauen in der Nachfolge Jesu leben.

Großer und verborgner Gott, du schaust auf uns, du hörst uns und kommst uns entgegen. Du offenbarst dich uns immer aufs Neue und lässt uns deine Gegenwart spüren. Dafür loben wir dich und danken dir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Vom menschgewordenen Gott angenommen, Mensch werden
Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 3,15–16.21–22 (Evangelium)

In den Weihnachtstagen wird viel über das Geheimnis der Menschwerdung Gottes gepredigt. Die weihnachtlichen Texte von der Geburt Jesu, der Anbetung der Hirten und der Weisen aus dem Morgenland sind so bekannt und oft gehört, dass es manchmal schwer ist, aus ihnen die Frohe Botschaft für uns Menschen zu vernehmen. Die Texte von der Taufe des Herrn sind sicher nicht so abgenutzt. Sie machen es uns leichter, in den Blick zu bekommen, was es bedeutet, dass Gott Mensch wird, einer von uns.

Predigt

Ein Geschehen wie an Weihnachten

Es ist fast wie an Weihnachten, was wir eben bei der Schilderung der Taufe Jesu im heutigen Evangelium gehört haben. Wie in der Heiligen Nacht öffnet sich der Himmel und himmlische Stimmen verkünden die Menschwerdung Gottes. Dort wird den Hirten von einem Engel, einem Boten Gottes, verkündet, dass der Welt der Retter geboren ist als kleines Kind in einer Krippe. Jetzt bei der Taufe spricht eine Stimme, die Stimme Gottes, aus dem Himmel: »Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden« (Lk 3,22). Beide Male heißt die Botschaft: Gott bleibt kein ferner Gott, sondern er tritt ein in unsere Welt. Er wird Mensch, einer von uns, einer wie wir. Vielleicht haben wir diese Botschaft – nicht nur jetzt in der Weihnachtszeit – schon so oft gehört und uns so sehr an sie gewöhnt, dass uns gar nicht mehr bewusst wird, was da im wahrsten Sinn des Wortes Unerhörtes geschieht. Denn noch nie vorher hatte man Derartiges auch nur zu denken gewagt. Gott ist Gott und bleibt Gott und der Mensch ist Mensch und bleibt Mensch, ja, wehe ihm, wenn er sein will wie Gott. Das war die Zeit vor der Geburt Jesu. Die Dinge waren vermeintlich klar. Durch die Menschwerdung Gottes aber geschieht etwas, das eine neue, ungeahnte Klarheit eröffnet. Natürlich bleibt Gott auch nach seiner Menschwerdung in Jesus Gott und der Mensch bleibt Mensch, aber es wird deutlich, wer dieser Gott ist, und gleichzeitig, wer der Mensch ist. Natürlich ließe sich dies auch an den Weihnachtstexten des Lukasevangeliums aufzeigen, aber vielleicht sind diese schon so sehr mit unserer Art, Weihnachten zu feiern, verknüpft, dass es uns, wie schon gesagt, eher schwerfällt, in ihnen das Wunder der Menschwerdung zu erkennen. Der Text von der Taufe Jesu macht es uns da leichter. Schauen wir ihn noch einmal etwas näher an und hören wir in ihn hinein, welche Weihnachtsbotschaft er uns sagen möchte.

Gott wird einer von uns

Der Evangelist Lukas schreibt kurz und knapp: »Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen« (Lk 3,21). Es klingt wie das Selbstverständlichste der Welt. Viele Menschen ließen sich damals taufen. Warum nicht auch Jesus?
Wenn wir ein paar Verse vor unsere Stelle zurückblättern, wird deutlicher, warum die Menschen dies taten. Sie waren voll Erwartung. Sie hofften auf den Messias, den Retter. Johannes verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden, heißt es, und weiter: »Das Volk zog in Scharen zu ihm hinaus, um sich von ihm taufen zu lassen« (Lk 3,7). Trotz seiner enormen Wirkung hat Johannes es wohl gespürt, dass nicht er es ist, der letztlich der Welt das Heil bringen kann. Seine Predigt und seine Taufe wollte ein Eingeständnis der Schuld und der Sünden des Menschen, bedeutete Umkehr und Vergebung der Sünden. Und die Schrift verkündet: »Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen.« Jesus stellt sich mitten unter die Menschen. – Gott wird Mensch, er wird einer von uns. So wird er uns zum Heil.
Menschliche Wirklichkeit, auf die sich Gott einlässt, heißt eben auch, und zwar zu einem erschreckend großen Teil, Dunkelheit und Verwirrung, Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit, Selbstverschlossenheit und Grausamkeit, Scheitern und Schuld. Mitten darin steht Jesus, wenn er sich mit den anderen von Johannes taufen lässt.
Paulus hat dies so formuliert: »Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden« (2 Kor 5,21). Gott nimmt unsere Wirklichkeit ernst, unsere Welt mit ihrem Schatten und mit ihrem Licht. Gott wird ganz Mensch. – In letzter Konsequenz wird sich das in seinem Tod am Kreuz zeigen. Das ist unser Gott. So ist unser Gott.

Warum tut Gott das?

Warum tut Gott das? Hätte er sich solches nicht ersparen können? Die Antwort kommt aus dem Himmel: »Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.« Das ist alles andere als eine einfache Information. Da wird nicht einfach von oben bekräftigt und zu Protokoll gegeben, wer getauft wird, sondern das ist eine Liebeserklärung. Und das Aufregendste daran ist: Wenn Gottes Sohn einer von uns geworden ist, dann gilt sie nicht nur für ihn allein. Es gilt für uns alle, was Gott da »auf gut Deutsch« sagt: »Du bist geliebt, du gefällst mir, ich freue mich an dir, du bist keine Nummer, kein Fall, weder ein Vorzeige- noch ein hoffnungsloser Fall, auch kein Zufall. Du gehörst nicht dem Staat und keiner Partei, auch nicht der Kirche. Kein Mensch und keine Behörde darf dich vereinnahmen. Du gehörst mir, Gott, allein, weil ich dich liebe.« Geht da nicht der Himmel über einem auf, dem solches gesagt wird? Oft hören wir ganz andere Stimmen in unserem Innern, die uns, so oder ähnlich, zuflüstern: »Ach, was willst denn du schon? Du bist doch ein Versager, du hast sowieso kein Glück, du bist immer an allem schuld, du kannst nichts und aus dir wird nichts.« Woher auch immer diese Stimmen stammen, von unserem Gott, der Mensch wurde, kommen sie nicht. Er versteht uns, er mag uns so, wie wir sind, auch wenn wir uns manchmal etwas arg dumm anstellen.

Welche Auswirkung hat dies auf unser Leben?

Martin Luther hat einmal gesagt: »Wir wollen oder müssen täglich in unsere Taufe hineinschlüpfen!« Ich finde das ein sehr passendes Wort, wenn es darum geht, welcher Stimme ich in meinem Leben die größte Beachtung schenke, von welcher ich mir etwas sagen lasse. Vielleicht sollten wir uns ganz bewusst jeden Tag an die Stimme aus dem Himmel erinnern und uns für sie öffnen, dass sie unser alltägliches Leben noch tiefer beeinflussen kann. Unser Leben wird dadurch sicher kein Zuckerschlecken. Da brauchen wir nur das Leben Jesu anschauen. Aber es wird ganz sicher menschlicher, weil es getragen ist von der Erfahrung des Angenommen- und Geliebtseins, weil es mit Leben erfüllt ist vom Geist des menschgewordenen Gottes. Vielleicht gelingt uns dann immer wieder oder vielleicht sogar immer mehr ein Leben, wie es die Lesung aus dem Propheten Jesaja vom Knecht Gottes beschrieben hat und wie es gut in die Nachfolge Jesu passen würde, in ein weihnachtliches Menschwerden: »Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus« (Jes 42,1–3).

Richard Pschibul

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