»Dienst am Wort – Gedanken zur Sonntagspredigt« – die Predigtzeitschrift für Pfarrer und alle im Dienst der Verkündigung Stehenden. Sie enthält für jeden Sonn- und Feiertag ausgearbeitete Predigten zu Lesung und Evangelium sowie Texte zu einzelnen Gottesdienstelementen.
Unsere aktuelle Ausgabe 1/2010
mit folgenden Beiträgen:
Einführung
Anton Seeberger
Liebe Leserinnen und Leser,
Sie haben das erste Heft des neuen Jahrgangs vor sich. Mit dieser Ausgabe wünschen wir Ihnen allen ein gutes und gesegnetes Jahr, voll von der Erfahrung der Gegenwart Gottes und von der Inspiration durch das biblische Wort. Beidem will unsere Zeitschrift dienen.
In der letzten Beiratssitzung des vergangenen Jahres haben wir die Predigten zur 2. Lesung aufmerksam und kritisch reflektiert. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass die Predigten fast durchweg originell und biblisch fundiert waren. Die sperrigen, nicht gerade gefälligen und theologisch komplexen neutestamentlichen Lesungstexte scheinen zwar Mühe zu machen, aber sie regen auch zu neuem, unkonventionellem und aktuellem Verkündigen an.
Dem Text dieses Hochfestes werden wir nicht gerecht, wenn wir bei der Frage nach der historischen Richtigkeit stehen bleiben: Gängige Bibelauslegungen (vgl. zum Folgenden z. B. SKK NT 1, Meinrad Limbeck, Matthäusevangelium, 39–58) hegen starke Zweifel daran, dass der Besuch der drei Sterndeuter aus dem Osten so stattgefunden hat. Es ist davon auszugehen, dass der Evangelist Matthäus Motive aufgriff, die in der Gesellschaft des ersten Jahrhunderts gängig waren, und daraus eine Geschichte formte, die ausdrückt, was der Evangelist über Jesus und die Menschen um ihn sagen wollte. Diese »christologische Botschaft« des Matthäus sollte denn auch immer im Zentrum der Verkündigung stehen.
Was braucht es, dass Gottes Wort zu Herzen geht? Liegt es am Prediger? An den äußeren Umständen? Nach dem Krieg waren die Kirchen voll, obwohl man ganz damit ausgelastet war, die äußere Existenz zu sichern. Ist es die Not, die Entbehrung, der äußere Druck, die hörbereiter machen für den Zuspruch, den wir Menschen uns nicht selbst geben können? Der Lesung aus dem Buch Nehemia liegt eine ähnliche Situation zugrunde: Die Rückkehrer aus dem Exil sind voll damit beschäftigt, in der zerfallenen Heimat das Nötigste aufzubauen, um wenigstens das nackte Dasein zu fristen. Und sie strömen geschlossen zusammen und hängen an den Lippen des Priesters Esra, der aus der Thora vorliest …
Gerufen, gesandt – mit seiner Verheißung im Rücken
Unsere Perikope ist weniger eine Wundererzählung als vielmehr eine Berufungsgeschichte. Äußerer Anlass der Berufung der Jünger ist die Seepredigt. Jesus Christus tritt da hoheitlich auf. Sein Auftreten erinnert an die Verkündigung des neuen Gesetzes vor dem Volk.
Der hoheitliche Abstand wird noch deutlicher durch die Erzählung vom Abstoßen des Bootes, als dessen Besitzer Petrus genannt wird. Auf die Verkündigung des Gotteswortes durch Jesus folgt sein vollkommen widersinnig erscheinender Auftrag, auszufahren (Lk 5,4). Dem folgt
Petrus und erfüllt den Auftrag in buchstäblichem Gehorsam (Lk 5,5).